Literaturbeflissenen,
möchte doch hier mal einen Lieblings-Weihnachtsgedichte-Sammel-Thread eröffnen und hoffe auf rege Beteiligung (also zumindest jeder LitWis-Hauptfachler muss hier was abliefern, weil sonst der Weihnachtsmann nix bringt!). Ich fange dann mal an und liefere mein Lieblingsgedicht von Joseph von Eichendorff:
[FONT=Calligraph421 BT]Weihnachten
[FONT=Calligraph421 BT]
[FONT=Calligraph421 BT]Markt und Straßen steh‘n verlassen,
[FONT=Calligraph421 BT]Still erleuchtet jedes Haus,
[FONT=Calligraph421 BT]Sinnend geh‘ ich durch die Gassen,
[FONT=Calligraph421 BT]Alles sieht so festlich aus.
[FONT=Calligraph421 BT]
[FONT=Calligraph421 BT]An den Fenstern haben Frauen
[FONT=Calligraph421 BT]Buntes Spielzeug fromm geschmückt
[FONT=Calligraph421 BT]Tausend Kindlein steh‘n und schauen,
[FONT=Calligraph421 BT]Sind so wunderstill beglückt.
[FONT=Calligraph421 BT]
[FONT=Calligraph421 BT]Und ich wand‘re aus den Mauern
[FONT=Calligraph421 BT]Bis hinaus ins freie Feld,
[FONT=Calligraph421 BT]Hehres Glänzen, heil‘ges Schauern!
[FONT=Calligraph421 BT]Wie so weit und still die Welt!
[FONT=Calligraph421 BT]
[FONT=Calligraph421 BT]Sterne hoch die Kreise schlingen,
[FONT=Calligraph421 BT]Aus des Schnees Einsamkeit
[FONT=Calligraph421 BT]Steigt‘s wie wunderbares Singen -
[FONT=Calligraph421 BT]O du gnadenreiche Zeit!
Comments
Finou
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View profileIch habe ja anglistische Literatur studiert, daher kommt von mir natürlich auch was aus der Richtung.
Gedicht ist es auch nicht wirklich, eher eine Geschichte, aber eine kurze und schöne, nämlich Dylan Thomas: A Child's Christmas in Wales. Auf Deutsch heißt es, glaube ich, einfach nur 'Weihnachtserinnerungen' (dazu gibt es auch ein sehr schönes Hörbuch). Damit sind wir im Studium von netten Dozenten vor Weihnachten verwöhnt worden - also eine andere Art von 'Vorlesung'. :)
Zum Einstellen ist es zu lang, aber zumindest den englischen Text findet man hier: [URL="https://www.bfsmedia.com/MAS/Dylan/Christmas.html"]Child's Christmas in Wales[/URL]
(Nach dem deutschen Test müsstet Ihr mal recherchieren, vielleicht gibt es den auch im Netz!).
UliS
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View profileEigentlich ist das Gedicht, das Sandra hier eingestellt hat, auch mein Lieblingsgedicht, aber da ich ja jetzt schon seit vielen Jahren im "hohen Norden" lebe, will ich dann eines von Theodor Storm hier einstellen:
Weihnachtsabend
Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,
der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus.
Weihnachten war’s, durch alle Gassen scholl
der Kinderjubel und des Markts Gebraus.
Und wie der Menschenstrom mich fort gespült,
drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr:
"Kauft, lieber Herr!" Ein magres Händchen hielt
feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.
Ich schrak empor, und beim Laternenschein
sah ich ein bleiches Kinderangesicht;
wes Alters und Geschlecht es mochte sein,
erkannt’ ich im Vorübertreiben nicht.
Nur vor dem Treppenstein, darauf es saß,
noch immer hört’ ich, mühsam, wie es schien:
"Kauft, lieber Herr!" den Ruf ohn’ Unterlaß;
doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.
Und ich? War’s Ungeschick, war es die Scham,
am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?
Eh’ meine Hand zu meiner Börse kam,
verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.
Doch als ich endlich war mit mir allein,
erfaßte mich die Angst im Herzen so,
als säß’ mein eigen Kind auf jenem Stein
und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.
KuniKuehn
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View profileIch habe dieses Gedicht von meiner Urgroßmutter bzw. Großmutter gelernt. Ich schätze wie alle in der Familie. Es musste natürlich vor der Bescherung aufgesagt werden. Habe es lange Zeit vergessen, bis meine Großmutter es meinen Kinder beibrachte. Also ein Gedicht mit Familientradition.
Die Nacht vor dem heiligen Abend
Die Nacht vor dem heiligen Abend
da liegen die Kinder im Traum.
Sie träumen von schönen Sachen
und von dem Weihnachtsbaum.
Und während sie schlafen und träumen
wird es am Himmel klar
und durch den Himmel fliegen
drei Englein wunderbar.
Sie tragen ein holdes Kindlein,
das ist der heilige Christ.
Es ist so fromm und freundlich
wie keins auf Erden ist.
Und während es über die Dächer
still durch den Himmel fliegt
Schaut es in jedes Bettlein
Wo nur ein Kindlein liegt
und freut sich über alle,
die fromm und freundlich sind,
denn solche liebt von Herzen
das himmlische Kind.
Heut schlafen noch die Kinder
und sehen es nur im Traum,
doch morgen tanzen und springen sie
um den Weihnachtsbaum.
Robert Reinick (1805-1852)
Bradbury
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View profileHm, meine persönlichen 'Weihnachtserinnerungen' sind eher ambivalenter Natur, vielleicht habe ich deshalb kein Lieblings-Weihnachtsgedicht.
Aber ein, wie ich finde, sehr schönes kenne ich doch:
** Weihnachten ist der stillste Tag im Jahr
Weihnachten ist der stillste Tag im Jahr.
Da hörst du alle Herzen gehn und schlagen
wie Uhren, welche Abendstunden sagen.
Weihnachten ist der stillste Tag im Jahr.
Da werden alle Kinderaugen groß,
als ob die Dinge wüchsen, die sie schauen
und mütterlicher werden alle Frauen
und alle Kinderaugen werden groß.
Da mußt du draußen gehn im weiten Land
willst du die Weihnacht sehn, die unversehrte,
als ob dein Sinn der Städte nie begehrte,
so mußt du draußen gehn im weiten Land.
Dort dämmern große Himmel über dir,
die auf entfernten, weissen Wäldern ruhn,
die Wege wachsen unter deinen Schuhn,
und große Himmel dämmern über dir.
Und in den großen Himmeln steht ein Stern,
ganz aufgeblüht zu selten großer Helle,
die Fernen nähern sich wie eine Welle ,
und in den großen Himmeln steht ein Stern.
Rainer Maria Rilke
Luckyyy
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View profileDas ist eine schöne Idee, Sandra, auch wenn ich an dieser Stelle ein doch kritisches Weihnachtsgedicht anbringen möchte,
LG
Lucky
Erich Kästner:
Dem Revolutionär Jesus zum Geburtstag
2000 Jahre sind es fast
seit du die Welt verlassen hast,
du Opferlamm des Lebens!
Du gabst den Armen ihren Gott.
Du littest durch der Reichen Spott.
Du tatest es vergebens.
Du sahst Gewalt und Polizei.
Du wolltest alle Menschen frei
und Frieden auf der Erde.
Du wusstest, wie das Elend tut
und wolltest alle Menschen gut,
damit es schöner werde!
Du warst ein Revolutionär
und machtest dir das Leben schwer
mit Schiebern und Gelehrten.
Du hast die Freiheit stets beschützt
und doch den Menschen nichts genützt.
Du kamst an die Verkehrten!
Du kämpftest tapfer gegen sie
und gegen Staat und Industrie
und die gesamte Meute.
Bis man an dir, weil nichts verfing
Justizmord kurzerhand beging.
Es war genau wie heute.
Die Menschen werden nicht gescheit.
Am wenigsten die Christenheit
trotz allem Händefalten.
Du hattest sie vergeblich lieb.
Du starbst umsonst. - -
Und alles blieb
beim Alten.
biblio
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View profileZwar kein Gedicht im klassischen Sinn, aber die gleiche Intension. Die ersten beiden Strophen stammen aus dem Songtext "Mitten in der Nacht" von Rolf Zuckowski mit seinen großen und kleinen Freunden.
Mitten in der Nacht
*Da wurde mitten in der Nacht ein Kind geboren,
da war mit einem Mal der Himmel nicht mehr fern,
da sang ein Engelschor: "Die Welt ist nicht verloren
und über allem strahlte hell der Weihnachtsstern.
Da wurde dir und mir ein neues Licht gegeben,
das unsre Herzen immer neu erwärmen kann,
und wenn es dunkel wird für uns in diesem Leben,
fängt es mit seiner ganzen Kraft zu leuchten an.*
vittoriacolonna
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View profileHach - ist das schööön :)! Das sind ja schon eine Menge super tolle Gedichte - und vor allem kannte ich die meisten gar nicht! @Uli: Das von Dir eingestellte Storm-Gedicht steht auch ganz oben auf meiner Liste :D! Und das von Rilke finde ich auch sehr erbaulich - wie so ziemlich alles von ihm! Wem fällt noch etwas Schönes ein?
potatoefritz
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View profileNun kein Gedicht von mir, aber
[url=https://www.weihnachtsgedicht.de/weihnachtsgedichte.htm]Weihnachtsgedichte, Adventsgedichte, Nikolausgedichte - Weihnachtsgedicht.de[/url]
daselbst viele zum Nachlesen.
Finou
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View profileSchöner Thread! :)
Ich habe auch noch welche, diesmal auch auf Deutsch, und weil sie kurz sind, gibt es zwei davon! ;) Sind beide von Joachim Ringelnatz:
Weihnachten
Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle,
mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit.
Und ein schlichtes Glück streut auf die Schwelle
schöne Blumen der Vergangenheit.
Hand schmiegt sich an Hand im engen Kreise,
und das alte Lied von Gott und Christ
bebt durch Seelen und verkündet leise,
daß die kleinste Welt die größte ist.
*Schenken*
Schenke groß oder klein,
Aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten
Die Gaben wiegen,
Sei dein Gewißen rein.
Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei
Was in dir wohnt
An Meinung, Geschmack und Humor,
So daß die eigene Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.
Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
Daß dein Geschenk
Du selber bist.
balina
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View profileEin schönes Kinderweihnachtslied, (Lieder sind doch gesungene Gedichte...)
**Die Weihnachtsfreude
Die Weihnachtsfreude,
die pustet keiner aus.
Die Weihnachtsfreude
Hängt nicht am Baum zu Haus.
Gott kam zu uns auf die Welt,
wurde so wie wir.
Wir wolln uns freuen,
denn Jesus ist jetzt hier.
Die Welt war voller Tränen,
Hass und Schmerz und Leid.
Menschen waren traurig
über all den Streit.
Doch weil uns Gott so lieb hat,
gab er uns seinen Sohn.
Das war die erste Weihnacht –
heut singen wir davon.
Gott lässt uns nicht alleine.
Er weiß: es ist so schwer,
ohne ihn zu leben,
und so kommt er her.
Wir wissen, dass er bei uns ist,
denn Jesus macht uns klar:
Gott schenkt sich uns zur Weihnacht
und bleibt das ganze Jahr.
Schön sind Weihnachtskarten
an Menschen, die man liebt.
Schön ist auch das Warten,
wenn es Geschenke gibt.
Doch das Allerschönste ist
das, was man gar nicht sieht:
Gott möchte bei uns wohnen
und bringt die Freude mit.
(Deutscher Text: Manfred Siebald)
balina
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View profileund noch eins
Der Dezember
Erich Kästner
[COLOR=darkblue]Das Jahr ward alt. Hat dünne Haar.
Ist gar nicht sehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.
Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.
Ruht beides unterm Schnee.
Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.
Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt. Und nichts vergeht.
Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
Nützt nichts, daß man's versteht.
Und wieder stapft der Nikolaus
durch jeden Kindertraum.
Und wieder blüht in jedem Haus
der goldengrüne Baum.
Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
wie hold Christbäume blühn.
Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
und glaubst nicht mehr an ihn.
Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und spricht:
"Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht."[/COLOR]
Angelika B.
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View profileApropos Weihnachtsromantik:
Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken
Schneeflöcklein leis' herniedersinken.
Auf Edeltännleins grünem Wipfel
häuft sich ein kleiner, weißer Zipfel.
Und dort, vom Fenster her, durchbricht
den tunklen Tann ein warmes Licht.
da läuft des Försters Blut von hinnen.
Nun muß die Försterin sich eilen,
den Gatten sauber zu zerteilen.
Schnell hat sie ihn bis auf die Knochen
nach Waidmannssitte aufgebrochen.
Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied,
was der Gemahl bisher vermied,
behält ein Teil Filet zurück
als festtägliches Bratenstück
und packt darauf - es geht auf vier -
die Reste in Geschenkpapier.
"He, gute Frau, habt Ihr noch Sachen,
die armen Menschen Freude machen?"
"Die sechs Pakete, heilger Mann,
's ist alles, was ich geben kann."
Die Silberschellen klingen leise,
Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise.
Im Försterhaus die Kerze brennt,
ein Sternlein blinkt - es ist Advent!
LORIOT
Finou
Contributions on this page: 5
View profileDer Advent neigt sich zwar schon dem Ende zu, und ein Gedicht habe ich auch gerade nicht parat, aber der Thread passt trotzdem am besten für diese Geschichte, die ich heute im Weihnachtskonzert gehört habe - dort werden zwischen den Stücken immer Geschichten gelesen, diesmal von Nicole Heesters; diese hier hat mir sehr gut gefallen. Ich weiß nicht, von wem die Geschichte ist, aber ich habe sie auch so m I-Net gefunden:
*Einmal habe ich eine Zeit lang in China gelebt. Da war niemand, mit dem ich befreundet war und der sich darum kümmerte, wie mir zumute war. Ich kam mir ganz verloren vor in diesem Meer von fremden Gesichtern.
Ich wohnte bei Europäern, die chinesische Diener hatten. Der oberste von ihnen war der Koch Ta-Tse-Fu, der große Herr der Küche. Er redete gebrochen deutsch und war der Dolmetscher zwischen mir und dem Zimmer-Kuli, dem Ofen-Kuli, dem Wäsche-Kuli und was es sonst noch an Dienerschaft im Hause gab.
- Heilig Abend -
und ich saß wieder einmal verheult in meinem Zimmer. Da überbrachte mir Ta-Tse-Fu ein Geschenk. Es war eine chinesische Kupfermünze mit einem Loch in der Mitte, und durch das Loch waren viele bunte Wollfäden gezogen und dann zu einem Zopf zusammengeflochten."Eine sehr alte Münze", sagte der Koch feierlich, "und die Wollfäden gehören auch Dir. Die Wollfäden sind von mir und meiner Frau, vom Zimmer-Kuli und seiner Schwester, von den Eltern und dem Bruder des Ofen-Kuli, von uns allen sind die Wollfäden."Ich bedankte mich sehr. Es war ein merkwürdiges Geschenk - und noch merkwürdiger als ich dachte...
Denn als ich die Münze mit ihrem bunten Zopf einem Bekannten zeigte, der seit vielen Jahren in China lebte, erklärte er mir, was es damit für eine Bewandtnis hatte: Jeder Wollfaden war eine Stunde des Glücks. Der Koch war zu seinen Freunden gegangen und hatte sie gefragt: "Willst Du von dem Glück, das Dir für Dein Leben vorausbestimmt ist, eine Stunde des Glücks abgeben?"
Der Ofen-Kuli und Zimmer-Kuli und Wäsche-Kuli und ihre Verwandten hatten für mich, für die fremde Europäerin, einen Wollfaden gegeben als Zeichen, daß sie mir von ihrem eigenen Glück eine Stunde des Glücks schenkten. Es war ein großes Opfer, das sie brachten. Denn wenn sie auch bereit waren, auf eine Stunde zu meinen Gunsten zu verzichten - es lag nicht in ihrer Macht, zu bestimmen, welche Stunde aus ihrem Leben es sein würde. Das Schicksal würde entscheiden, ob sie die Stunde abtraten, in der ihnen ein reicher Verwandter sein Hab und Gut verschrieben hätte oder ob es nur eine der vielen Stunden sein würde, in der sie glücklich beim Reiswein saßen; ob sie eine Glückstunde wegschenkten, in der das Auto, das sie sonst überfahren hätte, noch rechtzeitig bremste oder die Stunde, in der das junge Mädchen vermählt worden wäre.Blindlings und doch mit weit offenen Augen machten sie mir, der Fremden, einen Teil ihres Lebens zum Geschenk.
Von diesem Tag an habe ich mich in China zu Hause gefühlt. Und die Münze mit dem bunten Wollzopf hat mich jahrelang begleitet.
Eines Tages lernte ich jemanden kennen, der war noch übler dran als ich damals in Shanghai. Und so habe ich einen Wollfaden genommen, ihn zu den anderen Wollfäden dazugeknüpft - und habe die Münze weitergegeben.*
Bradbury
Contributions on this page: 3
View profileEine wunderschöne Geschichte.
vittoriacolonna
Contributions on this page: 4
View profileDanke, Finou, dass Du meinen alten Thread wiederbelebt hast! Wollte ich auch schon tun, aber ich musste erst mal ein schönes, in meinen Augen auch eher ungewöhnliches Gedicht finden. Hier ist es für Euch, verbunden mit einer geruhsamen Woche ohne zuviel Vorweihnachtsstress:
An der Straßenecke
An der Straßenecke, in der Häuser Gedränge,
in der Großstadt wogender Menschenmenge,
inmitten von Wagen, Karren, Karossen
ist heimlich ein Märchenwald entsprossen,
von leisem Glockenklingen durchhallt:
von Weihnachtsbäumen ein Tannenwald.
Da hält ein Wagen, ein Diener steigt aus
und nimmt den größten Baum mit nach Haus.
Ein Mütterchen kommt, und prüft und wegt,
bis endlich den rechten sie heimwärts trägt.
Verloren zur Seite ein Stämmchen stand,
das faßte des Werkmanns ruhige Hand.
So sah ich einen Baum nach den andern
in Schloß und Haus und Hütte wandern,
und schimmernd zog mit jedem Baum
ein duftiger, glänzender Märchentraum. -
Frohschaukelnd auf der Zweige Spitzen
schneeweißgeflügelte Englein sitzen.
Die einen spielen auf Zinken und Flöten,
die andern blasen die kleinen Trompeten,
die wiegen Puppen, die tragen Konfekt,
die haben Bleisoldaten versteckt,
die schieben Puppentheaterkulissen,
die werfen sich mit goldenen Nüssen,
und ganz zuhöchst, in der Hand einen Kringel,
steht triumphierend ein pausbackiger Schlingel.
Da tönt ein Singen, ein Weihnachtsreigen -
verschwunden sind alle zwischen den Zweigen.
Am Tannenbaum hängt, was in Händen sie trugen.
Ein Jubelschrei schallt; und von unten lugen
mit Äuglein, hell wie Weihnachtslichter,
glückselig lachende Kindergesichter.
Jakob Loewenberg 1856 - 1929
Finou
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View profileSchönes Gedicht - macht Lust auf Weihnachtsbaum!
vittoriacolonna
Contributions on this page: 4
View profileHöchste Zeit, diesen Thread wiederzubeleben mit einem Gedicht - so wie es die KuWi-Literaten-Tradition verlangt ;)) Wer hat was Schönes zu bieten?
Bradbury
Contributions on this page: 3
View profileIch hätte was Postmodernes auf Denglisch. ;)
[COLOR=black][COLOR=navy]When the snow falls wunderbar
And the children happy are,
When the Glatteis on the street,
And we all a Glühwein need,
Then you know, es ist soweit:
She is here, the Weihnachtszeit
Every Parkhaus ist besetzt,
Weil die people fahren jetzt
All to Kaufhof, Mediamarkt,
Kriegen nearly Herzinfarkt.
Shopping hirnverbrannte things
And the Christmasglocke rings.
Merry Christmas, merry Christmas,
Hear the music, see the lights,
Frohe Weihnacht, Frohe Weihnacht,
Merry Christmas allerseits...
Mother in the kitchen bakes
Schoko-, Nuss- and Mandelkeks
Daddy in the Nebenraum
Schmücks a Riesen-Weihnachtsbaum
He is hanging auf the balls,
Then he from the Leiter falls...
Finally the Kinderlein
To the Zimmer kommen rein
And es sings the family
Schauerlich: "Oh, Chistmastree!"
And the jeder in the house
Is packing die Geschenke aus.
Merry Christmas, merry Christmas,
Hear the music, see the lights,
Frohe Weihnacht, Frohe Weihnacht,
Merry Christmas allerseits...
Mama finds unter the Tanne
Eine brandnew Teflon-Pfanne,
Papa gets a Schlips and Socken,
Everybody does frohlocken.
President speaks in TV,
All arround is Harmonie,
Bis mother in the kitchen runs:
Im Ofen burns the Weihnachtsgans.
And so comes die Feuerwehr
With Tatü, tata daher,
And they bring a long, long Schlauch
An a long, long Leiter auch.
And they schrei - "Wasser marsch!",
Christmas is - now im - (A....) Eimer...
Merry Christmas, merry Christmas,
Hear the music, see the lights,
Frohe Weihnacht, Frohe Weihnacht,
Merry Christmas allerseits...
(Verfasser unbekannt)
[/COLOR]
[/COLOR]
Finou
Contributions on this page: 5
View profileDas sehe ich jetzt erst; sehr postmodern, aber durchaus unterhaltsam!
Luckyyy
Contributions on this page: 2
View profileIhr Lieben, ich habe ein etwas anderes Gedicht für Euch
und wünsche Euch schöne Tage,
herzlich Lucky
[U]
Das andere Weihnachten[/U]
Stille Nacht, heilige Nacht!
[RIGHT]Die Familien, an die ich gerade denke,
werden sich um ihre behinderten Kinder kümmern,
sie wickeln, füttern, kathetern und beatmen.[/RIGHT]
Alles schläft, einsam wacht
[RIGHT]Manche Kinder werden lange keinen Schlaf finden,
weil das Christkind keine Schmerzlinderung gebracht hat;
sie verstehen nicht, warum das so ist.[/RIGHT]
Nur das traute, hochheilige Paar.
[RIGHT]Die Eltern sorgen sich an solchen Tagen besonders um die Zukunft,
sie hoffen, auf Dauer die Kraft für die anstehenden Aufgaben zu haben,
denn ihr Kind wird niemals selbständig durch`s Leben gehen.[/RIGHT]
Holder Knabe im lockigen Haar,
[RIGHT]Sie müssen sich immer wieder dafür rechtfertigen,
dass sie kein Kind haben, das perfekt ist und der Norm entspricht,
sondern eines, das die Gesellschaft belastet.[/RIGHT]
Schlaf in himmlischer Ruh,
[RIGHT]Die Eltern betrauern die Gleichgültigkeit, mit der andere wegsehen,
sie haben gelernt zu handeln, können nicht auf imaginäre Rettung warten,
sie wünschen sich eine Welt mit Weitsicht und mehr Respekt.[/RIGHT]
Schlaf in himmlischer Ruh.
[RIGHT]Welch` weltfremder Wunsch in den Augen dieser Eltern,
die Frohe Botschaft eilt auch dieses Jahr vorüber,
morgen wird alles beim Alten sein.
Copyright by SBSkandia Dezember 2009
[/RIGHT]
Camillo
Contributions on this page: 1
View profile[COLOR="#006400"]Jesus
Mann aus Galiläa….
Heiland
über dir der Bochumer Nachthimmel
mit bleichem Mond
der sein Licht über deine Wundmale an Händen und Füßen
ausgießt
wie ein Gemälde von Blake
oder ein Song von Tom Waits
die Kirchentür ist verschlossen
macht nix
Du lächelst still vor dich hin
legst beschützend
fast zärtlich
deinen Arm um den 15-jährigen Ausreißer
eingenickt auf den Stufen vor der Christuskirche
eine Schürfwunde auf der Wange
als Erinnerung an das Bermuda-Dreieck
Blaulicht und eine Polizeisirene
grell und laut
auf dem Platz vor dem Rathaus…
…gut, dass du geboren bist.
[/COLOR]