Ich will mal etwas fachliches hier im Forum erfragen - schliesslich sind wir ja eine Lerngruppe hier :rolleyes:
Bei der Beschreibung der 2 Formen der Praxis (Poiesis/Praxis) wird erwähnt, dass das höchste Gut das Glück ist, das sich allein schon durch das Handeln ausdrückt - deswegen wird der "bios theoretikos" als das Endziel angesehen, indem sich das höchste Gut erreichen läßt.(KE 1 S.9)
Bei der späteren Erklärung der 3 Lebensformen des Aristoteles wird aber der "bios politikos" (KE1 S.68/69) als höchststehende Lebensform genannt, da der Mensch nur in der Gemeinschaft glücklich werden kann. (Wie er allerdings durch die 3 Seelenteile zu diesem Urteil kommt, erschliesst sich mir auch nicht ganz)
Wahrscheinlich beziehen sich die jeweiligen Wertungen auf verschiedene Kriterien... aber ich bin inzwischen so betriebsblind, dass ich lediglich den Widerspruch sehe.
Comments
Luckyyy
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View profileMal sehen, ob ich da etwa Licht herbeitragen kann [IMG]https://www.cosgan.de/images/smilie/froehlich/s070.gif[/IMG]
Entscheidend ist dabei meiner Meinung nach, dass man nach AR dann glücklich ist, wenn der vernünftige Seelenteil ein Leben lang tätig ist und das möglichst in der Gemeinschaft der polis, denn hier geht`s vernünftig, aber auch sinnlich zu. ;)
Beim lustbezogenen Leben ist nur der vegetative Seelenteil tätig, daher bleibt man bei so einem Leben hinter den menschlichen Möglichkeiten zurück.
Beim theoretischen Leben ist ausschließlich der vernünftige Seelenteil "im Einsatz", um das so beibehalten zu können, soll der Philosoph sich von der Gemeinschaft abkehren, da er ja dennoch ein sinnliches Wesen ist (wie selbst wir Nicht-Philosophen wissen, nicht wahr? :D). Entscheidend ist hier meiner Meinung nach, dass auch im theor. Leben das Glück im Vollzug, also im Wissenserwerb zu erreichen ist und nicht im Wissen an sich.
Ohne Gewähr, liebe Grüße
Lucky :winke
papagorilla
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View profileIch würde sagen, das hängt auch von der jeweiligen Betrachtungsweise ab: in der Metaphysik ist natürlich der theoretikos optimal, aber in der Politik natürlich der politikos. Soll heißen, dass natürlich für den Philosophen qua Philosoph was anders im Vordergrund steht als für den Philosophen qua Staatsbürger
leser
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View profileGuck mal bei 03563/KE III 2. Aristoteles. Da steht das es bei dem Herren nur 2 Lebensformen gibt, die Glück verheißen - das der Polis gewidmete und das des Philosophen. Und 2 Lebensformen bleiben hinter den Möglichkeiten zurück - die der Sinneslust und die, die dem Erwerbsleben gewidmet ist - das ist wohl die ökonomische, die die 4. Lebensform ist, die Aristoteles für nicht erwähnenswert hält (KE I, 2.1. Gelingende Praxis: Glückseeligkeit), weil sie nicht um ihrer selbst willen ausgeübt werden kann (solltest du also ganz viel arbeiten und sonst nichts, dann ist Dein Leben nicht erwähnenswert nach A.) Bin ich heute auch drüber gestolpert. Das kommt davon, wenn verschiedene Autoren was für das gleiche Skript schreiben...
Gruß
Frau Krause
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View profileIch lese hier schon eine Weile still mit, aber jetzt trau ich mich auch mal: Herr Elllmers gab mir einst den Hinweis, dass es für Aristoteles zum Begriff der Lebensform dazu gehört, von den Widrigkeiten der Alltagsbeschaffungen befreit zu sein. Deshalb gibt es auch keine "ökonomische", sondern nur die sinnenbezogene, die politische und die theoretische. Und als zoon politikon können wir nur innerhalb der Polis glücklich werden. Ich stell mir das dann so vor, dass bei Aristoteles das Glück sozusagen philosophierend im Rahmen der Gemeinschaft der Polis erreichbar ist.
Herzliche Grüße und noch viel Spaß beim Lernen von
Frau Krause