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Olympiaproteste

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Das Semester ist noch jung...Zeit genug um die graue kulturwissenschaftliche Theorie durch ein paar praxisnahe Überlegungen zu bereichern:

es geht mal wieder um ein Thema (siehe Betreff) , zu dem ich keinen eindeutigen Standpunkt finde und das ich deswegen gern mit Euch diskutieren würde.
Für wie sinnvoll oder angemessen haltet Ihr die Proteste, wie sie in den vergangenen Tagen stattgefunden haben?
Weiß man überhaupt wofür oder wogegen man protestiert, wenn es um Tibet geht?
Seid Ihr der Meinung, dass es geschickt war China überhaupt den Zuschlag für die olympischen Spiele zu geben?
Was meint Ihr, wie sich die einzelnen Teilnehmerländer, bzw. deren Vertreter verhalten?

Angelika

Comments

Über die Angemessenheit von einzelnen Aktionen kann man immer streiten. Grundsätzlich finde ich es aber gut, dass die VR China mal nicht nur als Wirtschaftsfaktor zur Kenntnis genommen wird, sondern auch als eine Diktatur, die auf die Menschenrechte pfeifft.

Aber wahr ist auch: wenn nicht zufällig im Sommer die Spiele in Peking stattfinden würden, wäre Tibet in den Medien heute kaum noch Thema und übermorgen wär´s vergessen, weil dann wieder ein anderes Thema interessant ist.

Ich halte die Proteste für sehr gut. Und ich denke es ist gerade gut, das es bisher keinen (echten) Protest von offizieller Seite gab, da das dann wieder nur ein Protest für die Akten gewesen wäre. Deshalb finde ich es auch gut, aus politischer Sicht, das China den Zuschlag bekommen hat, denn dieses Szenario war abzusehen, und ich halte die Tibetischen Studenten für klug genug um das auch so "geplant" zu haben. Der Fackellauf wird immer wieder für Aufsehen sorgen, bis er nach 138.000 Kilometern in Peking angekommen sein wird. Die Chinesen wollen natürlich das größte und beste Olympia liefern, was es gab, und eventuell werden sie das sogar durch ihre Disziplin schaffen. Aber sie werden viel innerre Größe zeigen müssen, um besonnen auf die Proteste zu reagieren, und nach 130 Tagen wird selbst in einem Zensierten Land wie China die Botschaft angekommen sein.
Man sollte meiner Meinung nach auch nciht den Fehler machen und sich jetzt darüber streiten in wie weit die Tibetischen Proteste vieleicht zuweit gingen oder nicht. Fakt ist das China ein Politisches System fährt, das auf unterdrückung des einzelnen basiert, dazu kann man stehen wie man will, aber wenn China im Sandkasten des Westens mitspielen möchte, dann muss es damit rechnen, das es ein paar Förmchen abgeben muss.

Fazit für mich ist, das die Olympischen Spiele eine große Chance für das Chinesische Volk (damit meine ich alle die unter Chinesischer Herrschaft leben) darstellen. Ein Boykott wäre Kontraproduktiv, die Fackellaufprotestanten müssen ihren Teil beitragen, und die unpolitischen den ihren, so muss jeder seinen Platz in diesem Spiel einnehmen, damit am Ende was Sinnvolles dabei rauskommt. Es gab auch schon andere Länder in denen es zu den Spielen heftige Proteste gab, aber wir haben eine andere Zeit als Damals, was jetzt während des Fackellaufs und der Spiele passiert, landet sozusagen 1:1 ungefiltert in die Wohnzimmer der westlichen Welt. Das ist eine Tatsache die China erst noch lernen muss. Und das ist der ideale Zeitpunkt dafür.

Die meisten Olympischen Sommerspiele fanden in Städten nicht autoritär regierter Länder statt. Moskau '80 ist gar nicht und Seoul '88 vermutlich nur bedingt vergleichbar. Insofern kann man die kommenden Spiele als kulturwissenschaftliches Novum darin bezeichen, ob ein internationaler Prestigewettbewerb eine dauerhafte na, Werteinfusion bewirken kann.

Vermutlich wird der potentielle Einfluß westlicher Interessensgruppen, seien es NOKs, Regierungen oder NGOs auf China selbst weit überschätzt, da sie nur mittelbar und oberflächlich auf die innerchinesischen Gruppierungen einwirken können.

Mein wissenschaftlich distanziertes Ego ist jedenfalls gespannt, was passiert.

ThalamusGrondak wrote:

was jetzt während des Fackellaufs und der Spiele passiert, landet sozusagen 1:1 ungefiltert in die Wohnzimmer der westlichen Welt. Das ist eine Tatsache die China erst noch lernen muss. Und das ist der ideale Zeitpunkt dafür.


Dazu gibt es aber schon die ersten Vermutungen, dass jegliche Übertragung um einige Minuten zeitversetzt gesendet wird, damit die Chinesen sozusagen Zeit haben, alles durch ihre Zensur laufen zu lassen ... Sehr bedenklich!

Leider haben die SportlerInnen während der Spiele keine Chance, ihre Meinung kundzutun, da die Olympia-Regeln jegliche Protestaktionen (und seien es auch nur Armbinden o.ä.) untersagen!

Tibet ist schon sooooo lange Thema - und ich glaube nicht, dass die Diskussion um die Misere in der Versenkung verschwindet - Olympia hin oder her - da sorgt schon der Dalai Lama dafür, indem er weltweit auf die Zustände aufmerksam macht (zum Glück).

Gruß
Sandra

vittoriacolonna wrote:


Leider haben die SportlerInnen während der Spiele keine Chance, ihre Meinung kundzutun, da die Olympia-Regeln jegliche Protestaktionen (und seien es auch nur Armbinden o.ä.) untersagen! \

Also ein Chance haben sie schon, es kommt halt drauf an, wie wichtig ihnen ihre weitere Teilnahme ist. Siehe Mexico (1968 oder so??).

Insofern kann man die kommenden Spiele als kulturwissenschaftliches Novum darin bezeichen, ob ein internationaler Prestigewettbewerb eine dauerhafte na, Werteinfusion bewirken kann.

Nicht ganz, Mexico war damals ganz ähnlich gelagert. Kurz vorher wurden Studentenproteste Blutig niedergeschlagen. ich denke wirklich, das die Verfügbarkeit der Medien den Entscheidenden Unterschied zu damals machen.

Was die Sendungsverzögerung angeht, die wird es sicherlich geben, aber die Welt ist zu schnell geworden, die Zuschauer haben Handys dabei die Heute so gute Bilder liefern, wie 1960 die Fernsehkameras. Und mit dem längsten Fackellauf der Geschichte haben die Chinesen sich den Langstrecken-Beliebtheitscontest sozusagen Frei-Haus geholt.

Die Anahme, dass Zensur ein Phänomen ist, welches totalitären Regimen vorbehalten ist, erscheint mir etwas naiv. Die gibt es mittelbar und auch unmittelbar in der sogenannten freien westlichen Welt genauso.
Meine Freundin lebte einige Jahre in den USA und ich war wirklich oft vom Donner gerührt, als ich mitbekam, wie dort bspw. die Berichterstattung rund um die Irakkrise zensiert wurde.

Ehrlich gesagt, kann ich mir nicht wirklich vorstellen, dass die Proteste wirklich etwas bewirken und dennoch ist es gut, dass sie stattfinden.
Wünschenswert wäre, wenn den Protesten dann auch konkrete Handlungen folgen würden. Aber vermutlich wird niemand mehr als sonst überlegen, ob er chinesische Produkte kaufen wird oder nicht, weil es ja so schön billig ist.

Mir erscheint das ganze Geschehen aber in zunehmendem Maße absurd: vielleicht seh ich die olympische Idee ja auch - na sagen wir mal - romantisch verklärt....ich stelle mir eine Grundidee, die auf Fairness basiert vor...und das soll ausgerechnet in China stattfinden?!
Und alles, was passiert ist, wird bei den Veranstaltungen mitschwingen.

Neben den Menschenrechtsverletzungen und der Tibetproblematik die ja ohnehin seit längerem bekannt sind, werden dort im Rahmen der Vorbereitungen für die Spiele Menschen zwangsumgesiedelt (da hab ich übrigens noch niemanden für auf die Strasse gehen sehen) damit wir uns dann zuhause vor der Glotze an den Spielen erfreuen können, schwer beeindruckt über die Größe der Ausrichtung...

Naja und ein Boykott, wem würde das nützen? Schaden würde es den kleinen Leuten, die sich davon zu ernähren gedenken.
Dennoch denke ich, dass es gescheit wäre, den Boykott als Möglichkeit in der Hinterhand zu halten, damit sich vielleicht aus wirtschaftlichen Gründen etwas bewegt.

Angelika

Natürlcih gibt es auch in vermeintlich freien Gesellschaften Zensur. Es ist aber schon ein Unterschied, ob man die reelle Chance und Möglichkeit hat sich gegen diese Zensur zu wehren oder sie zu umgehen oder ob man ihr ausgeliefert ist.

Zwangsumsiedlungen gab es aber wohl bei sehr vielen Olympischen Spielen, und die gibt es auch hier, für Flughafen, Einkaufzentren und Autobahnen.

Halt überall da, wo das Gemeinwohl über dem wohl des Individuums gestellt wird. (Ein Schelm, wer darin einen Kommunistischen Wesenszug erkennt).

ThalamusGrondak wrote:



Halt überall da, wo das Gemeinwohl über dem wohl des Individuums gestellt wird. (Ein Schelm, wer darin einen Kommunistischen Wesenszug erkennt).


absolut. Wobei es wohl nichts schwammigeres als die Phrase vom "Gemeinwohl" gibt :rolleyes

[QUOTE="ThalamusGrondak, post: 527328"][QUOTE]Natürlcih gibt es auch in vermeintlich freien Gesellschaften Zensur. Es ist aber schon ein Unterschied, ob man die reelle Chance und Möglichkeit hat sich gegen diese Zensur zu wehren oder sie zu umgehen oder ob man ihr ausgeliefert ist.[/QUOTE]

Ich bin mir nicht so sicher, ob wir das hier immer so können....zum Einen, da ich nicht glaube, dass wir hier wirklich alles erfahren und zum anderen gibt es auch ne Menge Leute, die intellektuell nicht im Stande sind Solches zu erkennen und zu reflektieren. Die halten jede "Wahrheit" aus der BZ oder RTL-News für die Einzige..:o
Herr Kant würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüßte, was aus der hochgelobten 4.Gewalt so geworden ist.

[QUOTE] Zwangsumsiedlungen gab es aber wohl bei sehr vielen Olympischen Spielen, und die gibt es auch hier, für Flughafen, Einkaufzentren und Autobahnen.[/QUOTE]

klar gibts die, aber meistens verbunden mit Abfindungen und Entschädigungszahlungen, was, wenn man Amnesty International glauben darf, in China sicher nicht der Fall ist....

Agent Cooper wrote:

Die meisten Olympischen Sommerspiele fanden in Städten nicht autoritär regierter Länder statt. Moskau '80 ist gar nicht und Seoul '88 vermutlich nur bedingt vergleichbar. Insofern kann man die kommenden Spiele als kulturwissenschaftliches Novum darin bezeichen, ob ein internationaler Prestigewettbewerb eine dauerhafte na, Werteinfusion bewirken kann.

Vermutlich wird der potentielle Einfluß westlicher Interessensgruppen, seien es NOKs, Regierungen oder NGOs auf China selbst weit überschätzt, da sie nur mittelbar und oberflächlich auf die innerchinesischen Gruppierungen einwirken können.

Mein wissenschaftlich distanziertes Ego ist jedenfalls gespannt, was passiert.

Ja und bemerkenswert ist auch, dass man in Bezug auf Moskau nicht so ziemperlich war mit Boykott - und dessen Androhung...aber da hing damals ja auch noch kein wirtschaftliches Interesse dran. Das sähe heute sicher anders aus.

Angelika B. wrote:


Herr Kant würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüßte, was aus der hochgelobten 4.Gewalt so geworden ist.\

Nun, ich wage ja zu bezweifeln, dass das zu Kants Zeiten anders aussah, eher noch schlimmer. Ich glaube da leiden wir heutzutage unter Schneeblindheit.

Hmm, naja, die Medienschelte finde ich jetzt etwas billig. Die RTL News sind sicher gut gemacht für die Zielgruppe. Was wäre die Alternative? Die tagesschau für alle? Untersuchungen zeigen, dass sich tagesschau-Zuschauer zwar gut informiert fühlen, es aber nicht sind: die können nämlich die Inhalte der Sendungen schon kurz nach der Ausstrahlung nicht mehr rekapitulieren.

Die Medien können sich nun mal kein Publikum selber backen. Offenbar gibt es nicht genug Leute, die sich für ein Thema wie China/Tibet interessieren – sonst würde hart aber fair heute Abend nicht über den Castingwahn diskutieren (mit Daniel Küblböck im Panel)...

Ist das zu kritisieren? Ich denke nicht. Denn wer soll sich anmaßen zu beurteilen, ob es wichtiger ist, alles über China zu wissen – oder alles über einen gesellschaftlichen Trend (nämlich den Wunsch, über eine Castingshow berühmt zu werden)?

Wer alles über China wissen will, muss nur das Internet konsultieren – da steht Einiges... Ansonsten finde ich es schwierig, den Leuten vorschreiben zu wollen, worüber sie Bescheid wissen müssen.

Angelika B. wrote:


Neben den Menschenrechtsverletzungen und der Tibetproblematik die ja ohnehin seit längerem bekannt sind, werden dort im Rahmen der Vorbereitungen für die Spiele Menschen zwangsumgesiedelt (da hab ich übrigens noch niemanden für auf die Strasse gehen sehen) damit wir uns dann zuhause vor der Glotze an den Spielen erfreuen können, schwer beeindruckt über die Größe der Ausrichtung...\

Naja, weil die chinesischen Zwangsumgesiedelten eben nicht so niedliche schwarze Knopfaugen und kein so schönes weißes Fell haben wie der Dalai Lama...

Der kommt übrigens jetzt in den Nürberger Zoo! Haben sie heute in der Tagesschau gesagt...

Etwas ernsthafter: Ich stimme mit krid überein, dass Zensur und ungenütztes Bildungspotential zweierlei sind. Dass auch in freiheitlichen Gesellschaften Macht und Geld helfen, die gewünschete Seite der Wahrheit zur Geltung zu bringen, ist richtig, aber wohl auch Teil der zuvor erwähnten Freiheit. Und dass eine Nerd-o-kratie eine Tyrannei der Besserwisser ist, hat eine legendäre Simpson-Episode bewiesen.

Und warum sollten die Olympiade in China so fehl am Platz sein? Dass dort ein übles autokratisches System regiert ist ein Gemeinplatz - dass dort 1,3 Millarden Menschen leben ein anderer. Ob der durchschnittliche Chinese von den Spielen profitiert ist ein komplexes Thema, aber dieses Land als von vornherein als dessen unwürdig zu betrachten, hielte ich für falsch.

Und Thalamus... das mit den Spielen in Mexiko hört sich sehr interessant an. Ich werde mal gucken, was es darüber zu lesen gibt.

Moment mal Jungens...
mir geht es weniger um Medienschelte, als um den Umgang mit Informationen auf beiden Seiten.
Mir geht es um die Autorität, die Nachrichten - ob gedruckt oder über Fernsehsender - haben und was sie anrichten (wie zum Beispiel, dass wir alle jetzt China doof finden :rolleyes:)
Mir ging es auch darum herauszustellen, dass wenn wir uns großzügig über Zensurmaßnahmen beschweren- es vermessen erscheint so selbstverständlich davon auszugehen, dass hier alles rund läuft, was das anbetrifft...auch, wenn das natürlich nicht vergleichbar - und schon garnicht gleichzusetzen ist...
Tatsache ist, dass man hier natürlich Möglichkeiten hat, sich in alle Richtungen zu informieren, das machen allerdings nur die wenigsten.

Und ich finde es durchaus richtig danach zu fragen, warum ausgerechnet China als Austragungsort gewählt wurde (Vielleicht hätte ich das Ausrufungszeichen hinter dem Fragezeichen weglassen sollen)... war diese Entwicklung in Bezug auf die Proteste nicht zu erwarten? Worum geht oder ging es bei dieser Entscheidung?

schöne Grüße
Angelika
(die ihre Überlegungen überhaupt nicht billig findet:D und die einfach mal in alle Richtungen überlegt)

Was die Medien angeht ist es aber zumindest so, oder zumindest bin ich mir sehr sicher, das es da nie "bessere" Zeiten gegeben hat. Der einfache Bürger ist nunml leicht zu beeinflußen, das war schon immer so, und wird auch immer so sein. Die Welt wurde schon immer durch Minderheiten geändert, nie durch Mehrheiten. Die Massen wurden meist nur von den Minderheiten "benutzt". Zum Guten oder Schlechten.

Die Zensurproblematik im Westen ist natürlich auch Disskussionswürdig, nur führt es zu Grenzenlosem Relativismus, wenn man bei einer Chinadiskussion das Argument bringt, das bei uns ja auch nicht alles Rosig ist.

Warum wurde China als Austragungsort gewählt?
Bei der Auswahl der Austragungsstandorte geht es meiner Meinung nach tatsächlich mal einfach um Fairness und Ausgeglichenheit. Wenn mana sich die Austragungsorte der Vergangenheit ansieht, sehe ich da zumindest keine Politischen zusammenhänge. Das dann am Ende ein Politikum draus wird ist mit der Medialen Tragweite der Spiele zu erklären.
Was die Auswahl angeht, finde ich sie eben garnicht so Falsch. China wurde ausgewählt,weil sie schlicht und einfach dran waren.

[URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Summer_olympics_all_cities.PNG"]Bild:Summer olympics all cities.PNG – Wikipedia[/URL]

Ich tippe übrigens darauf, das in Zukunft jede 2. Olympiade in einem nicht-westlichen Land stattfinden wird. Wenn man sich die Karte oben anguckt müsste 2016 Rio De Janeiro dran sein. Ansonsten sind westliche Städte wie Madrid oder eben Arabische Städte in der Bewerberliste.
Da der Westen noch immer viel zu Große Angst vor dem Islam hat, kann ich mir nicht vorstellen, das für 2016 ein Islamisches Land gewählt wird.
[SARK]Da sind die Kommunisten einem schon lieber, die bringen wenigstens nur ihre eigenen Leute um.[/SARK]

Angelika B. wrote:


Mir geht es um die Autorität, die Nachrichten - ob gedruckt oder über Fernsehsender - haben und was sie anrichten (wie zum Beispiel, dass wir alle jetzt China doof finden :rolleyes:)
Mir ging es auch darum herauszustellen, dass wenn wir uns großzügig über Zensurmaßnahmen beschweren- es vermessen erscheint so selbstverständlich davon auszugehen, dass hier alles rund läuft, was das anbetrifft...auch, wenn das natürlich nicht vergleichbar - und schon garnicht gleichzusetzen ist...

In Deutschland findet Zensur nicht statt – das steht im GG, sogar ziemlich weit vorne. Was Du (vielleicht) meinst, ist eine eine Art Herdentrieb: also, dass jetzt alle schreiben, dass China doof ist, weil dies eine politisch korrekte Meinung ist, die man zu haben hat.

Es mag sein, dass es sowas gibt. Andererseits schreibt die deutsche Journalistenschar seit Jahren gegen die Volksmeinung an, wenn es um Wirtschaftsreformen geht (da sind die meisten Journalisten eher liberal, die Deutschen haben's aber in der Mehrzahl lieber sozialdemokratisch kuschelig).

In den USA, wo alles ja stets konsequent bis auf die Spitze getrieben wird, ist dies vielleicht noch anders. Da hat es nach Nine-Eleven eine Stimmung gegeben, die Kritik am eigenen Handeln unterbunden hat – da ist selbst die New York Times unter die Räder gekommen. Da waren kritische Gedanken sogleich Landesverrat. Wir müssen aber konstatieren, dass eine solche Denke auch in Europa lange Zeit ziemlich verbreitet war. Da war der Kaiser eben der Kaiser und der Franzose war der Erbfeind. :D

Angelika B. wrote:


Tatsache ist, dass man hier natürlich Möglichkeiten hat, sich in alle Richtungen zu informieren, das machen allerdings nur die wenigsten.

Mir ist nicht bekannt, dass jemand ernsthaft behaupten würde, China sei ein Land, in dem es keine Menschenrechtsverletzungen gäbe... (außer China vielleicht). Insofern sind abweichende Meinungen in diesem Falle vielleicht auch nicht erwartbar.

Angelika B. wrote:


Und ich finde es durchaus richtig danach zu fragen, warum ausgerechnet China als Austragungsort gewählt wurde (Vielleicht hätte ich das Ausrufungszeichen hinter dem Fragezeichen weglassen sollen)... war diese Entwicklung in Bezug auf die Proteste nicht zu erwarten? Worum geht oder ging es bei dieser Entscheidung?

Das müsste man dann wohl die Herrschaften Samaranch & Co. fragen. Vielleicht hat China ja die schönsten Bestechungsgeschenke gehabt? Wer weiß das schon. Ich glaube nicht, dass die Entscheidung einem transparenten (gar demokratischen) Prozess entspringt. Da sind wirtschaftliche (Eigen-)Interessen der Länder und Delegierten im Spiel. Warum muss eine doofe Stadt wie Atlanta die Spiele zum 100-jährigen Jubiläum bekommen? Ob das was mit der wirtschaftlichen Macht von ortansässigen Brausefabrikaten zu tun hatte? Man weiß so wenig.... :rolleyes:

Es wurde ja schon darauf hingewiesen, dass sich Regime gerne mit Olympischen Spielen schmücken (nicht zuletzt auch das Dritte Reich) – offenbar erhofft man sich davon Imagegewinne.

Die Chinesen haben das Risiko der Proteste wahrscheinlich einfach unterschätzt. Die Machthaber bestehen ja offenbar auf dem Fackellauf, obwohl es wohl kaum eine schlechtere Werbung geben dürfte, als die Veranstaltung in San Francisco gestern: die Fackel, umringt vn schwer bewaffneten Sicherheitskräften in schwarzen Kampfanzügen – was für eine Botschaft für Frieden und Völkerverständigung... :fiesgrins

Also erstmal halte ich es für geschickt, die Mediendiskussion hier zu beenden...nicht etwa, weil sie zu grenzemlosen Relativismus führte ( was immer auch damit gemeint ist), sondern, weil dieses Feld zu weit ist, um das mal so nebenbei abzuwickeln. Ich hätte aber durchaus Spaß an der Fortführung in einem eigenen Thread.
Die Zensur an sich I.S.v. Meinungsäußerung durch die Athleten, könnte man allerdings hier nochmal aufgreifen.

Mir ist nicht bekannt, dass jemand ernsthaft behaupten würde, China sei ein Land, in dem es keine Menschenrechtsverletzungen gäbe... (außer China vielleicht). Insofern sind abweichende Meinungen in diesem Falle vielleicht auch nicht erwartbar.\

Das sicher nicht . Was mir ein wenig sauer aufstößt, ist, dass alle so überrascht und empört erscheinen, so als hätte es Menschenrechtsverletzungen, Tibetproblematik, Zensur usw. vorher nicht gegeben.
Das betrifft mich selbst mitunter auch.

Ich habe den Eindruck, dass sich da etwas verselbständigt und schließlich an der eigentlichen Sache vorbei geht oder sich sogar gegen sie richtet...was durch solche Szenarien, wie Du sie beschreibst deutlich wird.

Angelika B. wrote:

Also erstmal halte ich es für geschickt, die
Das sicher nicht . Was mir ein wenig sauer aufstößt, ist, dass alle so überrascht und empört erscheinen, so als hätte es Menschenrechtsverletzungen, Tibetproblematik, Zensur usw. vorher nicht gegeben.\

Ist das so? Ich denke das es das normalste der Welt ist, das man einen passenden Kontext und einen Stein des Anstosses braucht, um eine Problematik in den Fokus zu rücken. Anderenfalls, müssten wir "aufgeklärten Freiheitsmenschen" ganz starr vor Entsetzen sein, was auf der ganzen Welt tagtäglich passiert.