Jeder wird ja die Brunnersche Definition Alteuropas kennen, also die Eingrenzung des Zeitraumes von ca. 750 v. Chr. bis 1789.
Aber gibt es auch eine geographische Festlegung was zu Alteuropa gerechnet wird (und was nicht=?
Mich interessieren hauptsächlich die Randstaaten - zählen Skandinavien, Russland und das byzantinische Reich ebenfalls zu Alteuropa?
Wo ist so etwas eingegrenzt?
Grüsse,
Stefan
Comments
JSchneider
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View profileHmpf, also in G...*denk*....2 - genau...also in G2 auf einem Seminar gabs nen Aufsatz und da gings um Aussengrenzen und dass die fließend sind. Was ja auch sinnvoll ist (und im Nachhinein auch in G1 schon erkennbar, meineeine braucht aber manchmal einen zusätzlichen Denk-tritt). Alteuropa umfasst ja eine lange Zeitspanne und die Aussengrenzen der Antike waren ja anders, als im frühen Mittelalter oder im Späten. Denkt man ans Römische Reich oder im MA die Ausweitung der Gebiete "Europas" nach Osten über Sachsen und Co....
Ich glaube also nicht, dass du für Alteuropa als Definition einer Zeitspanne, die durch innre Ähnlichkeit (Ständedenken) zusammengefasst wird, eine einheitlichen geographischen Einheit bekommen kannst. Dafür sind die Abschnitte viel zu individuell.
papagorilla
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View profileNaja, das hab ich ursprünglich auch gedacht (und schon was geschrieben, dann aber wieder verworfen), allerdings besteht ja schon mal der Begriff aus zwei Teilen "Alt" und "Europa", d.h. es gibt eine zeitliche und eine räumliche Komponente.
Und da der Benutzer des Begriffs "Alteuropa" ja ein "moderner" Mensch ist (weil der Begriff ja neu ist), wird er Europa auch im modernen Kontext sehen, also mit allen Gebieten (um nicht "Länder" oder gar "Staaten" sagen zu müssen, was beides ja nicht korrekt wäre), die heute dazu gehören. Denn die Definition kann ja nur aus der heutigen Sicht auf ein betreffendes Gebiet angewendet werden.
Aber natürlich hängt es auch von der konkreten Fragestellung ab: wenn ich mich mit den Etruskern beschäftige, interessiert mich nicht, was sich in Oslo oder Wolgograd zu der Zeit gerade getan hat.
Wenn ich aber die Ottonen im Blick habe, interessiert mich das byzantinische Reich wohl, nicht nur, weil die eine Prinzessin mit Otto dem soundsovielten verheiratet haben, sondern weil hier noch immer die Ost/Westrom-Thematik auch in wirtschaftlicher Hinsicht mitspielt. Und wenn man bedenkt, dass das oströmische Reich theoretisch bis ins 15. Jahrhundert bestand, kann man es nicht so einfach ignorieren, auch wenn das wohl vielfach gemacht wurde, ja nach Herkunftsland des jeweiligen Historikers fokussiert sich er Blick da wohl zu sehr - vor allem im 19. jahrhundert waren die ja da ganz groß im nationalistischen Blickverengen. Vielleicht sollte man ja die Bezeichnungen Großalteuropa und Kleinalteuropa erwägen...
JSchneider
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View profileNaja, wobei das auch wiederum modern geprägt ist. Wie letztendlich fast alles. Es ist halt, wie du so schön schriebst, eine Frage der Fragesellung und sicher auch der Zeitspanne, die man betrachtet. Räumliche Grenzen sind ja über Jahrzehnte/-hunderte äusserst flexibel und "Europa" als solches ist auch ein von heute aus geprägter Begriff (wenn auch kein neuer!), also geht von heutigem Verständnis der Sache aus.
Allerdings ist ja auch die Definition einer Gleichheit durch Ständedenken nur eine bedingt funktionierende Sache. Ein Konstrukt. Damit kann man eine Gemeinsamkeit herausstellen für einen riesigen Zeitraum, letztendlich war aber das Ständeverständnis jeder Zeit immer wieder anders, auch tlw in den versch. Gebieten "Europas".
Aber man braucht natürlich gewisse Begriffe und Gemeinsamkeiten für bestimmte räumliche und zeitliche Einheiten.
Myrmid
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Und was Raum und Zeit und Raumzeit betrifft... dazu sollten wir dann Stephen Hawking befragen. :D
Der erklärt uns dann noch Alteuropa in der Nussschale und dass es eigentlich aus einem schwarzen Loch gekommen ist. Oder so. Ich glaub, ich geh jetzt lieber schlafen.
JSchneider
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View profileDas mit den schwarzen Löchern haben ja nicht mal die Schweizer hinbekommen, dabei haben doch so viele drauf gewartet
Madmartigan
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View profileFür mich ist die Epoche Alteuropa einfach durch die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum modernen Europa nach 1789 definiert (wenn ich mich richtig erinnere: Agrarische Basis, Ständische Gesellschaft uuuuuund das Dritte Hauptcharakteristikum fällt mir grad auf Anhieb nicht ein). Räumlich und zeitliche Aspekte sind für mich diesem Konstrukt (wie Janine schon so schön geschrieben hat) untergeordnet. In L1 gab es noch so nette Bezeichnungen für die Bildung der verschiedenen Epochenbegriffe (politisch, ästhetisch, historisch...), also aus welcher Motivation heraus Epochen gebildet werden können.
JSchneider
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View profileGenau, je nach dem aus welchem (Frage)winkel man schaut, ergeben sich eben Schwerpunkte und Definitionen. Zeitlich, räumlich, politisch etc pp
Und aufgrund dieses Blickwinkels unterscheiden sich Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Grenzen auch von anderen Blickwinkeln anderer Fragestellungen.
Wobei ich jetzt noch mal fragen muss: Agrarische Basis ist doch auch nach 1789 gegeben, das hat sich massiv doch erst nach 1800 geändert oder? Also erst im Zuge der Industrialisierung und auch da nicht sofort. Oder hab ich nen Knoten im Zeitplan?
Madmartigan
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View profileDort ist jedoch der Einschnitt zur Umstellung vom Absolutismus zu verfassungsbasierenden politischen Systemen zu sehen. AAAAber, es gibt natürlich nach 1789 immer noch alteuropäische Zustände, wie z. B. auch bei den Armen in England, das liegt ja, meiner Meinung nach, auch nach 1789, aber hat eben noch alteuropäische Elemente.
Es ist eben nicht starr zu sehen.
JSchneider
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View profileDie Leute wachen eben morgens nicht einfach auf und denken sich, mensch, heut is ein guuuuter Tag fürs Ende des Spätmittelalters, lass uns mal die Frühe Neuzeit beginnen.
papagorilla
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View profilene, das war so:
(Kikerikiii!!! gähn, streck)
"Oh Mann, was fühl ich mich heute frei!"
(sieht aus dem Fenster - Menschenrechte, wohin man schaut)
"Ja sag mal, is das etwa die Moderne? Wow!"
Myrmid
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Fragt sich nur, was davon übrig geblieben ist, wenn man heutzutage morgens aus dem Fenster schaut! :confused
JSchneider
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View profileNa: Die Postpostmoderne :D
Oder der Blick aus dem Fenster zeigt dir das Cyberjahrhundert.
papagorilla
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View profileseufz. (vor allem, wenn man Richtung Nordafrika schaut)
vermutlich war 1789 alles besser.
Nee, vielleicht 1850? auch nicht. 1870? 1910?
Äh,nein. und auch nicht 1940 oder 1970.
Verdammt, wozu brauchen wir dann diese blöde Moderne überhaupt?
Weg damit! Die Menschenrechte ham uns auch nix gebracht, is ja eh alles noch so Sch... wie vorher, nur vorher war der Grundherr schuld, wenns dir dreckig ging, jetzt bist selbst schuld!
Darum gehen wohl auch so viele Länder wieder weg von den Menschenrechten, diese komische Pressefreiheit zum Beispiel, da kommt ja auch nix Gescheites bei raus, wenn jeder veröffentlichen kann, was er will, ohne Rücksicht auf die nationalen Interessen. Und dann dieses Internet, das ist ja überhaupt nicht gut, wenn jeder alle Informationen so ungefiltert haben kann, die können das doch gar nicht alle wissen, was da wahr und falsch ist, nicht bei der Menge an Zeug, die das drinsteht..
Aber das bringt mich auf eine Idee: wie wärs mit einer Satire-Sendung?
Das neue Histo-Comedy(R)-Format, mit garantierter Praktikums-Hausarbeits-Tauglichkeit!
Myrmid
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Gute Idee! Und ein KUWI-Camp brauchen wir dann auch noch.
JSchneider
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View profileFrüher war alles besser.
Früher hiess es "Klotzen, nicht kleckern!"
Ich finde es zum Kotzen, dass heute alle meckern,
das früher alles besser war.
Für mich ist völlig klar:
Das ham die Leute früher nicht gemacht.
Die haben sich gedacht: "Tolle Zeiten, Mann!"
Die waren froh und bescheiden.
Alle waren nett und jeder konnte jeden leiden.
Früher war alles besser. Früher ...
(Wise Guys, "Früher")
KuniKuehn
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View profileDann fang mal an. G5!!!! Die Profs werden begeistert sein.
KuniKuehn
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View profileZu eurer Diskussion:
Profil
Das Lehrgebiet „Geschichte und Gegenwart Alteuropas“ bildet das Fundament des Hagener Fachprofils. Es spannt einen weiten zeitlichen Bogen von der Entstehung der Schriftkultur in der griechischen Antike im 8. Jahrhundert v. Chr. bis zur demokratisch-industriellen Doppelrevolution im 18. und frühen 19. Jahrhundert.
„Alteuropa“ meint keine geographisch feste Einheit, sondern einen historischen Kulturraum, der von traditionalen, agrarisch-städtisch geprägten Gesellschaften mit segmentärer Literalität bestimmt ist: die griechisch-römische Zivilisation, das christliche Mittelalter und die europäische Staatenwelt des konfessionellen Zeitalters. Dieser alteuropäische Kern steht zudem seit der Antike im engen Austausch mit benachbarten, eng verwandten Kulturen (Judentum, byzantinischer und russisch-orthodoxer Osten, Islam), aber auch mit „fremden“ Völkern (z.B. Persern, Karthagern, Mongolen). Erst aus diesen vielfältigen kulturellen Begegnungen ist das moderne Europa hervorgegangen.
Mit der „Gegenwart Alteuropas“ meinen wir das Hineinwirken der vormodernen Geschichte Europas ins moderne Bewusstsein. Hier geht es nicht (nur) um objektive historische „Fakten“, sondern um „Vergangenheitsbilder“, in denen sich die moderne Gesellschaft ihrer Vorgeschichte erinnert: Indem sie die Vormoderne entweder als kulturelles Erbe und Traditionszusammenhang vereinnahmt, oder als verlorene Traumwelt verklärt oder als finstere Gegenwelt verdammt.
Über diese allgemeine und breite Orientierung in der Lehre hinaus werden in der Forschung eigene spezifische Themenschwerpunkte gesetzt: vormoderne interkulturelle Transfer- und Wahrnehmungsprozesse, Religion als Fundierung des gesellschaftlichen Lebens und Mittel der Kommunikation, vormoderne Raumvorstellungen und -ordnungen, Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte von Unterschichten, mittelalterliche Stadtgeschichte.
Zu finden hier: [url=https://www.fernuni-hagen.de/geschichte/lg1/portrait.html]Profil - Geschichte und Gegenwart Alteuropas - Historisches Institut - Kultur- und Sozialwissenschaften - FernUniversität[/url]
papagorilla
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View profileja wenn das so ist... wenn sogar die Mogolen, ja dann...
"unterm Dschingis Khan war alles besser, damals, als wir noch durch die Steppe...."
papagorilla
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View profileja wenn das so ist... wenn sogar die Mogolen, ja dann...
"unterm Dschingis Khan war alles besser, damals, als wir noch durch die Steppe...."
JSchneider
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View profileDamals, so kurz nachm Krieg.....