es ist nämlich so, ich habe Literatur nur als Nebenfach, und deswegen muss ich mich entscheiden, was ich von den schönen Lx-Modulen denn nun tatsächlich belege.
L3 hört sich für mich nicht schlecht an, aber es scheint mir da mehr darum zu gehen, dass man lernt Text aus einer bestimmten Zeit besser zu verstehen. L4 hingegen scheint mir auch theoretisch was im Lernangebot zu haben. L5 genauso. Bei L6 weiß ich nicht, da scheint es soviel Theorien zu geben, aber irgenwie weiß ich nicht....
Naja, würde mich über Reflexionen oder Gründe warum ihr euch wie entschieden habt und es bereut oder nicht bereut habt sehr freuen.
bis auf Modul L1 hat mich eignetlich alles begeistert.
Die Literaturwissenschaften innerhalb der KuWi in Hagen arbeiten unter der Prämisse, dass Literatur wie kaum ein anderes künstlerisches Medium gesellschaftliche Wirklichkeit abzubilden und zu reflektieren vermag. Wobei Literatur und gesellschaftliche Wirklichkeit immer auch in einem wechselseitigen Verhältnis zueinander stehen.
Dies wird vor allem dort sichtbar, wo man sich bspw. mit der Literatur der Aufklärung, der literarischen Anthropologie oder mit Migrationsliteratur befasst.
Dies waren für mich die wirklich spannensten Module, letzteres wohl auch, weil die Thematik unmittelbar in unsere Wirklichkeit hineinreicht und die Forschungslage noch absolut offen ist.
Hier will ich mal nachhaken! Solche Aussagen habe ich in den Kursunterlagen auch schonmal gelesen, aber ehrlichgesagt ich bin gern etwas kritischer und ich bin von der Aussage nicht wirklich überzeugt! Daher mal noch ein paar Nachfragen!
Literatur mag also angeblich die Wirklichkeit besonders gut abbilden und reflektieren?
1.) Ich denke mal eigentlich ist das Hauptinstrument zum Abbilden die Sprache. Die wird in der Literatur zwangsläufig verwendet.
2.) Literatur stilisiert die Wirklichkeit, sie abstrahiert, vereinfacht um irgendeine Aussage, einen Sinn zu gewinnen. Kann man sowas Abbilden nennen? Ich weiß nicht, die Wirklichkeit ist ja eigentlich viel komplexer.
3.) Angenommen dem sei so, dann habe besteht also meine gewonnene Erkenntnis aus dem Literatur-Studium darin, dass ich weiß, dass in der Literatur die Wirklichkeit und kritische Reflexionen dieser zu finden sind. Dafür soll man also Lit. studieren?
4.) Meiner Meinung nach sollte ein Studium einem Einblicke in neue größere Zusammenhänge bringen. Wenn ich aber z.B. die anthropologischen Impulse für die Literatur des 18. Jahrhunderst kenne, dann erklären sich einem natürlich auch einige Dinge besser, man bedenkt, dass früher Wahnsinnige als von Dämonen besessen gesehen wurden, erst durch das neue Menschenbild diese zu psychisch Kranken wurden etc, dadurch verstehe ich vielleicht alte Literatur besser, gut, aber schöne neue Theorien lernt man da nicht, da scheint mir L5 oder L6 mehr zu bieten.
Hier will ich mal nachhaken! Solche Aussagen habe ich in den Kursunterlagen auch schonmal gelesen, aber ehrlichgesagt ich bin gern etwas kritischer und ich bin von der Aussage nicht wirklich überzeugt! Daher mal noch ein paar Nachfragen!
Literatur mag also angeblich die Wirklichkeit besonders gut abbilden und reflektieren?
1.) Ich denke mal eigentlich ist das Hauptinstrument zum Abbilden die Sprache. Die wird in der Literatur zwangsläufig verwendet.
Ja, und darzustellen, wie dies geschieht ist Aufgabe der Linguistik (und der Rhetorik, die wiederum Teildisplinen der Literaturwissenschaft sind.
Es geht aber über die Darstellung von Techniken noch hinaus; denk da an Sprachphilosophie oder eben auch an geschichtliche Kontexte: wann hat man sich wie warum ausgedrückt? Was verrät die Rhetorik des Nichtgesagten?
2.) Literatur stilisiert die Wirklichkeit, sie abstrahiert, vereinfacht um irgendeine Aussage, einen Sinn zu gewinnen. Kann man sowas Abbilden nennen? Ich weiß nicht, die Wirklichkeit ist ja eigentlich viel komplexer.
Das kann man so pauschal nicht sagen!
Es gibt ja durchaus ne Menge Literatur, die sehr realitätsnah und durchaus komplex erzählt.
Wenn ich bspw. etwas über das 18 Jahrhundert erfahren will, kann ich ein Geschichtsbuch aufschlagen. Da hat dann ein Historiker Sachverhalte ausgewählt, die seiner Meinung nach relevant sind, um den Zeitgeist zu beschreiben - das ist doch viel abstrakter und vereinfachter.
Mit literarischen Werken einer Epoche habe ich einen viel unmittelbareren Zugang zur jeweiligen Lebenswirklichkeit, weil diese Texte nicht dazu verfasst sind rückblickend den Zeitgeist einer Epoche zu beurteilen.
Faszinierend finde ich in dem Zusammenhang außerdem, wie sich Litertur wiederum auf gesellschaftliche Prozesse auswirkt.
Man denke da bspw. daran, wie die Literatur ausländischer Autoren im Laufe der Zeit überhaupt ein Bewusstsein für deren Existenz in der bundesdeutschen Öffentlichkeit geschaffen haben.
3.) Angenommen dem sei so, dann habe besteht also meine gewonnene Erkenntnis aus dem Literatur-Studium darin, dass ich weiß, dass in der Literatur die Wirklichkeit und kritische Reflexionen dieser zu finden sind. Dafür soll man also Lit. studieren?\
Wenn ich etwas darüber wissen möchte - dann das ja.
Im übrigen ist es nochmal ein Unterschied, ob ich Literaturwissenschaft oder Literaturwissenschaft als Teildisziplin der Kulturwissenschaften studiere.
Um von heute aus zu verstehen, wie bspw. unsere Kultur strukturiert ist, muss ich verstehen wie sie gewachsen und entstanden ist.
Literatur stellt dabei ein ungeheueres Quellenpotenzial zur Verfügung.
4.) Meiner Meinung nach sollte ein Studium einem Einblicke in neue größere Zusammenhänge bringen. Wenn ich aber z.B. die anthropologischen Impulse für die Literatur des 18. Jahrhunderst kenne, dann erklären sich einem natürlich auch einige Dinge besser, man bedenkt, dass früher Wahnsinnige als von Dämonen besessen gesehen wurden, erst durch das neue Menschenbild diese zu psychisch Kranken wurden etc, dadurch verstehe ich vielleicht alte Literatur besser, gut, aber schöne neue Theorien lernt man da nicht, da scheint mir L5 oder L6 mehr zu bieten.
Nein, es geht eben nicht (nur) darum die Literatur besser zu verstehen, sondern Gesellschaft, Individuum, Kultur oder Geschichte besser zu verstehen.
Was sind denn schöne neue Theorien? Kann man die verstehen, ohne die schönen alten zu kennen?
Wir studieren Kulturwissenschaften. Über welche Teildisziplin Du Dir den Zugang zum Fach verschaffst ist Deine Sache.
Danke für die ausführliche Erklärung deines Standpunkts! :) Ich finde solche quasi fachlichen Diskussionen sehr interessant!
1.) Ich denke mal eigentlich ist das Hauptinstrument zum Abbilden die Sprache. Die wird in der Literatur zwangsläufig verwendet.
Ja, und darzustellen, wie dies geschieht ist Aufgabe der Linguistik (und der Rhetorik, die wiederum Teildisplinen der Literaturwissenschaft sind.
Es geht aber über die Darstellung von Techniken noch hinaus; denk da an Sprachphilosophie oder eben auch an geschichtliche Kontexte: wann hat man sich wie warum ausgedrückt? Was verrät die Rhetorik des Nichtgesagten?\
Mmmm,... wenn ich es aber richtig verstanden habe, dann gehört die Linguistik nicht zur Literaturwissenschaft, es sind natürlich verwandte Fächer, aber ist doch ein extra Fach, oder täusche ich mich da?
Ja, ich stimme dir zu, man erfährt über die Literaturgeschichte viel über die Vergangenheit. Teilweise stört mich daran aber ein wenig, dass ich gerne mehr über die Gegenwart lernen würde, aber gut das sei mal egal.
\
2.) Literatur stilisiert die Wirklichkeit, sie abstrahiert, vereinfacht um irgendeine Aussage, einen Sinn zu gewinnen. Kann man sowas Abbilden nennen? Ich weiß nicht, die Wirklichkeit ist ja eigentlich viel komplexer.
Das kann man so pauschal nicht sagen!
Es gibt ja durchaus ne Menge Literatur, die sehr realitätsnah und durchaus komplex erzählt.
Ja, ich stimme dir hier soweit zu, es gibt komplexere und weniger komplexe Literatur.
Wenn ich bspw. etwas über das 18 Jahrhundert erfahren will, kann ich ein Geschichtsbuch aufschlagen. Da hat dann ein Historiker Sachverhalte ausgewählt, die seiner Meinung nach relevant sind, um den Zeitgeist zu beschreiben - das ist doch viel abstrakter und vereinfachter.
Ja, die Historiker sagen aber auch nicht, dass sie die Vergangenheit "abbilden" können, sondern, dass sie sie "konstruieren".
Mit literarischen Werken einer Epoche habe ich einen viel unmittelbareren Zugang zur jeweiligen Lebenswirklichkeit, weil diese Texte nicht dazu verfasst sind rückblickend den Zeitgeist einer Epoche zu beurteilen.
Faszinierend finde ich in dem Zusammenhang außerdem, wie sich Litertur wiederum auf gesellschaftliche Prozesse auswirkt.
Man denke da bspw. daran, wie die Literatur ausländischer Autoren im Laufe der Zeit überhaupt ein Bewusstsein für deren Existenz in der bundesdeutschen Öffentlichkeit geschaffen haben.
Ich merke da noch die Begeisterung aus L4 heraus :) . Natürlich kann Literatur Gutes bewirken und Einsichten vermitteln....
\
3.) Angenommen dem sei so, dann habe besteht also meine gewonnene Erkenntnis aus dem Literatur-Studium darin, dass ich weiß, dass in der Literatur die Wirklichkeit und kritische Reflexionen dieser zu finden sind. Dafür soll man also Lit. studieren?
Wenn ich etwas darüber wissen möchte - dann das ja.
Im übrigen ist es nochmal ein Unterschied, ob ich Literaturwissenschaft oder Literaturwissenschaft als Teildisziplin der Kulturwissenschaften studiere.
Um von heute aus zu verstehen, wie bspw. unsere Kultur strukturiert ist, muss ich verstehen wie sie gewachsen und entstanden ist.
Literatur stellt dabei ein ungeheueres Quellenpotenzial zur Verfügung.
Mmm, vielleicht lag mein Fehler einfach darin, dass ich das Wort "abbilden" zu wörtlich verstanden habe, in deinem Satz dass "Literatur die Wirklichkeit abbildet"?!
Natürlich hast du Recht, dass da ein Zusammenhang besteht zwischen Realität und Literatur der Zeit, was ist denn schon unabhängig von der Realität? Aber eigentlich ist Literatur doch nicht drauf angelegt, die Wirklichkeit zu beschreiben sondern ihr nur zu ähneln (Stichwort Wahrscheinlichkeit), das ist doch schon bei Aristoteles Poetik so. Wenn ich dann die Aussage höre, (die sicherlich auch irgendwo im Kursband steht), dass Literatur die Wirklichkeit gut abbilden kann, dann hört sich das für mich wie ein Widerspruch an! Literatur ahmt zwar die Wirklichkeit nur nach, <-> sie ist gut die Wirklichkeit abzubilden.
Aber gut, seit dem 18. Jahrhundert gibt es freilich keine Regelpoetiken mehr... mmm.... dann steht sie eigentlich auch nicht mehr im Widerspruch!
Aber bildet Literatur wirklich die Realität gut ab? Frägt sich besser als wer? - z.B. besser als der Film! Ja, möglich! In der Literatur, im Sinne von sprachlich Fixiertem, kommen Gedanken und Gefühle deutlicher, direkter zum Ausdruck als in anderen Medien.
4.) Meiner Meinung nach sollte ein Studium einem Einblicke in neue größere Zusammenhänge bringen. Wenn ich aber z.B. die anthropologischen Impulse für die Literatur des 18. Jahrhunderst kenne, dann erklären sich einem natürlich auch einige Dinge besser, man bedenkt, dass früher Wahnsinnige als von Dämonen besessen gesehen wurden, erst durch das neue Menschenbild diese zu psychisch Kranken wurden etc, dadurch verstehe ich vielleicht alte Literatur besser, gut, aber schöne neue Theorien lernt man da nicht, da scheint mir L5 oder L6 mehr zu bieten. \
Nein, es geht eben nicht (nur) darum die Literatur besser zu verstehen, sondern Gesellschaft, Individuum, Kultur oder Geschichte besser zu verstehen.
Was sind denn schöne neue Theorien? Kann man die verstehen, ohne die schönen alten zu kennen?
Mmm ok, ich glaub ich hab deine Argumentation inzwischen begriffen, ... hat bei mir ein wenig gedauert ;)
schöne Grüße __________________
[COLOR=Magenta]Angelika
(der Name ist auch Programm!:D)[/COLOR]
Danke für die ausführliche Erklärung deines Standpunkts! :) Ich finde solche quasi fachlichen Diskussionen sehr interessant!\
Ja, ist mal ne schöne Abwechslung zu den üblichen Befindlichkeitsthemen, die zugegebenermaßen einen gewissen Unterhaltungswert haben.
Mmmm,... wenn ich es aber richtig verstanden habe, dann gehört die Linguistik nicht zur Literaturwissenschaft, es sind natürlich verwandte Fächer, aber ist doch ein extra Fach, oder täusche ich mich da?\
Ich würde sagen, es kommt auf die Perspektive an, aus der heraus Du eine Kategorisierung vornimmst. Können wir uns auf "Disziplin" einigen?
Ja, ich stimme dir zu, man erfährt über die Literaturgeschichte viel über die Vergangenheit. Teilweise stört mich daran aber ein wenig, dass ich gerne mehr über die Gegenwart lernen würde, aber gut das sei mal egal.
LiteraturGESCHICHTE bezieht sich nunmal auf die Vergangenheit :D...tatsächlich befasst sich LiWi auch mit Gegenwartsliteratur.
Ich finde es halt spannend anhand der Li Ge. zu lernen, wie man bspw. auch mit zeitgenössischer Literatur umgehen kann.
Ja, ich stimme dir hier soweit zu, es gibt komplexere und weniger komplexe Literatur.\
Vielleicht sollten wir dem Begriff "komplex" etwas mehr Trennschärfe einhauchen:
Literarische Beschreibungen, die einen Teilausschnitt von Wirklichkeit oder Fiktion abbilden, können durchaus sehr komplex sein, da sie oftmals vor einem Hintergrund spielen, der bestimmte Gesellschaftsstrukturen -und deren unmittelbare Auswirkungen -durchschimmern lässt.
Bspw. spielt Zaimoglus Leyla vor dem Hintergrund eines enormen Wandlungsprozesses der Türkei.
Die Geschichte im Vordergrund: Leylas Kindheit, ihr Heranwachsen, die Migration...usw. Tatsächlich erfährt man aber auch viel über die türkische Kultur, das Selbstverständnis einer Gesellschaft, die Konflikte, die mit der Öffnung gegenüber der westlichen Kultur einhergehen.
Ja, die Historiker sagen aber auch nicht, dass sie die Vergangenheit "abbilden" können, sondern, dass sie sie "konstruieren".
Dieser Abbildungsprozess funktioniert ja auch nicht 1:1 und auch nicht unbedingt beabsichtigt, womit wir dann auch zum Punkt der Fiktionalität kommen. Glücklicherweise steht der Literaturwissenschaft hermeneutisches Instrumentarium zur Verfügung, um diese Dinge sichtbar und lesbar zu machen. Das ist ja das Spannende.
Ich merke da noch die Begeisterung aus L4 heraus :) . Natürlich kann Literatur Gutes bewirken und Einsichten vermitteln....
Jepp. Das funktionier aber auch umgekehrt. Wichtig ist nur, dass man sich dieses wechselseitige Verhältnis bewusst macht.
Mmm, vielleicht lag mein Fehler einfach darin, dass ich das Wort "abbilden" zu wörtlich verstanden habe, in deinem Satz dass "Literatur die Wirklichkeit abbildet"?!
Natürlich hast du Recht, dass da ein Zusammenhang besteht zwischen Realität und Literatur der Zeit, was ist denn schon unabhängig von der Realität? Aber eigentlich ist Literatur doch nicht drauf angelegt, die Wirklichkeit zu beschreiben sondern ihr nur zu ähneln (Stichwort Wahrscheinlichkeit), das ist doch schon bei Aristoteles Poetik so. Wenn ich dann die Aussage höre, (die sicherlich auch irgendwo im Kursband steht), dass Literatur die Wirklichkeit gut abbilden kann, dann hört sich das für mich wie ein Widerspruch an! Literatur ahmt zwar die Wirklichkeit nur nach, <-> sie ist gut die Wirklichkeit abzubilden. \
Ja, vielleicht. Wobei, wie bereits angedeutet, der Aspekt des Fiktionalen immer implizit ist.
Aber gut, seit dem 18. Jahrhundert gibt es freilich keine Regelpoetiken mehr... mmm.... dann steht sie eigentlich auch nicht mehr im Widerspruch!
Aber bildet Literatur wirklich die Realität gut ab? Frägt sich besser als wer? - z.B. besser als der Film! Ja, möglich! In der Literatur, im Sinne von sprachlich Fixiertem, kommen Gedanken und Gefühle deutlicher, direkter zum Ausdruck als in anderen Medien.
Es kommt darauf an, was man erwartet oder wissen will.Tatsächlich stellt die Literatur ansich ungeheuer viele Quellen zur Verfügung und selbst "schlechte" Bücher verraten viel über den Kontext, in dem sie geschrieben wurden.
Comments
Angelika B.
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View profileHallo Severin,
ich fühl mich nach einem faulen Schlemmersonntag zwar mehr wie eine Komilitonne...aber ansonsten schreibt man das so.
Ich habe die Module 1-4 abgeschlossen und hab ne ganze Menge gelernt.
Was möchtest Du denn diskutieren?
schöne Grüße
severin
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View profileModulentscheidungen
Hallo,
es ist nämlich so, ich habe Literatur nur als Nebenfach, und deswegen muss ich mich entscheiden, was ich von den schönen Lx-Modulen denn nun tatsächlich belege.
L3 hört sich für mich nicht schlecht an, aber es scheint mir da mehr darum zu gehen, dass man lernt Text aus einer bestimmten Zeit besser zu verstehen. L4 hingegen scheint mir auch theoretisch was im Lernangebot zu haben. L5 genauso. Bei L6 weiß ich nicht, da scheint es soviel Theorien zu geben, aber irgenwie weiß ich nicht....
Naja, würde mich über Reflexionen oder Gründe warum ihr euch wie entschieden habt und es bereut oder nicht bereut habt sehr freuen.
Gruß,
Severin
Angelika B.
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View profileseverin,
bis auf Modul L1 hat mich eignetlich alles begeistert.
Die Literaturwissenschaften innerhalb der KuWi in Hagen arbeiten unter der Prämisse, dass Literatur wie kaum ein anderes künstlerisches Medium gesellschaftliche Wirklichkeit abzubilden und zu reflektieren vermag. Wobei Literatur und gesellschaftliche Wirklichkeit immer auch in einem wechselseitigen Verhältnis zueinander stehen.
Dies wird vor allem dort sichtbar, wo man sich bspw. mit der Literatur der Aufklärung, der literarischen Anthropologie oder mit Migrationsliteratur befasst.
Dies waren für mich die wirklich spannensten Module, letzteres wohl auch, weil die Thematik unmittelbar in unsere Wirklichkeit hineinreicht und die Forschungslage noch absolut offen ist.
Hilft Dir das ein bisschen weiter?
schöne Grüße
severin
Contributions on this page: 4
View profileReflexion der Wirklichkeit über Literatur
Hallo Angelika,
Vielen Dank für deine vielen Antworten!
Hier will ich mal nachhaken! Solche Aussagen habe ich in den Kursunterlagen auch schonmal gelesen, aber ehrlichgesagt ich bin gern etwas kritischer und ich bin von der Aussage nicht wirklich überzeugt! Daher mal noch ein paar Nachfragen!
Literatur mag also angeblich die Wirklichkeit besonders gut abbilden und reflektieren?
1.) Ich denke mal eigentlich ist das Hauptinstrument zum Abbilden die Sprache. Die wird in der Literatur zwangsläufig verwendet.
2.) Literatur stilisiert die Wirklichkeit, sie abstrahiert, vereinfacht um irgendeine Aussage, einen Sinn zu gewinnen. Kann man sowas Abbilden nennen? Ich weiß nicht, die Wirklichkeit ist ja eigentlich viel komplexer.
3.) Angenommen dem sei so, dann habe besteht also meine gewonnene Erkenntnis aus dem Literatur-Studium darin, dass ich weiß, dass in der Literatur die Wirklichkeit und kritische Reflexionen dieser zu finden sind. Dafür soll man also Lit. studieren?
4.) Meiner Meinung nach sollte ein Studium einem Einblicke in neue größere Zusammenhänge bringen. Wenn ich aber z.B. die anthropologischen Impulse für die Literatur des 18. Jahrhunderst kenne, dann erklären sich einem natürlich auch einige Dinge besser, man bedenkt, dass früher Wahnsinnige als von Dämonen besessen gesehen wurden, erst durch das neue Menschenbild diese zu psychisch Kranken wurden etc, dadurch verstehe ich vielleicht alte Literatur besser, gut, aber schöne neue Theorien lernt man da nicht, da scheint mir L5 oder L6 mehr zu bieten.
Bin gespannt auf eure Kommentar :) !
Gruß,
Severin
vittoriacolonna
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View profileIch wüsste gar nicht, wer denn schon all diese letzten neuen Module studiert haben soll :D (L5 und L6).
Angelika B.
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View profileJa, und darzustellen, wie dies geschieht ist Aufgabe der Linguistik (und der Rhetorik, die wiederum Teildisplinen der Literaturwissenschaft sind.
Es geht aber über die Darstellung von Techniken noch hinaus; denk da an Sprachphilosophie oder eben auch an geschichtliche Kontexte: wann hat man sich wie warum ausgedrückt? Was verrät die Rhetorik des Nichtgesagten?
Das kann man so pauschal nicht sagen!
Es gibt ja durchaus ne Menge Literatur, die sehr realitätsnah und durchaus komplex erzählt.
Wenn ich bspw. etwas über das 18 Jahrhundert erfahren will, kann ich ein Geschichtsbuch aufschlagen. Da hat dann ein Historiker Sachverhalte ausgewählt, die seiner Meinung nach relevant sind, um den Zeitgeist zu beschreiben - das ist doch viel abstrakter und vereinfachter.
Mit literarischen Werken einer Epoche habe ich einen viel unmittelbareren Zugang zur jeweiligen Lebenswirklichkeit, weil diese Texte nicht dazu verfasst sind rückblickend den Zeitgeist einer Epoche zu beurteilen.
Faszinierend finde ich in dem Zusammenhang außerdem, wie sich Litertur wiederum auf gesellschaftliche Prozesse auswirkt.
Man denke da bspw. daran, wie die Literatur ausländischer Autoren im Laufe der Zeit überhaupt ein Bewusstsein für deren Existenz in der bundesdeutschen Öffentlichkeit geschaffen haben.
Wenn ich etwas darüber wissen möchte - dann das ja.
Im übrigen ist es nochmal ein Unterschied, ob ich Literaturwissenschaft oder Literaturwissenschaft als Teildisziplin der Kulturwissenschaften studiere.
Um von heute aus zu verstehen, wie bspw. unsere Kultur strukturiert ist, muss ich verstehen wie sie gewachsen und entstanden ist.
Literatur stellt dabei ein ungeheueres Quellenpotenzial zur Verfügung.
Nein, es geht eben nicht (nur) darum die Literatur besser zu verstehen, sondern Gesellschaft, Individuum, Kultur oder Geschichte besser zu verstehen.
Was sind denn schöne neue Theorien? Kann man die verstehen, ohne die schönen alten zu kennen?
Wir studieren Kulturwissenschaften. Über welche Teildisziplin Du Dir den Zugang zum Fach verschaffst ist Deine Sache.
schöne Grüße
severin
Contributions on this page: 4
View profileFragen
Hallo Angelika,
Danke für die ausführliche Erklärung deines Standpunkts! :) Ich finde solche quasi fachlichen Diskussionen sehr interessant!
Mmmm,... wenn ich es aber richtig verstanden habe, dann gehört die Linguistik nicht zur Literaturwissenschaft, es sind natürlich verwandte Fächer, aber ist doch ein extra Fach, oder täusche ich mich da?
Ja, ich stimme dir zu, man erfährt über die Literaturgeschichte viel über die Vergangenheit. Teilweise stört mich daran aber ein wenig, dass ich gerne mehr über die Gegenwart lernen würde, aber gut das sei mal egal.
Ja, ich stimme dir hier soweit zu, es gibt komplexere und weniger komplexe Literatur.
Ja, die Historiker sagen aber auch nicht, dass sie die Vergangenheit "abbilden" können, sondern, dass sie sie "konstruieren".
Ich merke da noch die Begeisterung aus L4 heraus :) . Natürlich kann Literatur Gutes bewirken und Einsichten vermitteln....
Mmm, vielleicht lag mein Fehler einfach darin, dass ich das Wort "abbilden" zu wörtlich verstanden habe, in deinem Satz dass "Literatur die Wirklichkeit abbildet"?!
Natürlich hast du Recht, dass da ein Zusammenhang besteht zwischen Realität und Literatur der Zeit, was ist denn schon unabhängig von der Realität? Aber eigentlich ist Literatur doch nicht drauf angelegt, die Wirklichkeit zu beschreiben sondern ihr nur zu ähneln (Stichwort Wahrscheinlichkeit), das ist doch schon bei Aristoteles Poetik so. Wenn ich dann die Aussage höre, (die sicherlich auch irgendwo im Kursband steht), dass Literatur die Wirklichkeit gut abbilden kann, dann hört sich das für mich wie ein Widerspruch an! Literatur ahmt zwar die Wirklichkeit nur nach, <-> sie ist gut die Wirklichkeit abzubilden.
Aber gut, seit dem 18. Jahrhundert gibt es freilich keine Regelpoetiken mehr... mmm.... dann steht sie eigentlich auch nicht mehr im Widerspruch!
Aber bildet Literatur wirklich die Realität gut ab? Frägt sich besser als wer? - z.B. besser als der Film! Ja, möglich! In der Literatur, im Sinne von sprachlich Fixiertem, kommen Gedanken und Gefühle deutlicher, direkter zum Ausdruck als in anderen Medien.
Nein, es geht eben nicht (nur) darum die Literatur besser zu verstehen, sondern Gesellschaft, Individuum, Kultur oder Geschichte besser zu verstehen.
Was sind denn schöne neue Theorien? Kann man die verstehen, ohne die schönen alten zu kennen?
Mmm ok, ich glaub ich hab deine Argumentation inzwischen begriffen, ... hat bei mir ein wenig gedauert ;)
schöne Grüße __________________
[COLOR=Magenta]Angelika
(der Name ist auch Programm!:D)[/COLOR]
Angelika B.
Contributions on this page: 4
View profileJa, ist mal ne schöne Abwechslung zu den üblichen Befindlichkeitsthemen, die zugegebenermaßen einen gewissen Unterhaltungswert haben.
Ich würde sagen, es kommt auf die Perspektive an, aus der heraus Du eine Kategorisierung vornimmst. Können wir uns auf "Disziplin" einigen?
LiteraturGESCHICHTE bezieht sich nunmal auf die Vergangenheit :D...tatsächlich befasst sich LiWi auch mit Gegenwartsliteratur.
Ich finde es halt spannend anhand der Li Ge. zu lernen, wie man bspw. auch mit zeitgenössischer Literatur umgehen kann.
Vielleicht sollten wir dem Begriff "komplex" etwas mehr Trennschärfe einhauchen:
Literarische Beschreibungen, die einen Teilausschnitt von Wirklichkeit oder Fiktion abbilden, können durchaus sehr komplex sein, da sie oftmals vor einem Hintergrund spielen, der bestimmte Gesellschaftsstrukturen -und deren unmittelbare Auswirkungen -durchschimmern lässt.
Bspw. spielt Zaimoglus Leyla vor dem Hintergrund eines enormen Wandlungsprozesses der Türkei.
Die Geschichte im Vordergrund: Leylas Kindheit, ihr Heranwachsen, die Migration...usw. Tatsächlich erfährt man aber auch viel über die türkische Kultur, das Selbstverständnis einer Gesellschaft, die Konflikte, die mit der Öffnung gegenüber der westlichen Kultur einhergehen.
Dieser Abbildungsprozess funktioniert ja auch nicht 1:1 und auch nicht unbedingt beabsichtigt, womit wir dann auch zum Punkt der Fiktionalität kommen. Glücklicherweise steht der Literaturwissenschaft hermeneutisches Instrumentarium zur Verfügung, um diese Dinge sichtbar und lesbar zu machen. Das ist ja das Spannende.
Jepp. Das funktionier aber auch umgekehrt. Wichtig ist nur, dass man sich dieses wechselseitige Verhältnis bewusst macht.
Ja, vielleicht. Wobei, wie bereits angedeutet, der Aspekt des Fiktionalen immer implizit ist.
Es kommt darauf an, was man erwartet oder wissen will.Tatsächlich stellt die Literatur ansich ungeheuer viele Quellen zur Verfügung und selbst "schlechte" Bücher verraten viel über den Kontext, in dem sie geschrieben wurden.
schöne Grüße __________________
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