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"Bachelor ist doch nix wert"

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Was, Du machst einen Bachelor? Der is doch nix wert!

Kann Euch nicht sagen, wie oft mir diese Meinung in verschiedenen Ausführungen an den Kopf geknallt wird, seitdem ich erzählt habe, daß ich endlich mein Wunschfach studieren kann.

Ein Diplom, ein Magister sei ja viel besser, das Studium wesentlich anspruchsvoller, der Abschluß eben qualifizierter.

Und dann noch der Master - ach herrje, dann brauchste ja ewig!

Das verunsichert. Und nervt.
Kennt Ihr das auch?
Was kann ich dem entgegen setzen?

Gruß
Schnecke

Comments

ich kenn das nur von Leuten die keine Ahnung haben :D :D
Es gibt das Problem immer.

Ne Freundin von mir hat Magister (Pädagogik) gemacht und findet keinen Job weil die Leute in dem Fach ein Diplom wollen :confused:

Es kann schon sein das die Anfangsphase schwierig wird. Keiner kennt den Abschluss, jeder findet es komisch. In andern Ländern sind diese Aschlüsse ganz normal.

Sag doch einfach das dein Abschluss dem internationalen Standart gerecht wird und somit sehr viel Wert ist.

Grüße

Was ein Quatsch!

Dann sollen dir deine Bekannten mal die deutsche Uni zeigen, wo man sich jetzt noch für ein Diplom einschreiben kann... Die haben alle auf Bachelor/Master umgestellt, oder werden es in nächster Zeit tun müssen. In ein paar Jahren wird es keine Diplom-Absolventen mehr geben. So gesehen sind wir sogar innovativer ;)

Und zur Studiendauer:
Das alte Diplom gab es auch nicht in nur 6 Semestern...
Bachelor+Master = Diplom, sowohl vom Anspruch her als auch von der Studiendauer her.

Richtig - egal, was man jetzt von der Einführung des Bachelors halten will, die Wahl ist ja meist nicht wirklich gegeben (es gibt aber noch einige Unis mit Diplomstudiengängen für Psychologie, in die man sich einschreiben kann, aber vermutlich nicht mehr lange).

Wenn man die Regelstudienzeit für Vollzeit ansieht, dann sind das 5 Jahre bis zum Master - das war bei Diplom bzw. Magister genau gleich. Mit dem Unterschied, dass man jetzt nicht mehr so ewig brauchen darf in den meisten Fällen (wohingegen es überhaupt kein Problem war, bis zum Magister oder Diplom auch mal locker 12 Jahre oder mehr zu studieren...).

Und das Niveau eines Masters ist dann auch vergleichbar; dass der BA als Qualifikation darunter liegt, bestreitet doch keiner, genauso, wie man mit einer Promotion höher qualifiziert ist als mit MA oder Diplom, oder wie in anderen Berufen ein Meister höher qualifiziert ist als ein Geselle. Man muss ja aber erst das eine machen, um das andere erreichen zu können, und vielleicht reicht einem auch die erste Stufe.

Ob Du dann nach dem BA noch den MA anstreben solltest und wie sich das beruflich auswirken wird, ist eine andere Frage; das musst Du dann sehen.

Naja. Irgendwie ist das Problem mit der Akzeptanz des Bachelors innerhalb der deutschen Akademikerschaft auch hausgemacht. Eingeführt wurde der Bachelor nicht nur wegen der gegenseitigen Anerkennbarkeit europäischer Studienabschlüsse, sondern u.a. auch - so hat es uns jedenfalls die Politik verkauft - weil es schneller gehen, es weniger Studienabbrecher geben soll, und die Studiengänge berufsorientierter bzw. berufsqualifizierender (d.h. moderner, weil von allem alten, überflüssigen Mist befreit) und deshalb verschulter werden sollen.
Oberflächlich betrachtet könnte man nun meinen: Schneller heißt, da wird einiges weggelassen oder es ist nicht so gründlich. Weniger Studienabbrecher heißt, jeder Depp kann einen Abschluss machen. Berufsorientierter und berufsqualifizierender heißt, hier wird nicht wissenschaftlich sondern eher praktisch gearbeitet (und Praxis ist immer eher was für Prolls). Verschulter heißt außerdem bequemer.

Da ist es doch klar, dass wir, die wir in der guten alten Zeit vor der Studienreform studierten und graduierten, 16 Semester lang auf harten Holzbänken saßen, ohne Laptop, nur mit einem Stift in der Hand, fair gehandeltem Magenbitter-Kaffee trinken mussten statt Caffe Latte und stundenlang über den Sinn des Lebens diskutierten statt über Paris Hilton, heute die Nase rümpfen. Bachelor - das ist doch Pipifax...

Wir musste uns früher noch durch 300 Seiten dicke Vorlesungsverzeichnisse kämpfen und zwei Jahre warten bis endlich wieder die vorgeschriebene Pflichtveranstaltung stattfand. Wir mussten uns, weil wir fürs Bafög-Amt dringend einen Schein brauchten, in so interessanten Veranstaltungen wie "Der kleine Fliegenschiss in WA XXXIII, 333 als Hinweis auf die hygienischen Verhältnisse im Hause Luther" oder "Die Bedeutung Fred Feuersteins für den interreligiösen Dialog" setzen - für 99,9% der Menschheit völlig uninteressant, theologisch eigentlich irrelevant und deshalb auch nicht examensrelevant, aber nur diese Veranstaltung passte noch zwischen meinem Teilzeitjob im Buchladen und im Kino (schließlich waren die Rentenjahre für Abi und Studium gerade gestrichen worden - der Kluge Mensch sorgt vor). Meine Anwesenheit oder Abwesenheit interessierte an der Massenuniversität ja keinen, deshalb wurde sie auch nicht kontrolliert. Da konnte es schon sein, dass man seinem Prof. erst beim Examen begegnete.

Bachelor mit Modulen, Mentorenbetreuung, Lehr- und Lernplänen, Anwesenheitspflicht, Workloads und Credit Points - das ist was für Weicheier... Ich musste mich noch allein mit meiner Machete durch den Uni-Dschungel schlagen.

Ich gestehe, dass ich, bis ich mir die neuen Studienordnungen mal näher betrachtete, auch so gedacht habe. Ich musste feststellen, dass die Anforderungen in meinem Zweitstudiengang Geschichte MA (für Theologie wird kein Bachelor eingeführt) beim Bachelor nur in Randgebieten etwas reduziert wurden, im Großen und Ganzen aber sind die Pflichtveranstaltungen und damit auch das Niveau gleich geblieben. Da man in Modulen denkt, sind die Vorlesungspläne allerdings sehr viel besser aufeinander abgestimmt (zu meiner Zeit kam es vor, dass Pflichtveranstaltungen sich überschnitten). Was mir persönlich fehlt sind Veranstaltungen zu besonderen Themen, die nicht unbedingt examensrelevant aber einfach interessant sind. Dazu hat man heute leider keine Kapazitäten mehr frei, da man ja nach sechs und nicht nach acht Semestern fertig sein soll.
Ich jedenfalls finde die Arbeitsbelastung, die ich jetzt im Psycho-Studiengang habe nicht gerade wenig. Das hat es schon in sich. Es ist aber auch nicht so, dass ich sagen würde, es ist schwerer geworden. Sondern ich würde sagen, die Anforderungen sind in etwa gleich hoch geblieben, wobei der Bachelor eher ein minimal reduzierter Magister ist und der Master dem Diplom entspricht.

Hm, letzteres kann ich so nicht sagen. Erstmal sind Magister und Diplom ja gleichwertige Abschlüsse und es hängt/hing vom Fach bzw. der Fächerkombination ab, auf welchen Abschluss man studiert. Und wenn ich mir dann meinen früheren Magisterstudiengang angucke oder genauer die einzelnen Fächer an meiner Uni, dann ist der Bachelor ziemlich genau das Grundstudium bis zur Zwischenprüfung (evtl. mit etwas 'Garnierung'), und der Master ist dann das Hauptstudium bis zum MA wie vorher auch (nur dass man jetzt statt drei nur noch ein oder höchstens zwei Fächer studiert). Mehr beeilen muss man sich dabei also nicht unbedingt, denn die Zwischenprüfung wäre nach Regelstudienzeit eigentlich nach 2 Jahren gemacht worden und der MA dann nach 5 - nur dass eben die meisten einfach mehr Zeit gebraucht haben. Und verglichen mit meinem Erststudium empfinde ich auch die Menge an Stoff im Bachelor-Erstsemester nicht als mehr, aber das lässt sich vielleicht gar nicht so vergleichen, weil man ja Studienerfahrung hat und dadurch anders rangeht; außerdem habe ich in England gelernt, was wirklich viel ist (und das war ja auch deren immer schon existierendes Bachelor-Niveau). ;)

Das ist aber auch unterschiedlich an den Unis, weil viele die Chance genutzt und ganz neue Studiengänge zusammengestellt haben; ich denke, Kulturwissenschaft ist da sicher auch ein Beispiel. Da kann man dann gar nicht mehr wirklich vergleichen - und sollte es vielleicht auch einfach nicht tun!

Schlussendlich ist doch egal was irgendwelche Leute sagen. Wichtig ist nur ob du dein Programm gut findest und was dein zukuenftiger Arbeitgeber sagen wird wenn er deinen Bachelor auf der Bewerbung sieht.

Uebrigens ist es eh wichtiger an welcher Uni du studiert hast. Schlussendlich wissen diejenigen die dich auf Grund deines Wissens in einem bestimmten Feld einstellen koennten genau wie viel dein Abschluss wert ist. Also mach dir da bloß keinen Kopf. Ist zumindest meine Meinung.

Ich danke Euch herzlich für die anschauliche Darstellung Eurer Sichtweisen und für das Geraderücken der Bachelor-Statements.

Die können mich alle mal! :)
Ich bin so froh, daß ich nach so vielen Jahren endlich Psychologie studieren kann. (Glaube es aber erst, wenn die Unterlagen im Briefkasten liegen!)

Und zudem reizt mich die Vorstellung, einen Master machen zu [U]können [/U](aber nicht zu müssen), der mich nach dem Bachelor noch besser spezialisiert und das unter - meiner Meinung nach - wesentlich besseren Umständen und mit mehr Liebe zum Detail.

@pasteuse:

Pasteuse wrote:

Wir mussten uns, weil wir fürs Bafög-Amt dringend einen Schein brauchten, in so interessanten Veranstaltungen wie "Der kleine Fliegenschiss in WA XXXIII, 333 als Hinweis auf die hygienischen Verhältnisse im Hause Luther" oder "Die Bedeutung Fred Feuersteins für den interreligiösen Dialog" setzen - für 99,9% der Menschheit völlig uninteressant, theologisch eigentlich irrelevant und deshalb auch nicht examensrelevant, aber nur diese Veranstaltung passte noch zwischen meinem Teilzeitjob im Buchladen und im Kino (schließlich waren die Rentenjahre für Abi und Studium gerade gestrichen worden - der Kluge Mensch sorgt vor). Meine Anwesenheit oder Abwesenheit interessierte an der Massenuniversität ja keinen

:D You made my day!

Jetzt sehe ich das alles - DANK Eures Beistands - schon wieder in einem anderen Licht!

Gruß
Schnecke

Das kommt mir doch so verdammt bekannt vor.
Egal um welches Studium es bei mir geht (mein eigentlicher Berufswunsch für den ich noch ein paar Hürden nehmen muss) oder Psychologie, überall hört man nur "Bachelor ist etwas für Weicheier" "die können doch eh nix" und blahblah.
Aber meine Antwort darauf ist immer nur "besser das als gar nix studieren und aussuchen kannstes dir in den meisten Fächern eh nicht mehr!"

Und wie hier schon gesagt wurde, in ein paar Jahren gibts nur noch Bachelor und Masterabschlüsse und dann wird sich dieses gejammer auch relativieren. Wenn man ohnehin nicht die Wahl hat... .

Der Sinn oder Unsinn dieser Maßnahme sei mal dahingestellt :rolleyes

Klar, das sagen eh nur Leute, die

[LIST]
[*]schon studiert haben
[*]nie studieren "wollen" (können und dürfen :D:p)
[*]eh keine Ahnung haben, dass es kaum andere Abschlüsse mehr gibt (nur noch Ausnahmen)
[/LIST]

Ja, der Bachelor ist kürzer und der Abschluss kommt deutlich früher, aber man kann ja noch den Master machen, der ist dann den alten Abschlüssen gleichwertig. Dass das natürlich Zeit frisst, ist ja wohl klar, hätte es auch bei einem der alten Abschlüsse.

Ich studiere einen Magisterstudiengang und bin damit seit Sommersemester 2002 beschäftigt. Ich werde nach ca. 6 Jahren Studium abschliessen, ich habe aber auch Kommilitoninnen und Kommilitonen an der FeU, die schließen nach mehr als 10 (!) Jahren ab. Das ist jedem selbst überlassen. Ich bleibe damit als TZ-Studentin unter der Regelstudienzeit. Aber niemand schreibt einem vor, wie lange man brauchen "darf", höchstens so volldämliche Leute, die solche Sprüche von sich geben. Denn die studieren ganz bestimmt nicht oder haben es bereits hinter sich und da ist die Klappe natürlich am größten.

Ein leidiges Thema, das fast alle betrifft ... :eek:

Sicherlich ist die Regelstudienzeit beim Bachelor kürzer als beim Diplom, nur ist es auch in Wirklichkeit so?
Im Zuge der Internationalisierung ist der Schritt zum Bachelor und Master eine Frage der Zeit gewesen. Dass es nun doch relativ schnell bzw. doch ziemlich überstürzt dazu gekommen ist, ist die Umstellung auf Module wohl teilweise immer noch nicht ganz ausgereift. Ich gehöre hier zu den Wiwis (zumindest auf dem Papier :D), und sehe dort auch, dass die Kurse des Bachelors doch ziemlich vollgepackt sind. Das Diplom scheint wohl der "entspanntere" Abschluss zu sein.
Letztens habe ich ja irgendwo noch gesehen, dass Greifswald beim Diplom für BWL bleibt.
Beim Jura-Bachelor an der FeU ist dieser Abschluss für die gehobenen Dienste angelegt, wobei der Master für den höheren Dienst sein sollte. Führt das also schon frühzeitig zur Selektion? Zumal ja ein Master-Studium teilweise doch ziemlich zugangsbeschränkt sein kann in anderen Fächern und an anderen Unis. So was gabs z. B. beim Diplom nicht - ein Uni-Abschluss ist gleich für alle.

Mal was anderes zu dem Thema ...
Früher konnte man, wenn man zügig war, bis 25 einen "alten" (klassischen? ;)) Abschluss erreichen. Wenn man nun mit dem Bachelor nun bis zu zwei Jahre gewinnen kann und damit früher ins Berufsleben als Akademiker einsteigen kann, wie viel Vorteil bringt das? Macht sich ein zeitlicher Vorsprung von 2-3 Jahren deutlich bemerkbar? Also z. B. mal bis zur Rente gerechnet, wie viel mehr kann man verdient oder erreicht haben?
Ob es mit einem schnelleren Abschluss -im Hinblick auf die hier und da zu zahlenden Studiengebühren sicher nicht verkehrt- qualifizierteres Personal erwächst ...? Außerdem gibt es mancherorts ganz neue Studiengänge; diese muten teilweise schon sehr speziell an.

Die Leute, die diese Abschlüsse eingeführt haben, werden sich sicher schon im Vorfeld ihre Gedanken gemacht haben ... ;)

So, ich muss nun weg ... :D

P. S.: Es gibt ja noch die Abschlüsse mit Staatsexamen.

Sicherlich ist die Regelstudienzeit beim Bachelor kürzer als beim Diplom, nur ist es auch in Wirklichkeit so?

Ja. Man kann den Bachelor nicht mit dem Diplom vergleichen, es sind unterschiedliche Abschlüsse mit unterschiedlichen Ansprüchen. Daher wird die tatsächliche Studienzeit für den Bachelor im Durchschnitt garantiert nicht ans Diplom herankommen. Für das Diplom brauchte man im Idealfall 5 Jahre, für den Bachelor 3 - wenn nicht durch universitäres Verschulden oder Schicksalsschläge, ist ein derartiges Überziehen eigentlich kaum zu realisieren. Natürlich sind die Studienpläne jetzt etwas voller - ich habe bisher Physik studiert und wir hatten exakt den gleichen Studienplan wie die ehemaligen Diplomer, nur mit noch mehr Veranstaltungen in den Semesterferien und Notendruck. ;) Ich habe das Gefühl, dass die Veränderung weniger in der Stoffmenge liegt, als eher in der Art, in der man idealerweise mit den Themen umgehen sollte. Es ist wirklich eher eine Art Binge-learning geworden, so dass man sich, wenn man in diesem Wahnsinnstempo durch das Studium gerast ist, erstmal darüber klarwerden muss, was man eigentlich gelernt hat. Beim Dipom wurde das durch die Vordiplomsprüfung geschickt gelöst - hier konnte man dann auch all das aus dem ersten Semester nochmal wiederholen und gerade in Mathe/Physik konnte dann ein Überblick erlangt werden, der vorher einfach nicht möglich ist.

Da wie gesagt, der Stoff an sich gleich geblieben ist, werden sich die Studienzeiten nicht unbedingt erhöhen. Teils gibt es auch Regelungen, dass bis zum 3. Semester zb die Klausuren aus dem 1. bestanden sein müssen - es wird einem schwer gemacht, in Ruhe zu studieren. ;)

Wenn man nun mit dem Bachelor nun bis zu zwei Jahre gewinnen kann und damit früher ins Berufsleben als Akademiker einsteigen kann, wie viel Vorteil bringt das? Macht sich ein zeitlicher Vorsprung von 2-3 Jahren deutlich bemerkbar? Also z. B. mal bis zur Rente gerechnet, wie viel mehr kann man verdient oder erreicht haben?

Nunja, es kommt darauf an, wo man hinwill!

In Physik ist es so, dass man mit dem Bachelor eben ganz anderen Aufgaben im Beruf entgegensehen kann, als mit dem Master. Man kann zB gut früh in die Industrie einsteigen, wird allerdings auch nicht in die höheren Gehaltsstufen aufsteigen, wenn man nicht doch irgendwann den Master macht und eventuell promoviert. Wenn man das an der Uni tut, kann man danach direkt in besser bezahlte Stellen einsteigen, bzw kann man sich dabei seinen Karriereweg sehr gut zurechtlegen, wenn man glück hat..da dürfte der alleinige Bachelor einem vllt doch eher Steine in den Weg legen. Ich denke auch, dass man als Bachelor nicht mit einem Karriere*vorteil* rechnen darf, sondern sich einfach komplett andere Nischen suchen muss, in denen dann eine Spezialisierung einfach nicht nötig ist.

In manchen Fächern mag es bei bestimmten Neigungen sinnvoll sein, sich mit dem Bachelor zu begnügen. Mir würde da zB unser Psychobachelor einfallen. ;) Wenn man hier zB seine Erfüllung in der Beratung sieht, reicht es sicherlich aus - 2 Jahre mehr wären da nicht unbedingt nötig, wenn man vielleicht durch Schulungen und Praxis eher den Anforderungen der gewählten Arbeit gerecht wird. Diejenigen, die nach dem Bachelor gerne in die wissenschaftliche Richtung möchten, können bei stimmigen Noten dann ja weitermachen.

Insgesamt habe ich aber das Gefühl, dass je nach Studiengang doch eher nur Minderheiten auf den Bachelor als Zielabschluss hinarbeiten. Unter meinen ehemaligen Kommilitonen waren es nicht sehr viele und gerade bei den Naturwissenschaften hat man sich nach 3 Jahren gerade durch die äußerste Oberfläche gekratzt - diejenigen, die ohnehin nicht weiter wollen, wären bei einer FH dann wohl auch besser aufgehoben gewesen, so dass der Bachelor wirklich zur Zwischenstation verkommt. Und nicht selten zur Sackgasse, wie bei einer Bekannten von mir, die auf Lehramt studiert und in Latein den Kriterien für den Master leider nicht gerecht wird..

Wer will nur eine wissenschaftliche "deutsche Suppe" kochen???
Ich denke, wenn man die Uni-Abschlüsse im Endeffekt nicht alle an den internationalen Standard anpasst, so dass sie europaweit bzw. weltweit gleich sind, dann hätte man ja gleich bei der Sütterlin-Schrift bleiben können. Besser natürlich, die ganze Welt hätte sich an das deutsche System angleichen sollen... (für die, die es nicht gemerkt haben: Vorsicht Ironie!)

Die Wissenschaft lebt nun einmal vom internationalen Austausch.


lg
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Hier hat eigentlich keiner gesagt, dass er etwas gegen die Vereinheitlichung der internationalen Abschlüsse hätte. Stattdessen beschäftigte sich der Thread mit den unmittelbaren Folgen des Bologna-Prozesses für unser jeweiliges Studium.

Ich will nicht behaupten, dass Bologna insgesamt ein Fehlschlag war. Dazu kenne ich die Studienstrukturen in den anderen europäischen Ländern zu wenig. Doch es gibt einige Sachen, die selbst dem Kurzsichtigsten unter uns auffallen müssen.

Ein Ziel von Bologna war es, die Studiengänge und -abschlüsse zu vereinheitlichen. Aber es war keinesfalls das Ziel sie zu internationalisieren.

Bologna hat gerade da einen eigenen europäischen Kurs verfolgt. In den USA - und keiner wird aberkennen, dass die Top-Unis heute dort stehen und die akademische Welt von dort geprägt wird - studiert man z.B. 4 Jahre bis zum Bc und nicht drei, wie jetzt hier. Die bedeutenderen der außereuropäischen Staaten haben sich dem US-Modell angepasst. Ich verstehe nicht warum die EU da unbedingt einen eigenen Kurs fahren muss. Das Studium in den USA ist wesentlich flexibler gestaltet und man kann es breiter fächern, während die neu eingeführten deutschen Bc-Studiengänge unter thematischer Engführung leiden. Hart gesagt: Hier werden Fachidioten produziert!
Und das was uns und den Wirtschaftsunternehmen versprochen wurde, nämlich eine größere Praxisnähe, ist bislang außerhalb der FHs (die konnten das vorher schon) auch nirgends umgesetzt.

Die größte Hürde aber ist, und das konnte man pünktlich zu den Semesterferien wieder in allen führenden deutschen Medien verfolgen, dass die zentrale Kontrolle bei Einführung der Bc-Studiengänge fehlte. Statt sich auch nur deutschlandweit auf einheitliche Curricula von Studiengängen zu einigen (ganz zu schweigen von europäischen Curricula) hat jede Uni ihre eigenen Curricula erstellt und beharrt auf ihnen als einzigem wahrem Lehrmodell. Will ein Student nun die Uni wechseln, erkennt die neue Uni die Prüfungen der anderen nicht an und versperrt oder erschwert so Studierenden anderer dt. Universitäten die Aufnahme, selbst wenn man im selben Bundesland wechseln will.

Und auch die Anerkennung des Bc-Abschlusses untereinander ist keineswegs gegeben. Einige der Psychologie-Kommilitonen hatten z.B. in Bochum angefragt, ob der neue BcSci Psychologie an der Ruhr-Uni anerkannt werden würde und ein Wechsel in den dortigen Masterstudiengang möglich wäre, und sind ganz kurz mit einem Nein abgefertigt worden. Sicherlich hat die FeU hier interveniert, aber ein klares Ja von Bochum konnte auch sie nicht erreichen. Alles bleibt extrem vage.

Dazu kommt, dass es nur noch einem sehr kleinen Kreis möglich sein wird, einen höherwertigen akademischen Abschluss zu erlangen. Ich spreche hier nicht von akdemischen Meriten, sondern nur von einem "popeligen" Master. Ich selbst habe die Psycho-Klausuren in diesem Semester nicht mitgeschrieben. Aber wenn ich mir all die Postings in moodle ansehe, in denen sich die Klausur-Teilnehmer über den Stil der Prüfung beschweren und viele feststellen, dass sie mit einer echten Klausur, einer wissenschaftlichen Hausarbeit oder einer mündlichen Prüfung wesentlich besser gefahren wären, als mit einem MC-Test, der meiner Meinung nach in keiner Weise aussagekräftig für eine akademische Leistung ist, sehe ich den Master für mich, obwohl ich schon ein Diplom und einen MA besitze, in weiter ferne. Letztlich werden hier nämlich nur die besten Auswendiglerner und nicht die Versteher und Umsetzer zum Zug kommen, - zumindest wenn der Studiengang so fortfährt, wie er begonnen hat.

Noch einmal: Das Ziel der Bologna-Beschlüsse war es, Studiengänge und -abschlüsse zu vereinheitlichen und in manchen Ländern zu beschleunigen.

Nur: Studienortswechsel sind innerhalb Deutschlands fast unmöglich geworden. Außerdem hat auch keine Uni ihr Curriculum wirklich an die Bedingungen des Bcs angepasst. Stattdessen hat man versucht den Stoff der wesentlich umfangreicheren alten Diplom- und Magisterstudiengänge in nur sechs Semester zu quetschen. Die Folge sind enormer Leistungsdruck, keine Zeit mehr für Auslandssemester oder längerfristige Praktika oder für Nebenjobs.
Kurz: all das was uns die große deutsche und europäische Politik als Vorteil von Bologna verkaufen wollte, wurde nicht eingehalten.

Als Akademikerin, die noch in der guten alten Zeit vor Bologna studiert hat, und an einem Fachbereich, der noch stark vom Humboldtschen Bildungsideal geprägt ist (und der die Bolognesierung, Dank seiner besonderer Stellung, bislang verweigern konnte), wäre mir ein "Back to the roots of deutschem Bildungsideal" ;) , sprich: das Beste aus anderen Ländern zu übernehmen und doch den eigenen Kurs verfolgen, lieber gewesen. Uni 2009 hat sich gegenüber von Uni 1991 stark verändert, aber leider - obwohl es alle versprochen hatten - nicht verbessert.

Bologna ist und bleibt für mich mit Spaghetti mit Soße verbunden und einem fleckigen Hemd.

Pasteuse wrote:

Und auch die Anerkennung des Bc-Abschlusses untereinander ist keineswegs gegeben. Einige der Psychologie-Kommilitonen hatten z.B. in Bochum angefragt, ob der neue BcSci Psychologie an der Ruhr-Uni anerkannt werden würde und ein Wechsel in den dortigen Masterstudiengang möglich wäre, und sind ganz kurz mit einem Nein abgefertigt worden. Sicherlich hat die FeU hier interveniert, aber ein klares Ja von Bochum konnte auch sie nicht erreichen. Alles bleibt extrem vage.

Ist dir da (Hervorhebung durch Jeha) Genaueres bekannt? Wurde von Hagen interveniert, wie hat Bochum argumentiert, was wurde genau erreicht?
Wenn da jemand etwas weiß, wär ich sehr interessiert!

Jens

Ich habe mich nicht wirklich dahinter geklemmt, da eine Präsenzuni für mich keine Option mehr ist. Aber es gab in moodle mehrere ziemlich aufgeregte Threads zum Thema. Ausgelöst durch die Anfrage eines Mitstudierenden haben noch mehrere Andere ebenfalls in Bochum nachgefragt und vom dort Verantwortlichen jedesmal dieselbe eindeutige negative Aussage bekommen. Sie haben sich dann an die FeU gewandt und diese haben an höherer Stelle noch einmal nachgefragt und dann die Aussagen positiv korrigiert, woraufhin der oben erwähnte Verantwortliche seine Aussage in ein klares Jein verwandelte.
Faktisch wird es wohl so aussehen, dass man nicht so einfach in einen Masterstudiengang an einer Präsenzuni kommen wird. Da stecken natürlich auch universitätsinterne Dynamiken dahinter, Gelder, Status, Standesdenken...
Ich habe jetzt gerade keine Zeit nachzuschauen, aber ich denke dran wenn ich das nächste Mal moodle und verlinke hier noch den Thread.

Pasteuse wrote:


Ich habe jetzt gerade keine Zeit nachzuschauen, aber ich denke dran wenn ich das nächste Mal moodle und verlinke hier noch den Thread.

Danke, das ist nett. Wenn möglich gerne mit Zitaten, es sind noch nicht alle Bereiche in moodle für mich freigeschaltet.

Jens

Jeha wrote:

Danke, das ist nett. Wenn möglich gerne mit Zitaten, es sind noch nicht alle Bereiche in moodle für mich freigeschaltet.

Jens

Zitate geht nicht, moodel ist kein öffentlicher Bereich der FU.

Moodle unterliegt dem Urheberrecht, hier etwas öffentlich davon zu zitieren - auch nur auszugsweise - bedarf der Genehmigung des/der Verfasser!

Ja, Andrea, das weiß ich schon, außerdem hatte Anna auch gerade darauf hingewiesen. Und ich hatte auch nur von "verlinken" gesprochen. Darauf werde ich natürlich auch verzichten. Nicht, dass hier noch irgendeiner sein frisch erworbenes juristisches Wissen nutzt ;)

Jeha, ich schicke dir Infos, wo du's in moodle findest per PM.

@Pasteuse
Mir ist schon klar, dass mein Post kein qualifizierter Beitrag zum Thema Bachelor, Diplom oder Magister war, aber ich hatte mich auf das Eingangsthema bezogen. Und da ging es einfach darum, was man jemandem sagt, der einen mit der unqualifizierten Aussage nervt : der Bachelor ist doch nichts wert. Ich denke nicht, dass da ein viertelstündiger Vortrag über Bologna angebracht wäre.

lg ulrike

Das liegt einfach daran das Deutschland(im Gegensatz zu Ländern wie USA oder GB) wenn es um sowas geht einfach noch ein bisschen altmodisch ist, wird sich aber mit Sicherheit in einigen Jahren ändern!

apollon wrote:

Das liegt einfach daran das Deutschland(im Gegensatz zu Ländern wie USA oder GB) wenn es um sowas geht einfach noch ein bisschen altmodisch ist, wird sich aber mit Sicherheit in einigen Jahren ändern!

Meinste, man wird wieder dann zum Diplom etc. zurückkehren? ;)

Nebenbei ... alle, die in TNR schreiben, sind die Coolsten! :D

Ich muss jetzt weg. :p