ich trage mich seit längerem mit dem Gedanken an ein Geschichtsstudium und bin wie wohl viele, aufgrund meiner Berufstätigkeit auf die Möglichkeit des Fernstudiums an der FH Hagen gestoßen.
Da ich mich privat sehr für Geschichte interessiere, würde das schon perfekt passen.
Wenn ich mich aber auf der HP über den Studiengang informiere und dann hier im Forum lese was so über die Inhalte geschrieben wird, kommen folgende Fragen auf:
Die allermeisten die die Themen ihrer Hausarbeiten zu Geschichte hier einstellen, haben etwas zu Nationalsozialismus oder Weltkriegen usw. geschrieben (zumindest mal neuere Geschichte)...ich interessiere mich Null für neuere Geschichte und würde an einer Präsenzuni eher was in Richtung Altertum oder Renaissance wählen...wie ist diese Einseitigkeit zu erklären in den Hausarbeiten ?
Ich weiß dass das Studium der Kulturwissenschaften SP Geschichte an der FH Hagen ein breites Feld der Geschichte abdeckt und es genau deswegen so interessant ist - für viele - und auch eine gute Basis bildet dadurch aber ich kann gar nicht sagen wie sehr mich alles ab 1900 nicht mehr interessiert...es wäre für mich absolut grauenhaft mich damit beschäftigen zu müssen...
Ich bin sicherlich spießig und festgefahren vielleicht ignorrant und stur aber bleibt die Frage:
Ist bei soviel Abneigung gegen spezielle Epochen dieses Studium für mich das richtige ?
Natürlich wird auch an der Präsenzuni/Geschichte nicht nur das unterrichtet was ich gerne habe !
Aber dass ein Geschichtsstudium an einer Präsenzuni anders aufgebaut ist als KuWi/Geschichte in Hagen, steht ja nun ausser Frage.
Und zu allerletzt: Hat sich jemand schon mal mit der Möglichkeit eines Teilzeitstudiums im Fach Geschichte an einer Präsenzuni auseinandergesetzt ?
Immerhin muss man in Hagen mit den Hausarbeiten, Klausuren und mündlichen Prüfungen auch viel präsent sein und ich glaube vom Aufwand her dürfte es sogar fast vergleichbar sein...
Vielen Dank vorab für eure Meinungen und bitte fühlt euch nicht auf den Schlips getreten durch meine vielleicht krassen Ausführungen ! Ich bin gerne bereit auch Einzustecken und zu lernen :)
Viele Grüßee!! Andra
Comments
Maud
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View profileGrundsätzlich war es für mich auch etwas Neues, dass an der Fernuni nicht die klassische Geschichte, sondern Kulturwissenschaften studiert wird. Schon in G1 weisen sie darauf hin, dass das Lehrgebiet nicht einzelne Epochen um ihrer selbst willen umfasst, sondern dass kulturelle Querschnittsthemen (Schrift, Arbeit, Armut, Herrschaftsformen, Kolonialismus, Imperalismus usw.) über Epochen hinweg analysiert und verglichen werden, wobei die Profs. ihre Forschungsschwerpunkte haben. Dabei werden klassische Epocheneinteilungen sogar regelrecht aufgelöst, bzw. neu gefasst.
Das dürfte für dich absolut neu sein, war es auch für mich!
Mir kommt das sehr entgegen, ich habe völlig neue Aspekte entdeckt, die Geschichte für mich erst richtig spannend werden lassen, und zwar auch die neuere Geschichte, die ich nach der Schulzeit auch eher langweilig fand.
Falls du dich auf kulturwissenschaftliche Fragestellungen einlassen kannst, wäre gerade das vielleicht eine interessante Erweiterung des Weltbildes, für mich ist es das!
Du musst es dir aber gut überlegen, denn es muss auch noch etwas aus Litwiss. oder Philosophie dazugenommen werden.
Möglicherweise gibt es an einzelnen Unis noch die klassische Einteilung der Geschichte mit Schwerpunkten in Antike, MA und Neuzeit, aber auch dort werden übergreifende kulturwissenschaftliche Fragestellungen immer wichtiger und sind Stand der Forschung.
Ich wünsche dir ein gutes Händchen bei deiner Entscheidung, denn das Niveau ist recht hoch und es wird sehr viel zu lesen und lernen sein, was vom allgemeinwissenschaftlichen Verständnis von Geschichte in den Medien abweicht.
Maud
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View profileDas kannst du ja in einer Studienberatung an einer Präsenzuni deiner Wahl mal klären.
Mir ist es nicht bekannt, dass die geisteswissenschaftlichen Studiengänge dort unmittelbar für ein Teilzeitstudium ausgerichtet sind. D.h. dass du zu den gewählten Vorlesungen und Seminaren unter der Woche tagsüber präsent sein musst, wenigstens einen oder zwei Tage in der Woche und dann das Studium eben vielleicht in die Länge ziehst.
Aber ein Teilzeit-Konzept sieht ja etwas anders aus, mit entsprechend zeitlich machbaren Veranstaltungen abends oder am Wochenende und der Vermittlung des Lehrstoffes ohne Vorlesungen. Das bietet eigentlich nur Hagen (für den Bereich Geschichte (als Kulturwissenschaft), in Fachhochschulen oder anderen Bachelor-Fächern mag es anders aussehen).
Maud
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View profileNicht vergessen: Themen aus der älteren Geschichte verlangen einiges an schwierigem Quellenstudium (Latein, Mittelhochdeutsch usw.) ab, daher ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass viele Themen ab der frühen Neuzeit gewählt werden...
bruja
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View profileWenn du dich innerlich so sehr gegen bestimmte Studieninhalte sperrst, dass es für dich eine Qual wäre, dich damit auseinanderzusetzen, dann solltest du dir schon die Frage stellen, ob ein kulturwissenschaftliches Studium überhaupt für dich der richtige Weg ist. Ein wenig Offenheit ist eine Grundvoraussetzung für jede Wissenschaft. Schließlich geht es auch um die Entwicklung und den Einfluss vergangener Epochen auf die Gegenwart. Dir sollte im Übrigen auch bewusst sein, dass du nicht nur Geschichte studieren wirst, sondern zusätzlich noch mindestens Literatur oder Philosophie mitnehmen musst. Und zumindest bei Literatur wirst du bereits im Einführungsmodul wieder mit der dir so verhassten Moderne konfrontiert werden.
Sprich mit der Studienberatung und falls du nicht beruflich oder familiär eingebunden bist, dann informiere dich am besten bei den historischen Fakultäten von Präsenzunis über deren Lehrpläne. Vom Zeitaufwand, zumindest was die SWS angeht, unterscheidet sich der Lehrplan kaum. Allerdings kannst du dir hier genau einteilen, wie und wann du studieren willst. Präsenzzeiten sind marginal, das hast du wohl irgendwie falsch verstanden. 99 % des Studiums wird über Studienbriefe, virtuelle Medien und Eigenengagement abgedeckt. Tutorien oder Mentoriate sind freiwillig und selbst die finden nur alle paar Wochen statt.
An Präsenzunis hast du keinen Einfluss auf die Vorlesungszeiten. Manche sind morgens um halb 9, andere erst mittags und wiederum andere in den Abendstunden. Da die Vorlesung das Grundelement der Unis ist, wirst du auch in den seltensten Fällen ein so gut aufbereitetes Skript bekommen, dass das Erarbeiten ohne Anwesenheit möglich ist. Da kann es dann schon mal gut möglich sein, dass du doppelt so viel Rechercheaufwand einplanen musst um den Stoff in der Weise nachzuholen, dass ein erfolgreiches Bestehen in der Prüfung möglich ist.
nikita86
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View profilealso bspw. in g6 musst du dich ws mit der neuzeit auseinandersetzen, weil das modul viel mit erinnerungskultur, etc. zu tun hat. genauso g5, das vor allem oral history behandelt.
Angelika B.
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View profileDer Unterschied besteht m.E.darin, dass wir an der FU "Geschichtswissenschaften" studieren- oder wie es seit der Umstellung heißt "Kulturwissenschaft mit Fachschwerpunkt Geschichte" (wie Maud schon angedeutet hat).
Im Unterschied zu einem Geschichtsstudium geht es v.a. darum die wissenschaftliche Beschäftigung mit Geschichte -sprich: Historiographie selbst zu untersuchen.
Das ist inhaltlich eine ganz andere "Hausnummer" und hat rein garnichts mit Selektion wegen anderer Studienform zu tun.
Andromeda82
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View profileHallö,
danke für eure Meinungen und Denkanstöße.
Der Haken liegt vermutlich wirklich bei mir daran, dass ich mir unter diesem Studium was ganz anderes vorstelle als es tatsächlich ist...ich glaube auch inzwischen das ich damit nicht glücklich werde.
Was das Thema "Präsenzuni neben dem Beruf" angeht, habe ich mich durchaus schon eingehend informiert und es gibt allen Unkenrufen zum trotz diverse Möglichkeiten...aber auch was das angeht, werde ich erst noch mal einiges an Infos einholen müssen bevor da was draus wird.
Der Unterschied zwischen Fern und Präsenzuni ist mir durchaus klar...deshalb erschien mir ja diese Möglichkeit so reizvoll aber wenn einen die Studieninhalte nicht 100% interessieren macht eben kein Studium dieser Welt sinn und man wird auch keines schaffen ;)
Danke für eure ehrlichen Antworten !
Grüßee!! Andro
Aalto
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View profileHi Andromeda,
wenn du dir wirklich etwas ganz anderes vorstellst als das, was du deiner vermutung und den berichten hier nach bekommst, macht das Studium natürlich wenig Sinn, das stimmt.
Andererseits würde ich aber aus meiner Erfahrung heraus sagen, das niemanden wirklich 100% der Studieninhalte tatsächlich interessieren. Auch mich interessiert nicht alles (so sehr), das mir hier angeboten bzw auch von mir erwartet wird, und es gibt in keinem Studium, sei es "Fern-" oder Präsenz-, die möglichkeit nur die Module/Vorlesungen/Seminare zu machen, die einen 100%ig interessieren, jedenfalls wenn man auch einen Abschluss anstrebt. (Wenn der Abschluss nachrangig ist, ist das natürlich etwas anderes.) Von daher würde ich sagen, wichtig ist die Schnittmenge zwischen Studiengang und eigenen Interessen, wenn der "gefühlt" groß genug ist, kann ein Studium sehr viel Spaß bereiten und im Zweifel stellt man sogar fest, das die, ursprünglich als uninteressant oder doof vermuteten, anderen Module sogar ganz spannend sein können.
Wenn, wie gesagt, die gefühlten Differenzen so groß sind und man schon mit einem schlechten Gefühl in das Studium einsteigt, macht es aber natürlich wenig Sinn.
Viel Erfolg bei der Uni-Suche dennoch, lg Aalto
Maud
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View profileAn den Präsenzunis gibts vieles, was man ja als Gasthörer mithören kann. Und die Möglichkeit, eventuell nur zweimal die Woche zu Seminaren aufzuschlagen und eben das Studium etwas in die Länge zu ziehen. Meine Schwester macht das so, Lehramt Sek II neben 3 Kindern und Teilzeitjob an der Schule. Dafür muss man jedoch in jedem Fall ab und an unter der Woche flexibel sein.
Ob es allerdings ein universitäres, vollwertiges Geschichtsstudium irgendwo gibt, in dem man wirklich nur eine Epoche macht, wage ich persönlich zu bezweifeln.
Ich finde Neuere Geschichte mittlerweile hier richtig interessant, vor allem mit den entsprechenden Schwerpunktsetzungen kulturwissenschaftlicher Art.
Viel Erfolg noch...
Angelika B.
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View profileDie wichtigsten Inhalte dieses Studienganges (und das habe ich erst begriffen, während ich mittendrin war...) sind m.E. Methoden und Perspektiven, die sich auf alle kulturellen Phänomene mehr oder minder anwenden lassen. Und mir persönlich ist es total wurscht, ob ich die an mittelalterlichen Geschichtsbeispielen oder an Neuzeitlichen entwickle. Ich hab ne Menge spannender Dinge gelernt, die ich von mir aus nie vertieft- oder aufgefunden hätte.
Aber, wie wir im Rheinland sagen: "Jeder Jeck is anders!"