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"Action frame of reference" bei Parsons

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Sitze gerade an der Ausarbeitung der Parsonschen Handlungstheorie und bin gerade am Zweifeln, ob ich den oben genannten Begriff richtig einsortiere. Zur Orientierung: Der Begriff wird auf Seite 151 oben im zweiten Band genannt.

Abels schreibt hier: "Die Struktur sozialer Systeme wird aus dem gemeinsamen Bezugsrahmen der Handlungen (action frame of reference) abgeleitet."

Ich verstehe das so, dass das kulturelle System (welches Abels ja auf Seite 148 als dominant bezeichnet), diesem "action frame" noch unterstellt ist. Oder ist der "action frame" gleichzusetzen mit dem kulturellen System :confused:?

Weiterhin kann man den Begriff des action frame doch auch den Grundlagen des Handelns zuordnen, die Abels auf Seite 150 oben nennt. Wenn jemand sein Handeln an den für das jeweilige Teilsystem geltenden Normen abwägt, bewegt er sich doch auch im "Action frame of reference" oder?

Hoffe, dass mir jemand folgen kann und hier seine erleuchtende Einschätzung einstellt :).

Danke und Gruß
Sandra

Comments

Sandra,
bin in etwa auch bei der gleichen Thematik - bei Kapitel 4
habe aufgrund deíner Fragestellung auch noch einmal genau
über diesen Begriff "action frame of reference" nachgedacht.
Eine Hilfe war für mich eine Zusammenfassung aus wikipedia.
Als Anhang für dich eingefügt.
Bin aber immer noch am genauen Lesen und Durchdenken von
Kapitel 4. Habe heute auf wikibooks eine sehr gute Übersicht
über die wichtigsten Soziologen und deren Thesen gefunden.
Ganz hilfreich als Lernstütze.
LG und noch viel Motivation beim Lernen von
Chiara

Chiara,

wir können hier nur selbsterstelltes Material hochladen. Bitte verlinke auf das Material.

Also ich denke mal, daß dieser bezugsrahmen aus den einzelnen aufgeführten systemen besteht. also laut parsons: persönlichkeitssystem, soziales system, kulturelles system.
wobei alle systeme plus den individuellen wertorientierungen diesen rahmen bestimmen..also so hab ich das verstanden.
action frame of reference = pers.system + soz.system + kult. system + wertorientierungen

berichtigt mich bitte, wenn meine ausführung falsch ist..

Im ersten Band wird dieses allgemeine Handlungssystem auch erläutert (S.209). Ich sehe es so, dass hier alle Wechselbeziehungen zwischen den Systemen verstanden werden (allg. Handlungssystem, kulturelles System, Sozialsystem, Persönlichkeitssystem und Organismus). Ich habe mir die vier Systeme für meine Aufzeichnungen einmal gtrafisch veranschaulicht, vielleicht hilft dir das ja weiter.
Hier sollte hervorgehen, dass das general action system über allem steht und diesem das kulturelle System untersteht. Dieses wirkt wiederum ein auf die 3 anderen Untersysteme.
Ist dann nicht das action frame of reference einfach das Gesamtzusammenspiel aller Systeme?

Conny_H wrote:

Im ersten Band wird dieses allgemeine Handlungssystem auch erläutert (S.209). Ich sehe es so, dass hier alle Wechselbeziehungen zwischen den Systemen verstanden werden (allg. Handlungssystem, kulturelles System, Sozialsystem, Persönlichkeitssystem und Organismus). Ich habe mir die vier Systeme für meine Aufzeichnungen einmal gtrafisch veranschaulicht, vielleicht hilft dir das ja weiter.
Hier sollte hervorgehen, dass das general action system über allem steht und diesem das kulturelle System untersteht. Dieses wirkt wiederum ein auf die 3 anderen Untersysteme.

Ist denn das Action system gleichzusetzen mit dem action frame of reference *grübel*? Ich sehe das anders, der action frame ist doch eher so etwas wie der Handlungsspielraum, während das action system ja die Struktur des Handelns darstellt (wobei man mit dieser Ausdrucksweise auch voll daneben liegen kann ...). Also ich meine, action system drückt aus, dass Kultursystem, Persönlichkeitssystem etc. miteinander verquickt sind - eben ein gemeinsames System bilden.

Könnt Ihr mir noch folgen *zweifelanderAusdrucksweiseheg*?

Keiner mehr von Euch mit einer Idee dabei?

Je mehr ich drüber nachdenke, desto unklarer wird es mir ehrlich gesagt. ;)
Aber ich hätte es schon so verstanden, dass eben das Ganze der Action frame of reference ist, sobald die einzelnen Systeme in Interaktion miteinander treten. Aber so 100%ig kann ich es nicht vom general action system abgrenzen...

Conny_H wrote:

Je mehr ich drüber nachdenke, desto unklarer wird es mir ehrlich gesagt. ;) ...

Oh - das tut mir Leid, ich wollte nicht für unnötige Verwirrung sorgen. Ich denke immer noch, dass das kulturelle System damit zusammenhängt, aber klar kriege ich es auch noch nicht. Ist aber lieb, dass Du/Ihr mit mir grübelt :)!

vittoriacolonna wrote:

Oh - das tut mir Leid, ich wollte nicht für unnötige Verwirrung sorgen. Ich denke immer noch, dass das kulturelle System damit zusammenhängt, aber klar kriege ich es auch noch nicht. Ist aber lieb, dass Du/Ihr mit mir grübelt :)!

Nein, kein Problem, ist doch gut, wenn man sein Verständnis nochmal kritisch überdenkt.
Wir wollen schließlich was dazulernen :)
Vielleicht hilft es ja irgendwie, wenn man mal in den Originaltext von Parsons schaut? Wenn ich das nächste mal in ner Unibib bin, stöbere ich mal. Vielleicht ist es ja dann ganz klar.

Talcott Parsons ist sehr komplex. In den Skripten wird er nur bruchstückhaft abgehandelt. Hinzu kommen noch verschiedene Phasen (früher/später Parsons) von Parsons Theorieentwicklung. Wenn man da richtig durchblicken will muss man auf Sekundärliteratur und/oder auf die Primärtexte zurückgreifen. Ich schreibe mal verkürzt was in "Sozialtheorie - 20 einführende Vorlesungen" von Hans Joas über den action frame of reference (s. 64 f.) steht:

action fame of reference (deutsch: handlungstheoretischer Bezugsrahmen) ist Parsons Bezeichnung für ein Modell bzw. Schema, das eine Art Grundbegrifflichkeit zum Verständis des menschlichen Handels liefern soll.
---
4 Elementen lassen sich unterscheiden (-> unit act):
1. Akteur
2. Handlungsziele (end/goal/purpose)
3. Handlungssituation (conditions + means)
4. Normen und Werte des Handelns
---
Graphisch dargestellt sieht der vollständige action fame of reference dann so aus:

actor - end/goal/purpose - situation (conditions + means) - norms - values
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Der Einfluss von Normen und Werten sowohl auf die Handlungsmittel, als auch auf die Handlungsziele, macht Handlungskoordination möglich, auf die soziale Ordnung angewiesen ist, weil diese mit anderen geteilt werden.
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Die ursprüngliche Begrifflichkeit von action fame of reference sollte also nicht einfach mit späteren ordnungstheoretischen Aspekten bei Parsons (-> AGIL-Schema) vermischt werden. Die Terminologie wurde später modifiziert (vergl. Joas, Seite 96). Parsons hat zwar versucht eine Verbindung herzuleiten, das Ergebnis ist aber wohl nicht besonders pausibel (Joas, 129)

Ich denke, hinsichtlich der Klausur in M1, sollte man sich am action frame of reference nicht allzusehr festbeissen. Das führt einfach zu weit!

Gruss
thias

thias wrote:

Ich denke, hinsichtlich der Klausur in M1, sollte man sich am action frame of reference nicht allzusehr festbeissen. Das führt einfach zu weit!

Wow - erstmal herzlichen Dank für dieses tolle Erstposting und gleichzeitig freuen wir uns natürlich, Dich hier im Studienservice begrüßen zu dürfen!

Kann ich Deiner Aussage also entnehmen, dass sich der action frame übergeordnet über allen Systemen befindet? So habe ich das jetzt wenigstens verstanden.

LG
Sandra

Sandra,
besten dank für dein Lob. Immer her damit ;)

Parsons selbst meint zum Begriff: "It is a indispensable (Anm.: unentbehrliches) logical framework (Anm.: Bezugsrahmen, Schema, Modell) in which we describe and think about the phenomena of action. (Parsons, 1937)

Im diesem Bezugsrahmen erklärt Parsons das soziale Handeln gemäss seiner Theorie. Sein Schema ist:
actor - end/goal/purpose - situation (conditions + means) - norms - values

Wichtig dabei ist zu wissen, dass das Handeln, gemäss dieser Theorie, normativ geprägt ist und so Handlungskoordination und damit soziale Ordnung erklärt wird. P. wollte mit seiner Theorie die damalige utilaristische Denktradition (Handlungsantrieb lediglich subjektive Nutzensmaximierung) überwinden.

-> Der Systembegriff ist m. E. im beim framework begrifflich zunächst nur auf HANDLUNGEN bezogen und wurde später von P. erweitert/modifiziert und mit anderen Begrifflichkeiten versehen.

Wer sich ein eigenes Bild machen will, kann sich aber selbst beim schon erwähnten Joas oder bei "Theorie des Handels" von Richard Münch (Parsonsspezialist) informieren. Persönlich habe ichs beim "Joas" belassen.

Aus den Skripts wird der action frame of reference jedenfalls auch für mich nicht wirklich klar. Möglicherweise wird dort der frühe und der späte Parsons manchmal (unzulässig?) vermengt.

LG, Mathias

Nochmals danke für die erneute Erhellung :) - es gibt hier übrigens einen Vorstellungsthread für Neuankömmlinge, wäre nett, wenn Du da ein wenig über Dich erzählst (oder bist Du gar kein BA Soziologie-Student?). \

thias wrote:

Aus den Skripts wird der action frame of reference jedenfalls auch für mich nicht wirklich klar. Möglicherweise wird dort der frühe und der späte Parsons manchmal (unzulässig?) vermengt.

Das scheint mir manchmal auch so - ich bin schon über einige Ungereimtheiten gestolpert.

Doch, bin BA Student der FU Hagen, FB Soziologie, derzeit 1. Semester, Vollzeit (M1+M2). In Parsons hatte ich mich nur etwas mehr reingefuchst, wegen der erwähnten Unklarheiten in den Skrips und weil er eine so zentrale Bedeutung hat. Spätere Autoren/Soziologen beziehen sich ja immer wieder auf ihn - leiten ihre Theorien/Modelle von ihm ab oder kritisieren ihn.