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KuWi-was für mich?

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Leute,

an der FernUni bin ich mittlerweile schon fast ein alter Hase - studiere seit WiSe 2007 an der rechtswissenschaftlichen Fakultät.

Warum ich mich für dieses Studium entschieden habe-gute Frage. Weil es auf meiner Ausbildung aufbaut-ich bin gelernte Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte. Doch diese Ausbildung hatte ich mir nicht ausgesucht, sondern musste -als junge Mutter ohne Ausbildung- zusehen, überhaupt jemanden zu finden, der mich ausbildet.

Auch hatte ich so gar keine Vorstellungen, welcher Beruf mich eigentlich wirklich interessiert, außer für mich unerreichbare Berufe wie Journalistin oder Mode-/Graphikdesign. Nach meinem nachgeholten Abi habe ich mich also für ein Vernunftsstudium entschieden, um endlich -irgendwann- einmal soviel zu verdienen, um mir und meiner Family ein angenehmes Leben zu ermöglichen, und mich nicht mehr ausbeuten zu lassen. Ein paar Semester gings ganz gut-bis ich dann irgendwann in ein tiefes Loch gefallen bin. Ich kann mich einfach nicht mehr motivieren, etwas fürs Studium zu tun. Habe zwischenzeitlich auch mal wieder versucht, in meinem alten Beruf zu arbeiten, doch auch dadurch ging es mir nicht besser.

In der letzten Zeit habe ich viel nachgedacht, und mich wieder auf meine "alten" Interessen und Neigungen besonnen. Zu meiner Person: ich bin ein geselliger, doch eigentlich eher schüchterner Mensch-obwohl ich weiß, diese Schüchternheit zu überspielen. In der Schule waren Deutsch, Englisch und Französisch meine besten und auch liebsten Fächer. Früher, also als Kind, war ich überdurchschnittlich kreativ, ich habe viel gezeichnet, Geschichten und Gedichte/Songtexte geschrieben, mir Comics ausgedacht und gemalt, was mir immer die Bewunderung meiner Freunde eingebracht hatte. Diese Kreativität ist im Laufe meiner beruflichen Laufbahn und dem ganzen persönlichen Stress, der damit zusammenhängt, Kindererziehung und Karriere unter einen Hut zu bekommen, unter gegangen.

Jetzt erstmal genug von mir: glaubt ihr, KuWi-ich hatte Literaturwissenschaften ins Auge gefasst-könnte etwas für mich sein?

Comments

Computermaus wrote:

glaubt ihr, KuWi-ich hatte Literaturwissenschaften ins Auge gefasst-könnte etwas für mich sein?

Diese Frage kannst nur DU dir selbst beantworten. :) Am besten probierst du's einfach mal aus, dann wirst du sehr bald sehen, ob dir das Studium zusagt und liegt. Im Vorfeld kannst du dich ja über die Homepage ("Schaukästen" zu einzelnen Modulen) und/oder Studienzentren informieren - da gibt's schon mal schriftliche Unterlagen zum Hineinschnuppern.

Also, das grundsätzliche Interesse an den Lehrgebieten ist ja schon vorhanden. Dachte nur, ich könnte anhand der Erfahrungen derjenigen, die das Fach bereits studieren, irgendwo eine Einschätzung erhalten, da die Informationen, die man auf den Seiten der FernUni enthalten sind, für einen Außenstehenden doch sehr theoretisch sind, und nicht auf besondere Fähigkeiten, Talente oder Neigungen einzugehen. Ich habe einfach schon soviel Zeit in einem Beruf verschwendet, der mir keinen Spaß macht. Es klingt vielleicht etwas träumerisch, aber ich möchte endlich das Gefühl von Erfüllung im Arbeitsleben haben.

Viele hier haben irgend einen Beruf, der sie zwischen "so lala" und "überhaupt nicht (mehr)" interessiert.
Kulturwissenschaftliches Arbeiten ist vermutlich für viele also "ganz was anderes" und daher durch den Reiz des Neuen interessant.

Ich frage mal so: kannst du dir vorstellen, mit Freude und Begeisterung eine 15-seitige wissenschaftliche Arbeit über "die Bedeutung von Luthers Anschlag der 95 Thesen für die Entwicklung der europäischen Schriftkultur" (Thema frei erfunden) zu schreiben?

was mir dazu einfällt: der Beruf (welcher auch immer) könnte um einiges anders aussehen als das studium. der klassiker museumsarbeit hört sich für mich recht praktisch (d.h. mit den händen was machen) an und man arbeitet (vermutlich) viel mit anderen menschen zusammen. im studium lernst du, liest du und schreibtst wissenschaftliche texte. häufig allein.

literaturwissenschaft ist wissenschaft, erfordert also wissenschaftliches arbeiten. allerdings mit einem "schöneren" thema/fokus als z.b. bei jura oder wirtschaftswissenschaften. probier aus, ob du dich darauf einlassen kannst. vorher kann man das vermutlich nicht wissen.:)

ich hatte 2 semester (teilzeit) als probesemester mit mir selbst vereinbart. und mir dabei ganz ausdrücklich die erlaubnis erteilt, mich auch dagegen zu entscheiden. d.h. dass ich mir das nicht als scheitern zurechne, sondern einfach nur als ein ausprobieren - falls es mir nicht gefällt.

papagorilla wrote:

Viele hier haben irgend einen Beruf, der sie zwischen "so lala" und "überhaupt nicht (mehr)" interessiert.
Kulturwissenschaftliches Arbeiten ist vermutlich für viele also "ganz was anderes" und daher durch den Reiz des Neuen interessant.

Stimmt. Für mich z.B. ist das KUWI-Studium ein guter Ausgleich zum Job, aber ich habe nicht die Absicht, einmal in diesem Bereich (vollberuflich) tätig zu sein... vor allem, weil ich auch befürchte, dass ich damit bei weitem nicht die Verdienstmöglichkeiten hätte, wie jetzt (habe schon ein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium). So ist und bleibt KUWI für mich ein schönes Hobby.

papagorilla wrote:

Ich frage mal so: kannst du dir vorstellen, mit Freude und Begeisterung eine 15-seitige wissenschaftliche Arbeit über "die Bedeutung von Luthers Anschlag der 95 Thesen für die Entwicklung der europäischen Schriftkultur" (Thema frei erfunden) zu schreiben?

und wieviel freude und begeisterung hattest du dabei ? ;)
freude kommt so richtig auf, wenn es vorbei ist. und begeisterung, weil man sich hinterher im thema so gut auskennt und mit anderen fachsimpeln kann.

ach bei einer hausarbeit kann man sich eh seinen themenschwerpunkt selbst aussuchen, zum glück

nikita86 wrote:

ach bei einer hausarbeit kann man sich eh seinen themenschwerpunkt selbst aussuchen, zum glück :)

Trotzdem kann einem das Thema dann bis zum Schluss schon mal zum Hals raushängen... :eek

Hast du schon mal mit der Studienberatung gesprochen? Ich weiß zwar nicht, wie das in Hagen ist, aber an meiner alten Fachhochschule waren sie immer sehr offen und hilfsbereit bei solchen Fragestellungen. Die Frage, ob es das geeignete Studium ist, lässt sich nämlich eher nicht durch ein paar Postings in einem Forum sagen. Ferndiagnosen sind ja immer sehr kritisch. Mal kurz meine Sicht der Dinge: ich bin ja jetzt auch noch ganz am Anfang des KuWi Studiums und kann nicht auf einen reichhaltigen Erfahrungsschatz an Prüfungsleistungen, Hausarbeitsthemen oder Präsenzveranstaltungen zurückblicken aber die Tatsache, dass ich mich beim Anblick der Studienbriefe für L1 nicht übergeben musste, habe ich schon mal für mich persönlich als einen guten Anfang gewertet ;) Was ich aber jetzt schon sagen kann ist, dass man auf jeden Fall ein wenig die Affinität für das wissenschaftliche Arbeiten mitbringen sollte und es wäre nicht verkehrt, wenn einen die Klassiker alter Epochen nicht gänzlich verschrecken würden. Es ist kein durchweg kreatives Studium, sondern es analysiert und dröselt die kreativen Arbeiten Anderer auseinander :) Wie gesagt, ob das was für dich ist, kannst wohl nur du alleine entscheiden

Myrmid wrote:

Stimmt. Für mich z.B. ist das KUWI-Studium ein guter Ausgleich zum Job, aber ich habe nicht die Absicht, einmal in diesem Bereich (vollberuflich) tätig zu sein... vor allem, weil ich auch befürchte, dass ich damit bei weitem nicht die Verdienstmöglichkeiten hätte, wie jetzt (habe schon ein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium). So ist und bleibt KUWI für mich ein schönes Hobby. :)


Ich auch. Mit dem Unterschied, dass ich diese Richtung nach über 15 Jahren nicht mehr ertragen konnte. Nach einem kurzen Abstecher in die psychologische Richtung (ist mir auf B.A.-Basis dann doch zu abstrakt) jetzt also KuWi mit der Absicht, da durchaus im wiss. Bereich mal zu arbeiten. Mit Geschichte als Zweitfach ist es (für mich) einfach die ideale Verbindung

meister_lampe wrote:

und wieviel freude und begeisterung hattest du dabei ? ;)\

Also ich liebe dieses wissenschaftliche Arbeiten, begonnen mit der Recherche (auch wenn ich das aus Zeitmangel jetzt ja eher im Web mache als in einer Bib, irgendwie fehlt mir das schon, der Geruch und so), über das Formulieren und Umformulieren und Feilen und nochmals Umformulieren.... hey, genau deshalb studiere ich das ja auch! (Hobby-Philosoph und Pseudo-Antike-Experte war ich vorher ja auch schon)

hast recht, OHNE freude und begeisterung geht es nicht.
ich arbeite auch ganz gerne texte durch, habe aber mit HAs nicht wirklich erfahrung. ich vermute, dass es mir so gehen wird wie Myrmid: zum ende hin hängt es einem zum halse raus. zumindest ging es mir bei P2 vor der klausur so. und jetzt - mit abstand -finde ich es wieder interessant. schön war es, auf der PV das "angehäufte" wissen anwenden zu können.

Naja, Klausuren sind ja auch ein anderes Kaliber, aber da muss man durch. Aber andererseits, wenn man mal 3 von den 1-er Klausuren hinter sich hat, schreckt einen garnix mehr

Computermaus wrote:

In der letzten Zeit habe ich viel nachgedacht, und mich wieder auf meine "alten" Interessen und Neigungen besonnen. Zu meiner Person: ich bin ein geselliger, doch eigentlich eher schüchterner Mensch-obwohl ich weiß, diese Schüchternheit zu überspielen. In der Schule waren Deutsch, Englisch und Französisch meine besten und auch liebsten Fächer. Früher, also als Kind, war ich überdurchschnittlich kreativ, ich habe viel gezeichnet, Geschichten und Gedichte/Songtexte geschrieben, mir Comics ausgedacht und gemalt, was mir immer die Bewunderung meiner Freunde eingebracht hatte.

Erstmal herzlich willkommen hier im Studienservice, Computermaus!

Wenn ich Deine Selbstbeschreibung so lese, fürchte ich, dass Du Dir eine falsche Vorstellung von dem KuWi-Studiengang machst. Hier ist weniger Kreativität gefragt denn Wissenschaftlichkeit. Die literaturwissenschaftlichen Themen sind zwar größtenteils sehr spannend, aber kreativ muss man dafür weniger sein (höchstens, wenn es darum geht, in einer mündlichen Prüfung weit ausgreifende Transferleistungen zu den Kursinhalten zu liefern ;)).

Gute Ausdrucksfähigkeiten sind sicher extrem wichtig, von daher sind Deine Fächervorlieben aus der Schule sicher von Vorteil. Aber es geht hier IMO weniger um Interpretationen von Texten als um ihre Strukturen, inhaltlichen Botschaften und die zeitlichen Kontexte. Du solltest wirklich mal wenn möglich ein paar Kursbände anlesen oder durchblättern, damit Du ein Bild bekommst - somit ist die Idee mit den Schaukästen nicht schlecht!

LG
Sandra

Erst einmal vielen Dank für eure zahlreichen und vor allem auch ehrlichen und kritischen Antworten! Ob ich mit dem wissenschaftlichen Arbeiten zurechtkommen werde, kann ich -denke ich- zunächst einmal mit Ja beantworten, denn sonst wäre ich in meinem jetzigen Studiengang nicht so weit gekommen. Der eigentliche Grund, warum ich an Jura so ganz die Lust verloren habe, war mein Gedanke: will ich mich denn später auch mein Leben lang beruflich mit dieser Thematik beschäftigen? Und hieran sind mir letztlich große Zweifel gekommen. Denn beim Aufsetzen und Prüfen von Verträgen zählt deine eigene Meinung so gar nicht, eigene Interpretationen o. ä. sind überhaupt nicht angebracht, das heißt: freies Denken, eigene Ideen einbringen: Fehlanzeige. Ich denke, dass dies meinem Naturell absolut nicht entspricht. Das Studium an sich finde ich nach wie vor recht interessant, konnte mich bisher auch nicht dazu durchbringen, es völlig aufs Eis zu legen. Aber aus den oben genannten Gründen sehe ich meine Zukunft einfach nicht im juristischen Bereich. Etwas anders wäre der Fall vielleicht gelagert, wenn ich mit meinem Abschluss auch als Anwältin tätig werden könnte, dann hätte ich wenigstens tagtäglich mit Menschen zu tun. Aber leider ist es uns Bachelor-Anwärtern bislang verwehrt. Natürlich mache ich mir auch keine Illusionen, dass es im Zuge des KuWi-Studiums nicht auch mal trocken zugeht, viel Auswendig lernen, Techniken einstudieren o. ä. Aber zunächst einmal finde ich die Thematik abwechslungsreicher und lebendiger, und zum anderen decken sich die späteren beruflichen Möglichkeiten und Anforderungen meiner Meinung nach viel eher mit meinen Fähigkeiten und Interessen, weshalb ich denke, dass ich im kommenden Semester mal ein Probestudium in Angriff nehmen werde. Was habe ich denn schon zu verlieren, außer ein wenig Freizeit?

dann wünsche ich Dir jetzt schon viel Erfolg und viel Spaß mit deiner Entscheidung :) Im Wirtschaftsstudium habe ich in den Recht-Veranstaltungen auch sehr gut abgeschnitten und das Hantieren mit Anspruchsgrundlagen und -prüfungen hat mir auch einigermaßen Spaß gemacht. Aber mir ging es ähnlich wie dir: der Bereich war mir irgendwie zu fremdbestimmt und weil ich gerne überall meinen Senf dazugebe, habe ich das dann nicht weiter verfolgt.

Computermaus wrote:

...Was habe ich denn schon zu verlieren, außer ein wenig Freizeit?

Och, Freizeit und ausreichender Schlaf werden doch eh vollkommen überbewertet ;) Go for it!!

na schon mal herzlich willkommen :)

du kannst auch gleich anfangen, verspätete einschreibung geht noch. kursbestellung geht wohl bis zum 15. mai.