muss mal einen neuen Thread eröffnen, weil ich im Moment einen Verständnishänger habe bei den Medien des collected bzw. collective memory.
Im Kursband ist im Kapitel 4.4.1 (S. 72ff.) aufgelistet, was zu den Funktionen der Medien des collective memory gehört: Speicherfunktion, Zirkulationsfunktion, Abruffunktion. Die zugehörigen Medien sind dann Archive, Museen, aber auch Internet, Zeitungen, Fernsehen etc. - so weit, so gut.
Aber: Wie sieht das bei den Funktionen des collected, also individuellen Gedächtnisses, aus? Dort ist von cadres mediaux die Rede, aber ich finde den Zugang nicht zu den Funktionen der Medien im Bereich collected memory. Oder sind das die gleichen Funktionen wie bei collective memory? Und gibt es spezifische Medien für collected memory? Wäre ein persönliches Tagebuch/Autobiografie ein Erinnerungsmedium aus dem Bereich collected memory?
Ich raff's gerade mal überhaupt nicht - hat jemand eine Idee?
Comments
Lumina
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View profile[COLOR=black]Hm, ich vesuch's mal... Sitze momentan noch an meiner L5-Hausarbeit, die fast fertig ist, und habe mich bisher noch nicht so ausgiebig mit L6 beschäftigt. Den ersten Kurs habe ich aber durch, und mit dem Thema "kollektives Gedächtnis" habe ich mich in der HA am Rande beschäftigt, passt also irgendwie. [/COLOR]
[COLOR=black]Ich habe das so verstanden: Als Medien des individuellen Gedächtnisses könnte man allgemein alle Materialien ansehen, mittels derer bestimmte Informationen gespeichert werden können, die es Individuen ermöglichen, sich direkt an diese oder damit verknüpfte Sachverhalte zu erinnern (das können sowohl Aufschreibe- und Aufzeichnungssysteme als auch Fotos oder Dinge mit symbolischem Wert sein usw.). Die Medien des "collective memory" sind nicht klar abzugrenzen von denen des "collected memory" - ein persönliches Tagebuch wäre ein mögliches Medium des individuellen Gedächtnisses, könnte aber ebenso wie z. B. ein Foto, eine Autobiographie oder ein sonstiger Text auch zum Medium des "collective memory" werden, genauso wie umgekehrt ein Film, Zeitungsartikel usw. Medium des individuellen Gedächtnisses werden kann, denke ich. Entscheidend ist wohl, dass auch das individuelle Gedächtnis immer [/COLOR][COLOR=#0d0600]abhängig von der Teilhabe an kommunikativen Prozessen[/COLOR][COLOR=black] ist, also stets eine Wechselwirkung zwischen kollektivem, sozialem und individuellem Gedächtnis besteht ("Kultur als Gedächtnisphänomen" und "Gedächtnis als Kulturphänomen"). [/COLOR]
[COLOR=black]Wahrnehmen und Erinnern sind durch "cadres sociaux" (gruppenspezifische Denkschemata oder soziale Bezugsrahmen, die sich aus der Kommunikation und Interaktion in der Gruppe wie Rede, Schrift, Bild, Architektur usw. ergeben) geprägt, "cadres médiaux" stellen den medialen Rahmen des (individuellen) Erinnerns dar. Eine Funktion der Medien der "collected memory" ist vielleicht, dass durch sie Anschluss an das Gruppengedächtnis gefunden werden kann und sie einen Kommunikationsanlass bieten, der wiederum zum gemeinsamen Gedächtnis beitragen kann (wie in Halbwachs' Beispiel "Spaziergang in London"). [/COLOR]
[COLOR=black]Ich hoffe, das hilft dir irgendwie weiter? Nach der HA-Abgabe ist bei mir dann auch L6 dran, lerne für die mündliche im nächsten Semester… [/COLOR]
[COLOR=black]LG Lumina[/COLOR]
vittoriacolonna
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View profileDanke für Deine Mühe! So ähnlich dachte ich mir das auch - eigentlich besteht zwischen den Medien eine Art Wechselwirkung und keines kann einer bestimmten Gedächtnisform zugeordnet werden. Ich fand es halt nur verwirrend, weil ja die Überschriften der Kapitel einmal "Medien des collective memory" und dann "Medien des collected Memory" heißen. Das implizierte für mich, dass es da Kategorien geben muss. Ist aber anscheinend nicht so.
Mit den Funktionen der Medien verhält es sich dann wohl auch so. Individuelles Gedächtnis kann ja auch speichern, zirkulieren lassen und abrufen. Oder denke ich hier falsch?