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Hermeneutik/Texte verstehen-intepretieren

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Auch auf die Gefahr hin, mich total und allumfänglich zu blamieren, stelle ich diese Frage, weil sie mich seit einer Weile beschäftigt und ich noch keine befriedigende Antwort habe.

Vielleicht habe ich die Antwort überlesen im L1 Modul oder noch nicht gefunden im L4 Modul? Mehr Literaturmodule habe ich noch nicht gemacht.

Zu meiner Entschuldigung kann ich gleich sagen, dass ich derzeit eh einen IQ wie Toastbrot habe und dass ich Textauslegung, -verständnis etc wenn überhaupt nur am Rande in der Schule hatte.
Ich bin also eh so was von ahnungslos, was Literaturwissenschaft angeht.

So, nun aber zu meiner Frage, meinem Problem:

Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, nach welchen Maßstäben/aus welchen Gründen die Forschung erklären kann: Wenn Autor X von abc schreibt, dann will er damit 123 ausdrücken / abc steht als Metapher für 123.

Wer legt diese Auslegung fest?
Klar, wenn der Autor selbst schreibt "Ich habe das so und so gemeint", dann verstehe ich das.
Aber das ist doch selten der Fall, oder?
Also woran machen Lit.wissenschaftlerInnen fest, dass ein Gedicht eigentlich eine tiefere Ebene hat und was für eine?

Für mich klingt das erstmal sehr willkürlich. Klar, man kann sich das auch erklären (Situation des Autors, Zeit zu der es veröffentlicht wurde etc) aber manchmal klingt es doch sehr abgefahren.
Und da frag ich mich: Gilt einfach nur die plausibelste Erklärung? Das beste Argument sticht?

Und will wirklich jeder Autor/Schreiber/Dichter uns mit seinem Werk etwas sagen? Also mehr als das, was eben da steht?

So blöd es klingt: Aber vielleicht hatte er einfach nur eine Idee. Einfach nur einen Reim :D Oder eine gute Storyline?

Mir erscheint es halt manchmal arg weit hergeholt und nun frag ich mich weiter: Mach ich das dann einfach auch irgendwann, weil ich das so lerne? Oder bin ich zu "dumm" um das zu können/sehen? Oder machen das einfach alle, weil "man das macht"?
(Hat ja auch was, sagen zu können, dass man etwas interpretieren oder auslegen kann)

Also, das ist meine Frage/mein Problem.

Helft meinem Gehirn mal auf die Sprünge, damit ich nicht ganz verzweifle.

Comments

Janine,
Toastbrot hin oder her, ich finde Deine Frage absolut legitim. Ich weiß im Moment nicht, ob Du sie "einfach mal so" gestellt hast, oder ob sie sich auf einen für dich aktuellen Lerninhalt bezieht.
Ich schreibe Dir "einfach mal so", wie meine Haltung zu dem Thema ist. Meiner Meinung nach gibt ein Autor in dem Moment, in dem er einen Text veröffentlicht, diesen aus der Hand. Der Leser konstituiert sich den Text dann selbst und bringt seine eigenen Erfahrungen, Hintergründe, sein Wissen, seine Interpretationstechniken ein. Allein dadurch verändert sich der Text schon und kann gar nicht mehr explizit im Sinne des Autors ausgelegt werden. Ich finde diesen Umstand sehr spannend. Gerade, wenn man selbst schreibt, ist es äußerst interessant zu sehen, wie andere den eigenen Text aufnehmen, was sie mit ihm machen, wie er sein Gesicht verändert, sich in den Kontext des Lesers einfügt. Einem Text eine "beschränkte" Aussage mitzugeben, ist daher (manchmal?) doch schade, weil er in seinen Möglichkeiten beschnitten wird.
Andererseits gibt es natürlich engagierte Literatur, die durchaus eine Botschaft transportieren möchte - aber auch dann kann der Autor den Text eigentlich niemals nur auf diese eine Botschaft, die er intendiert hatte, reduzieren, weil er nicht wissen kann, welches Eigenleben der Text bei einem anderen Rezipienten, in einer anderen Zeit, in einem anderen Umfeld bewirkt.
Das ist meine bescheidene persönliche Meinung dazu, viele liebe Grüße
Lucky

Luckyyy wrote:

Meiner Meinung nach gibt ein Autor in dem Moment, in dem er einen Text veröffentlicht, diesen aus der Hand. Der Leser konstituiert sich den Text dann selbst und bringt seine eigenen Erfahrungen, Hintergründe, sein Wissen, seine Interpretationstechniken ein. Allein dadurch verändert sich der Text schon und kann gar nicht mehr explizit im Sinne des Autors ausgelegt werden. Ich finde diesen Umstand sehr spannend.


Ich schließe mich Lucky an. Niemand kann letztendlich wissen, was sich im Kopf des Autors abgespielt hat, während er seinen/ihren Text kreiert hat.

Das kennzeichnet für meine Begriffe auch "gute" Literatur. Nichts ist langweiliger als ein Text, der unmissverständlich eine Botschaft rausbrüllt, die der Leser gefälligst zu konsumieren hat. So geht es mir zumindest mit manchen politisch und/oder sozial motivierten Werken.\

JSchneider wrote:


So blöd es klingt: Aber vielleicht hatte er einfach nur eine Idee. Einfach nur einen Reim :D Oder eine gute Storyline?\


Klar, kann tatsächlich passieren. Texte können auf sehr unterschiedliche Weise zustande kommen. Manchmal ist es tatsächlich ein Reim, ein Satzfetzen oder ein sonstiges Fragment, dass den kreativen Prozess auslöst. Je mehr es in die Moderne der Literatur geht, desto schwerer ist es, die Intentionen eines Autors nachzuvollziehen.

Du kannst im Grunde interpretieren & spekulieren was das Zeug hält. Sofern du es nachvollziehbar begründest,
möglichst in einen Kontext einbettest, Leute mit ähnlichen Blickwinkeln zitierst (zur Bestätigung deiner Thesen), andere Leute mit konträren Ansichten zitierst (und diese dann energisch hinterfragst & sie für deinen Ansatz als irrelevant erklärst :D) und schlussendlich behaupten: Es könnte durchaus so sein. Vielleicht auch nicht. Dann beweist mir doch das Gegenteil!

Off topic: Schön dich mal wieder zu lesen, Lucky!

Das finde ich auch eine spannende Fragestellung. Ich empfehle dazu die im folgenden verlinkte Vorlesung aus Tü:

[url]https://timms.uni-tuebingen.de/Browser/Browser01.aspx?path=%2fUniversit%c3%a4t+T%c3%bcbingen%2fPhilosophische+Fakult%c3%a4t%2fNeuphilologie%2fDeutsches+Seminar%2fVorlesung+Neuere+deutsche+Literaturwissenschaft+2006-2007+WiSe%2f[/url]

In den ersten beiden Stunden geht der Prof. auch auf diese Frage ein. Zudem finde ich es auch kurzweilig und unterhaltsam.

Bradbury wrote:


Off topic: Schön dich mal wieder zu lesen, Lucky! :)

Oh, dankeschön, freut mich auch wieder hier zu sein

Hallo

Danke schön.
Also ich habe mich das konkret gefragt, als ich im Reader zu L4 einen Text las. Da schreibt N. Mecklenburg, dass in Schillers 'Das Mädchen aus der Fremde' "die Fremdheit des Mädchens die Fremdheit der Poesie (ist)". Und dann gehts halt um poetische Alterität...

Also ich sehe schon, dass man ja immer in einen Text eigenes interpretiert. Und je nach eigenem Kontext und natürlich auch dem Kontext (sozial, geschichtlich, geographisch....) des Autors versteht man Texte anders.
Dass man nie objektiv, sondern immer subjektiv an die Sache geht, auch klar.

Nur manchmal sind die Interpretationen eben soooo weit weg von meinem (wahrscheinlich sehr laienhaften) Verständnis.
Das ich sage - was weiß ich - ähm Heine im Wintermärchen "abrechnet" mit dem preußischen Deutschland und so, das versteh ich.
Das liegt ja eingebettet im Kontext der Zeit des Autors.

Aber so "abgefahrene" Interpretationen, denen kann ich gar nicht folgen und finde es dann sehr schwer, also Lit.wiss. völlig unbedarft dann damit im Zuge von Modulen/Hausarbeiten konfrontiert zu werden.
Wie soll ich mich dann dazu positionieren? Hinnehmen, weil "der ist ja schlauer als ich"? Oder hinterfragen - geht nicht immer, weil ich ja nicht jedes Bisschen auseinander nehmen kann (gut, in einer Arbeit dann schon, aber grad in Readern zur Vorbereitung eher nicht).

Ja mei, weiß auch nicht so recht.
Manche Interpretationsgerüste erscheinen mir wackelig.


Ach und Andi, danke für den Link. Das schau ich mir in Ruhe an (hör es an)

Janine,
ich kann das Problem nur zu gut nachvollziehen. Seit der Schule kam ich mir immer total unterbelichtet vor, wenn ich bestimmte Aussage von Autoren irgendwelcher Texte oder Interpretationen nicht nachvollziehen konnte. Ich habe den Fehler immer bei mir gesehen. Erst im Laufe des Studiums und vor allem während meines Praktikums (Medienbüro Hamburg) habe ich dann festgestellt, dass der Fehler oft bei den Autoren liegt. So blöd es sich anhören mag, ich musste erstmal verinnerlichen, dass nicht alles, was geschrieben, gedruckt und veröffentlicht wird, auch automatisch gut, richtig und stimmig ist. Die Selbstverständlichkeit mit der zuweilen Statements oder Theorien aufgestellt werden, ohne den Leser an der Herleitung teilhaben zu lassen, grenzt manchmal schon an Unverschämtheit. Wenn diese Beiträge für mich bzw. das Studium nicht unbedingt relevant sind, weigere ich mich mittlerweile sie bis zum Schluss zu lesen, wissend, dass es nicht an meinem Verstand sondern am Unvermögen des Autors lag, seine Gedankengänge klar zu strukturieren und mitzuteilen.
Anders sieht das natürlich bei Readern aus. Die bekäme man ja nicht, wenn sie nicht für's Seminar relevant wären. Bei den Texten habe ich oft die Schwierigkeit, dass ich nicht weiß, in welchem Kontext ich sie lesen soll. Ich habe mich z. B. mal wochenlang mit einem einzigen Readertext "rumgeschlagen", habe versucht, seinen mich verwirrenden Inhalt und dessen Logik zu verstehen und ihn mit dem Thema des Seminars in Verbindung zu bringen. Im Seminar offenbarte sich dann, dass der Text nicht wegen seines Inhaltes abgedruckt wurde, sondern weil der Prof ihn zu einem bestimmten Zeitpunkt lediglich als Beispiel für eine bestimmte Form anführen wollte. Das war vorher nur leider nicht abzusehen. Auch eine Situation, in der man sich herrlich dämlich vorkommen kann ... ;):rolleyes: Mittlerweile mache ich es so, dass ich die Texte in Readern erstmal überfliege und mich zuerst mit denen auseinandersetze, die für mich am leichtesten verständlich sind. Meist bewahrheitet sich dann die Sache mit dem "hermeneutischen Zirkel". Und wenn nicht, halte ich an den betreffenden Stellen im Seminar einfach die mal die Klappe und hör denen zu, dies kapiert haben - das ist doch echte Teamarbeit, oder?!?!:)
Naja, und dann gibt es da natürlich auch noch die komplett ausweg- und alternativlosen Situationen während des Studiums. Ich meine solche Situation, in den der Prof in einer Digitalvorlesung dem Erstsemestler erklärt, dass "der Mensch als Ganzer in Außenstellung zu den einzelnen Rollenzumutungen" gerät und als Erläuterung dazu anmerkt, dies habe mit Luhmanns Systemtheorie zu tun, die sich lohne zu erarbeiten. Man möge dies selbständig tun, da eine weitergehende Erörterung den Rahmen der Vorlesung sprenge. Systemtheorie - nebenbei - mal eben so ... man denkt sich ja nicht wirklich was Böses dabei ... bis man die Büchse der Pandorra öffnet. Nachdem die Panikattacken vorüber und das postive Selbstbild wieder einigermaßen aufgebaut war, dachte ich mir nur: "Warum habe ich das nicht einfach übersprungen und einfach weitegemacht?" Seitdem ist "auf Lücke lernen" für mich kein abwegiger Gedanke mehr.:)
Du siehst also, Du bist nicht allein mit deinen Bedenken und Zweifeln. Aber - andere haben es auch geschafft. Und denen kann es doch auch nicht viel anders gegangen sein!!

Danke noch mal für den Lin nach Tübingen. Allein die erste Vorlesung war dank des unglaublich sympatischen Profs sehr hörenswert :D Wir haben viel gelacht.

MaHeAr: Ja, solche "ich verstehe nix, meine Güte bin ich dumm" Zeiten sind sehr anstrengend. Ich finde auch, dass teilweise zu viel angeschnitten und zu wenig vertieft wird, mit dem Argument "dies sprengt den Rahmen der Vorlesung/des Moduls..."
Selbstständiges lernen - Ja
Auf weiter Flur mit einer Aussage alleingelassen werden - Nein

Wenn ich alles vertiefen tät, was man mir nahe legt, würde ich mind. 2 Semester pro Modul brauchen.

Reader finde ich auch tückisch. Einerseits sollen sie gelesen werden zur Vertiefung. Andererseits frage ich mich manches mal, wie viel davon brauche ich gerade aktuell für dieses Modul? Was ist, wenn ich Text A nicht verstehe? Lese ich dann einfach den nächsten Readertext? Oder entgeht mir was relevantes?
Da leider nie (selten?) bei den Texten steht, warum sie ausgewählt wurden (man könnte ja schreiben "Dieser Text dient der Vertiefung der gegenwärtigen Diskussion zu xy") kann ich das immer schwer einschätzen.
Mal abgesehen davon, dass manche Texte auch locker 20 Jahre alt sind, die sind dann bestimmt nicht sooo aktuell.

Vielleicht liegen meine Zweifel und Bedenken auch einfach darin, dass ich eben völlig unwissend bin in Sachen Literatur/Germanistik/Hermeneutik und dass im Unibetrieb (und meiner bisherigen Erfahrung nach oft bei den Literaturwissenschaftlern) gerne mal geschwollen geredet/geschrieben und mit Wissen um sich geworfen wird. Das verunsichert.

Das kann ich so übernehmen. Ich habe letzte Tage eine Text bearbeitet, den man einfach so runterlesen konnte. Es war ein Genuss. Der nächste Text war eine Heimsuchung. Ich musste ständig das Fremdwörterlexikon befragen, damit ich den Text überhaupt ansatzweise verstehen konnte. Das muss wirklich nicht sein.\

Mal abgesehen davon, dass manche Texte auch locker 20 Jahre alt sind, die sind dann bestimmt nicht sooo aktuell.\

Ich glaube, das ist relativ. Es kommt auf die Forschungsrichtung etc. an. meist gibt es um bestimmte Dinge einen "Hype" und dann schläft die Forschung diesbezüglich wieder ein oder plätschert so vor sich hin. Da kann auch ein 20 Jahre oder noch älterer Text relevant sein.

Kuni, das ist wahr. Aber manchmal....ok, älter als 20 Jahre...aber wenn man gesamtdeutsch denkt und dann hat man nen text von vor 1989, naja, dann passt es nicht immer mit der aktualität, weil eben noch die Forscher aus "dem Osten" dazu gestoßen sind :) (Dieses Bsp hatte ich mal bei der Diskussion um eine Fragestellung)

Irgendwo hab ich mal gelesen/gehört, dass diejenigen die wirklich was können/wissen, auch verständlich schreiben und diejenigen, die mit Fremdwörtern um sich werfen ihr Ziel verfehlen.

Hilft aber leider nicht weiter

Ich denke, es kommt auch auf das Thema an. Wenn ich mir die Erscheinungsdaten der Bücher und Aufsätze meiner Literaturliste so ansehe, dann kann man immer gewisse 'Spitzen' ausmachen. Das geht von Anfang der 80er bis Anfang 2000. Aber nach 2002 ist einfach Ebbe.\

Wenn ich alles vertiefen tät, was man mir nahe legt, würde ich mind. 2 Semester pro Modul brauchen.

Geht mir genauso, aber manchmal ist es einfach schade, dass die Zeit nicht reicht.\

Da leider nie (selten?) bei den Texten steht, warum sie ausgewählt wurden (man könnte ja schreiben "Dieser Text dient der Vertiefung der gegenwärtigen Diskussion zu xy") kann ich das immer schwer einschätzen.


Man kann schon von Glück sagen, wenn man im Seminar dazu Informationen bekommt. Es wäre wirklich wünschenswert, wenn im Reader angegeben würde, welcher Forschungsrichtung die einzelnen Beiträge zuzuordnen sind.

Für mich als Naturwissenschaftlerin, in deren Umfeld eine präzise Sprache verwendet wird und man ohne großes Gerede zum Punkt kommt, sind literaturwissenschaftliche Texte ein Graus.

Viele finde ich sehr unpräzise. Ich habe oft den Eindruck das eine nicht hinreichende Kompetenz durch den vermehrten Gebrauch von Fremdwörtern versucht wird zu überspielen.

Moonkindle wrote:

Für mich als Naturwissenschaftlerin, in deren Umfeld eine präzise Sprache verwendet wird und man ohne großes Gerede zum Punkt kommt, sind literaturwissenschaftliche Texte ein Graus.

Das kann ich mir sehr gut vorstellen. :D Ich hab hier nen Techniker im Haus, der schüttelt nur den Kopf, wenn ich mal versuche, etwas aus meiner HA zu erzählen. Geschichte geht ja noch, aber LitWis! :rolleyes:

Was mich bei LitWis immer so fertig macht, ist die Vielzahl von Theorien und Forschungsrichtungen, die man auch noch fröhlich miteinander mischen kann. Da lob ich mir die Geschichtler: Quellenanalyse und gut is.;):cool

Luckyyy wrote:

Das ist meine bescheidene persönliche Meinung dazu, viele liebe Grüße
Lucky ;)

Und es freut mich sehr, diese Meinung mal wieder lesen zu können - welcome back, Luckyyy !!!!!!!!!!!!!!!

KuniKuehn wrote:

Was mich bei LitWis immer so fertig macht, ist die Vielzahl von Theorien und Forschungsrichtungen, die man auch noch fröhlich miteinander mischen kann. Da lob ich mir die Geschichtler: Quellenanalyse und gut is.;):cool:

Jau - Ihr habt's besser!

Vielleicht mal ein Blick aus der Richtung des Autors: Ich war ja mehrfach zu Schreiblehrgängen in der Bundesakadedmie für kulturelle Bildung (Wolfenbüttel). Da muss man ja auch immer Texte vorab einreichen, die dann in der Gruppe vorgelesen und diskutiert werden. Ihr glaubt gar nicht, wie viel in meine Texte reininterpretiert wurde! Ich wusste selbst gar nicht, was ich damit alles gemeint hatte ;)))))

vittoriacolonna wrote:

Jau - Ihr habt's besser!

Vielleicht mal ein Blick aus der Richtung des Autors: Ich war ja mehrfach zu Schreiblehrgängen in der Bundesakadedmie für kulturelle Bildung (Wolfenbüttel). Da muss man ja auch immer Texte vorab einreichen, die dann in der Gruppe vorgelesen und diskutiert werden. Ihr glaubt gar nicht, wie viel in meine Texte reininterpretiert wurde! Ich wusste selbst gar nicht, was ich damit alles gemeint hatte ;)))))



Ja aber ist das nicht recht schräg?
Mir scheint das Argument "man interpretiert immer aus seiner subjektiven Warte aus" doch als "Totschlagargument" fürs wilde drauf los interpretieren.
Vielleicht klebe ich zu sehr an der Idee von "so wies gemeint war, lesen" fest :)

Ich bin dann auch lieber bei der Quellenanalyse und bei "Mut zur Lücke" weil Vermutungen nix bringen....

hach ja....

vittoriacolonna wrote:

Jau - Ihr habt's besser!

Vielleicht mal ein Blick aus der Richtung des Autors: Ich war ja mehrfach zu Schreiblehrgängen in der Bundesakadedmie für kulturelle Bildung (Wolfenbüttel). Da muss man ja auch immer Texte vorab einreichen, die dann in der Gruppe vorgelesen und diskutiert werden. Ihr glaubt gar nicht, wie viel in meine Texte reininterpretiert wurde! Ich wusste selbst gar nicht, was ich damit alles gemeint hatte ;)))))


Das stelle ich mir spannend vor!!!! Wusste man, wer der/die AutorIn war oder wurden die Texte anonym verteilt? Allein den Gedanken finde ich faszinierend. :cool:\

Mir scheint das Argument "man interpretiert immer aus seiner subjektiven Warte aus" doch als "Totschlagargument" fürs wilde drauf los interpretieren.


Das Gefühl habe ich auch. Momentan belauert mich an jeder Ecke entweder eine Inzestproblematik oder ein Ödipuskomplex. Wobei ich mich zu 98% frage: Wie kommen die jetzt darauf? Über die Begründung kann man dann meist nur noch den Kopf schütteln. Vielleicht kann das ja ein Psycho nachvollziehen. :rolleyes

vittoriacolonna wrote:


Vielleicht mal ein Blick aus der Richtung des Autors: Ich war ja mehrfach zu Schreiblehrgängen in der Bundesakadedmie für kulturelle Bildung (Wolfenbüttel). Da muss man ja auch immer Texte vorab einreichen, die dann in der Gruppe vorgelesen und diskutiert werden. Ihr glaubt gar nicht, wie viel in meine Texte reininterpretiert wurde! Ich wusste selbst gar nicht, was ich damit alles gemeint hatte ;)))))

Das kann ich bestätigen. Nach der Publikation meines ersten Buches haben mich Mails und Post erreicht, die ich unter anderem inhaltlich nicht für möglich gehalten hätte, was Interpretationsansätze und Nachfragen zu Hintergründen angeht. Das ist äußerst spannend.

Und... Dankeschön Sandra für die lieben "welcome-back-Grüße" :)
LG
Lucky

KuniKuehn wrote:

Das stelle ich mir spannend vor!!!! Wusste man, wer der/die AutorIn war oder wurden die Texte anonym verteilt? Allein den Gedanken finde ich faszinierend. :cool:

Die Texte wurden vorab als Reader an die TN verschickt - insofern wusste man erst, wer die Texte verzapft hat, als man die Leute dann vor Ort kennen gelernt hatte.

Danke Janine, dass Du das Thema angesprochen hast und danke an Euch alle für eure Beiträge dazu:) .
Jetzt fühle ich mich nicht mehr so alleine mit meinen Schwierigkeiten in LitWi.:confused::eek:! Es macht Mut weiterzumachen.

Hehe Serres, ich bin bekannt dafür die "peinlichen" Fragen zu stellen...ok, zumindest wenn der Leidensdruck groß genug ist.

JSchneider wrote:

Hehe Serres, ich bin bekannt dafür die "peinlichen" Fragen zu stellen...ok, zumindest wenn der Leidensdruck groß genug ist.


Du weisst doch, dass uns nichts Menschliches fremd ist. ;) Ich finde solche Fragen außerdem legitim. Fragen zu stellen ist Sinn und Zweck von Wissenschaft.

etwas verspätet hier noch mein Schefflein Senf:

Der Punkt ist: es gibt keine Wahrheit.

Wichtig ist, dass man seine Deutung am Text belegen kann, dann hat man gut interpretiert. Das bedeutet aber noch nicht, dass nicht auch andere Auslegungen möglich sind, die sich am Text genauso festmachen lassen.
Das muss man nicht nur aushalten- davon lebt die Literaturwissenschaft.

Ich vermisse aber zuweilen gerade die Anerkennung dieses Umstandes, wenn ich Interpretationen lese...oder bekomme immer Pickel, wenn meine Söhne erzählen, dass die Lehrer auf eine bestimmte Interpretation festgestellt sind. Ich ermuntere sie dann ihre eigene Interpretation wasserdicht zu formulieren...

Angelika

es kommt möglicherweise ein wenig spät aber unter L1 Thread Seite 39 ist ein Film eingestellt, von 3Sat unter dem Thema Hermeneutik. Der hat mir echt einiges näher gebracht auch zum Thema Autoren / Leser. Fand es glatt schade dass das nicht in der Klausur vorkam.
War der nicht von dir MaHeAr. Klasse Beitrag, danke schön noch nachträglich.

Gern geschehen!

Bevor ich zur Klausur fuhr habe ich mir das zum wiederholten Mal angeschaut. fand das so klasse dass ich grinsend gehen konnte und ein paar Minuten vom Kommenden abgelenkt wurde. Da hätten echt noch mehr Literatur Themen so erfrischend aufbereitet werden können. war aber nicht, habe nachgeschaut.

Ich hatte auch gehofft, noch den ein oder anderen Beitrag in dieser Form zu finden. Zum Beispiel über Strukturalismus und/oder Dekonstruktion. Leider bin ich genau so erfolglos beim Suchen geblieben wie Du.

dann müssen wir selber was drehen. Diplomarbeit. Frag mal in Hagen nach....

Angelika B. wrote:


Ich vermisse aber zuweilen gerade die Anerkennung dieses Umstandes, wenn ich Interpretationen lese...oder bekomme immer Pickel, wenn meine Söhne erzählen, dass die Lehrer auf eine bestimmte Interpretation festgestellt sind.


und wir wundern uns ...
... warum hier beim StuSe ständig diese werbung für anti-pickel-creme eingeblendet ist.

Lieber für Verhütungsmittel? Öhm.....

Materna Colonia wrote:

Lieber für Verhütungsmittel? Öhm.....


sieht wahrscheinlich hübscher aus.

Ja vermeidet auch das eine oder andere