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Südseekönig statt Negerkönig

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Hallo ihr lieben, habe heute einen interessanten Radiobeitrag gehört. Das wäre doch mal eine nette Diskussionsrunde, die ich hiermit eröffnen will:
[URL="https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/03/04/drk_20110304_1153_1015a272.mp3"][/URL]

**

[URL="https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/03/04/drk_20110304_1153_1015a272.mp3"]8. Südseekönig statt Negerkönig - Wie aus Pippi Langstrumpf eine Rassistin wird[/URL]

	Sendezeit: 04.03.2011 11:53\
	Autor: Hübert, Henning\
	Programm: Deutschlandradio Kultur\
	Sendung: **Radiofeuilleton**\
	Länge: 05:52 Minuten




	**03.03.2011 · 19:15 Uhr**

	  		\[URL="https://www.dradio.de/dlf/sendungen/dlfmagazin/1403418/bilder/image\_main/"\]\[IMG\]https://www.dradio.de/images/16370/landscape/133,0/\[/IMG\]\[/URL\] 		Inger Nilsson  als Pippi Langstrumpf (Bild: AP Archiv)  		\
	   			**\[URL="https://www.dradio.de/aod/?station=1\&broadcast=213902\&datum=20110303\&playtime=1299178368\&fileid=bd2f036f\&sendung=213902\&beitrag=1403418\&"\]Südseekönig statt Negerkönig\[/URL\]**

		**Wie aus Pippi Langstrumpf eine Rassistin wird**

		 			**Von Henning Hübert**

		**Astrid Lindgrens Kinderbuchheldin Pippi Langstumpf ist ein  Mädchen, das mit seiner gesellschaftlich vorgegebenen Rolle bricht,  eine frühe Kämpferin für Frauenrechte quasi. Ob sie außerdem eine  Rassistin sei, darüber streiten sich Leser in der Bonner  Zentralbibliothek, wo immer noch die Ausgabe von "Pippi in  Taka-Tuka-Land" steht, in der die Worte "Negerkönig" und  "Negerprinzessin" vorkommen.\**




In der Eingangshalle der Bonner Zentralbibliothek durften Kinder die Wände und Säulen bunt bemalen. Ihr eindeutiges Lieblingsmotiv: Das freche, rothaarige Mädchen mit den verschiedenfarbigen Strümpfen. In der Bibliothek gibt es an die einhundert Astrid-Lindgren-Titel auszuleihen. Pippi Langstrumpf als Buch, CD oder Kassette.

"Annika: Wohnst du hier denn ganz allein? Pippi: Aber nein, Herr Nilson, das Pferd wohnen doch auch hier. - Ja, aber ich meine: Hast du keine Mutter, keinen Vater? - Nein, gar nicht. Meine Mutter ist schon lange tot. Mein Vater ist ein Negerkönig. Eines Tages kommt er und holt mich. Dann werde ich eine Negerprinzessin. Heihopp, was wird das für ein Leben!"

Solche Passagen, in den 1940er-Jahren aus dem Schwedischen ins Deutsche übersetzt, sorgen für die Aufregung. Der aus dem Kongo stammende Journalist und Dolmetscher Kaisa Ilunga ist gewähltes Mitglied des Integrationsrats der Stadt Bonn. Er fordert, die Pippi-Langstrumpf-Bücher wegen rassistischer Aussagen aus den öffentlichen Bibliotheken auszusortieren. Der Integrationsrat vertritt die Interessen der Migranten gegenüber der Stadt.

"Man denkt, dass es nur um Worte wie Neger oder König der Neger [geht], ne, ne. Es geht um eine ganze Hierarchiebotschaft. Wo Schwarzafrikaner, wenn man die irgendwie analysiert als Menschen, sich ganz unten befindet."

Gerade Bonn, das sich als internationale Stadt sehe, müsse mit gutem Beispiel vorangehen und Literatur mit rassistischen Elementen aus den Regalen nehmen.

"Durch diese Bücher lernen doch Kinder. Und diese Bücher können nicht, überhaupt nicht, als didaktisches Material benutzt werden. Welches Ziel hat das? Um denjenigen zu diskriminieren, der neben dir sitzt?"

Pippi Langstrumpf aussortieren? Kommt nicht infrage, sagt die Leiterin der Bonner Stadtbibliothek Gabriele Bellof:

"Das werden wir nicht tun, zumindest, was diesen Titel angeht. Und darüber war in der Diskussion im Integrationsrat auch die große Mehrheitsmeinung so, dass das zum Kanon der Weltkinderliteratur gehört und das natürlich diese Bände von der Astrid Lindgren eben auch sehr viele Qualitäten haben, die sich in diesem Vorwurf nicht widerspiegeln. Und deshalb bleibt das im Bestand."

Allerdings: Die Stadt Bonn will Zug um Zug die alten Pippi-Langstrumpf-Bücher durch eine Neuauflage ersetzen. In der wird zum Beispiel aus dem Schwedischen Negerkönig mit Südseekönig übersetzt. In einem Kinderbuchladen reagieren Kundinnen auch mit Kopfschütteln. Bei ihnen trifft der Rassismus-Vorwurf auf bloßes Unverständnis:

"Die Bücher sind einfach fantastisch. Und dass vor vielen Jahren diese Sensibilität noch nicht gegeben war, finde ich okay. Für mich ist das auch nicht gut, klar. Aber ich würde da jetzt nicht so ein riesen Bohei drum machen. Das ist es alles nicht wert."

Der Historiker und Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismus-Forschung, Wolfgang Benz, ist anderer Meinung. Er sagt, die Rolle der Kinder- und Jugendliteratur könne man gar nicht ernst genug nehmen, wenn es um die Prägung von Vorurteilen geht. Das Problem sei aktuell, denn die teils über 60 Jahre alten Bücher würden auch heute noch häufig rezipiert. Das Problem: Für ihn sind Pippi-Langstrumpf-Texte mit Ressentiments befrachtet und teils kolonialrassistisch. Ein berühmtes Beispiel aus dem Hörspiel:

Pippi: Wie kannst du überhaupt verlangen, dass ein kleines Kind mit einem Engel als Mutter und einem Negerkönig als Vater immer die Wahrheit sagen soll? Übrigens will ich euch verraten, dass es in Nicaragua keinen einzigen Menschen gibt, der die Wahrheit sagt. Sie lügen den ganzen Tag.

So etwas könnte Schaden bei jungen Lesern anrichten, befürchtet Wolfgang Benz, der zumindest kritische Vorleser einfordert:

"Keineswegs geht es jetzt nur um Pippi Langstrumpf. Sondern es geht um Vorurteile in der Kinder- und Jugendliteratur. So auch der Titel unseres Buches. Und wenn das nicht bearbeitet wird. Wenn also da niemand erklärend dem Kind zur Seite tritt, dann erlernt man das ein für alle Mal. Das schönste Beispiel: der damalige Bundesinnenminister Schäuble bei der Eröffnung der Islamkonferenz: Sein Bild des Orientalen, sagte er freimütig, sei durch Karl May geprägt worden."

Ein mögliches Problem dabei: Eigentlich ist Pippi Langstrumpf für Erstleser ab acht Jahren gedacht, die die Bücher still für sich lesen. Eine Kundin im Bonner Kinderbuchladen liest ihrem Sohn gerade "Pippi in Taka-Tuka-Land" vor. Sie hat entschieden: Ihr Vierjähriger sei alt genug für eines der Lieblingsbücher aus der Kindheit der Mutter. Allerdings: Eins zu eins kommen ihr die Lindgren-Texte nicht über die Lippen:

"Teilweise ändere ich die Handlung ab. Das mache ich aber generell, weil ich feststelle: Das ist ja so gerade grenzwertig mit vier. Da ist noch eine Reihe von Wörtern, die ich dann auch ändere. Zum Beispiel das Wort - ich bin jetzt noch nicht bei der Geschichte Taka-Tuka-Land - da war gestern erst der Brief vom Vater gekommen. Das würde ich - also ich wusste jetzt gar nicht, dass da Neger vorkommt - würde ich ändern. Beim Vorlesen, schon vorweg."

Statt an alten Texten rum zu doktern, geht die Bonner Bibliotheksleitung einen Schritt weiter. Sie erarbeitet gemeinsam mit dem Verband binationaler Ehen und Partnerschaften eine Positivliste. Darauf stehen Kinder- und Jugendbücher, in denen besonders auf Geschlechterneutralität und eine wertschätzende Darstellung anderer Kulturen geachtet wird. Diese Bücher werden in der Bibliothek dann neben die Kinderbuch-Klassiker gestellt, die aus heutiger Sicht zwar politisch nicht korrekt sein mögen. Die aber dennoch zum kulturellen Erbe gehören. Welche Ausgabe sie wählen - entscheiden dann die Eltern.

Comments

Diskussion? OK.

Also, ich persönlich halte nicht viel vom Aussortieren alter Bücher. Ich bin sehr wohl der Meinung, bei Neuauflagen entsprechende Änderungen vorzunehmen. In meiner 1980er Ausgabe steht auch noch Negerkönig. Ich lese dann eben den Kindern Südseekönig vor. Ist nun so schwer auch nicht.
Was den Vorbildcharakter von Kinderbüchern im Allgmeinen angeht (wurde ja aufgrund von Hierarchiedenken hier angesprochen) kann ich nur sagen, dass etliche Bücher - wenn man es so betrachtet - Schund sind.
Mama ist immer zu Haus, Berufe haben die coolen Männer, Abenteuer erleben v.a. Jungs, Mädchen werden gerettet oder haben eine Begleiterrolle....

Ich persönlich bin, was Negerkönig, Negerkuss etc angeht, relativ sensibilisiert und verwende diese Wörter nicht, und das obwohl ich mit diesen Wörtern aufgewachsen bin. Meine Kinder werden sicher genau so später zwischen Spiel/Fantasie und Realität unterscheiden können (immerhin strebe ich auch kein Barbieleben an, obwohl ich diese Puppen innig gelibet und bespielt habe als Kind, und da hatten sie noch die "vorn über fallen" Proportionen...)

Man kann alte Bücher auch wunderbar dazu nutzen, um solche Dinge mit Kindern anzusprechen und zu zeigen, was früher war. Ist ja auch eine Form von Bildung.
Ich zB mag Luther auch gerne, halte von seinen Vorstellungen, was den jüdischen Glauben angeht aber gar nix. So, und nu darf ich ihn nicht mehr mögen? Quatsch.

Ich finde - aber da wiederhole ich mich - eine Auseinandersetzung mit Sprache immer wichtig, was ist heute, wie war es damals (wann auch immer damals war) und warum unterscheidet sich das jetzt (zB auch, wieso wurde Oma noch verhauen und heute ist Kinder hauen verboten...). Verbieten, wegschließen, ersetzen, tabuisieren ist doch blödsinn.
Nicht das buch ist gefährlich, nicht das Wort, dass 1950 geschrieben wurde, macht Menschen zu Rassisten. Allein der unreflektierte Umgang und das nicht Aufklären von Kindern ist gefährlich und verhindert ein gesundes und offenes Weltbild.

ich hatte doch da was gelesen dazu?!?!?

... gefunden: [url=https://dlvr.it/HRVJ9]Rassismus in Kinderbüchern: Igel bratende Zigeuner - taz.de[/url]

Benz fordert also den oder die kritische VorleserIn, die in der Lektüre innehält und mit den Kindern über das Gehörte spricht, wenn Pippi über die lügenden Kongolesen urteilt. Aber hätten das die meisten Eltern, die heute noch Vorlesen, nicht ohnehin getan? Auch plädiert Benz für eine engere Zusammenarbeit zwischen Autoren und Historikern. "Kinder und Jugendliche haben Anspruch auf historisch wahrhaftige Literatur", sagt er.

Ich persönlich muss sowieso immer aufpassen, dass meine Kinder vor lauter Kommentaren meinerseits nicht den Faden der Geschichten verlieren :eek

Pippi Langstrumpf war eines meiner Lieblingsbücher.Ich habe auch keinen Astrid Lindgren Film verpasst. Als meine Kinder alt genug waren habe ich es genossen alle Bücher noch einmal (vor)lesen zu dürfen. Alle meine Bücher habe ich als Kind alleine in meinem Zimmer gelesen, ohne Elternkommentar. Für mich war ein Neger ein schwarzer Mensch und ein schwarzer Mensch hatte dunkle Haut und wurde Neger genannt.

Von alleine wäre ich nicht darauf gekommen, dass das Wort "Neger" negativ behaftet ist. Das habe ich erst sehr viel später gelernt und auch verstanden und tolleriert. Als Kind hätte mich das nicht die Bohne interessiert. Ich hatte auch eine Negerpuppe. Übrigens eine meiner Lieblingspuppen.
Meinen Enkelkindern (soweit ich hoffentlich welche bekomme) würde ich die Bücher wieder 1 zu 1 vorlesen.
Soweit ich mich noch erinnern kann, habe ich die Geschichte schon als Kind nicht ernst genommen. Welches Mädchen kann schon Pferde tragen? Und wenn es ein Pferd tragen kann, warum soll es dann keine Negerprinzessin werden? Wir trauen den Kindern viel zu wenig zu.

papagorilla wrote:

ich hatte doch da was gelesen dazu?!?!?

... gefunden: [URL="https://dlvr.it/HRVJ9"]Rassismus in Kinderbüchern: Igel bratende Zigeuner - taz.de[/URL]

Danke für den Hinweis.

Übrigens ist das durchaus eine Thema für HAs in AEG oder Lit.

Ich habe noch etwas dazu:

[COLOR=darkslateblue]Der sonderbarste Fall symbolischer Innenpolitik ist die Sprachpolitik. Es wird verboten, von Zigeunern zu reden; aber die Sinti und Roma, als die man sie künftig ansprechen soll, werden genauso behandelt, wie man Zigeuner seit Jahrhunderten behandelt. Der Lehrling wird in Auszubildender umgetauft, aber der Respekt, den die neue Anrede bringen soll, muss sich keineswegs am Arbeitsplatz niederschlagen. Die Schokoladenwerbung hat das Phänomen vor Jahren auf die schlagende Formel gebracht: "Raider heißt jetzt Twix - Sonst ändert sich nix". Das traurigste Debakel hat die feministische Sprachpolitik gebracht: Während sich an faktischer Macht, Einfluss und Chancen der Frauen nahezu nichts änderte, wurde der Grammatik befohlen, eine Gleichberechtigung vorzugaukeln, an der sich die Gemüter beruhigten. Wo man/frau eifrig genug von ManagerInnen und MinisterInnen schrieb, ging der Impuls verloren, danach zu fragen, warum es tatsächlich nach wie vor bei weitem mehr Manager als Managerinnen gibt. Die Durchsetzung des großgeschriebenen I hat die faktische Emanzipation nicht nur nicht gefördert, sondern behindert, oft sogar der Lächerlichkeit preisgegeben.
[/COLOR][COLOR=darkslateblue]
[/COLOR]
Quelle:
[URL="https://www.bpb.de/publikationen/RL44MH,0,0,Symbole.html"]Symbole - Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 20/2006)[/URL]

UND das trifft es doch, oder?!?

Ja, stimmt. Da sich meine Frau derzeit mit Migrationspädagogik befasst, orten wir jetzt quasi ständig Rassismus oder andere Ungleichbehandlungen. Echt zum Kotzen, was man da so den ganzen Tag so alles findet.

Und es sagt aber keiner, das ist ja das Schlimmste dran! Hauptsache wir reden "politisch korrekt", wurscht was wir uns dabei denken!

Werd ich echt für eine HA in G4 ins Auge fassen, das Thema, so in die Richtung "Kulturwahrnehmung"

Auch ich würde meinen Enkelkindern 1 zu 1 die Bücher vorlesen, die bei mir im Schrank stehen. Werte, Sichtweisen und auch Vorurteile werden meiner Ansicht nach maßgeblich im Elternhaus vorgelebt, also durch das, was ein Kind im täglichen Umgang erfährt und hört.
Der Handwerkerpapa, das saubere Mädel, der schmutzige Junge oder die einkaufende Mama - all diese Klischees werden in Bilderbüchern immer noch vermittelt. Ist es nicht Aufgabe der Eltern, hier einzuhaken, zu diskutieren oder anderes vorzuleben? In einem aufgeklärten (Groß-)Elternhaus mit aufgeweckten (Enkel-)Kindern sollte eine "alte" Pippi Langstrumpf kein Problem sein, was aber nicht heißen soll, Neuauflagen nicht zu überdenken und ggb. zu korrigieren.

In diesem Zusammenhang kann ich mich gut an die Diskussion über "Tintin au Kongo" erinnern. Ich weiß nicht, ob man damals in Deutschland auch über Tim und Struppis Aufenthalt im Kongo kontrovers diskutierte, aber in Frankreich sorgte die Klageeinreichung (2007) eines kongolesischen Studenten, der den weiteren Verkauf verhindern wollte, für mächtigen Aufruhr.

*Ich finde das Thema deshalb so interessant, weil vieles auf dem Alltar der "**Political correctness" geopfert wird ohne nachzudenken. Mir fällt das auf in Bezug auf Straßennamen.... . Man verändert mehr als nur Begriffe und Namen, es wird das kulturelle Gedächtnis verändert, statt sich mit der Geschichte auseinander zu setzten.*

*Ich finde das Thema deshalb so interessant, weil vieles auf dem Alltar der "*Political correctness" geopfert wird ohne nachzudenken. Mir fällt das auf in Bezug auf Straßennamen.... . Man verändert mehr als nur Begriffe und Namen, es wird das kulturelle Gedächtnis verändert, statt sich mit der Geschichte auseinander zu setzten.

Aber genau das gehört doch zu der Geschichte der Geschichte :)
Es ist schlimm was im Kölner Archiv vernichtet wurde aber genau das gehört jetzt zur Kölner Geschichte. Ich glaube nicht dass sich das kulturelle Gedächnis durch Veränderungen von Begriffen ändert solange wir Geschichtsunterricht haben.

Mich hat weder Pipi Langstrumpf, noch meine - damals noch ganz offiziell so genannte - heißgeliebte "Negerpuppe" und auch nicht meine Lieblingsschokolade, das Negerbrot, rassistisches Denken gelehrt. Um's Brot habe ich sie sogar beneidet... :o
Aber im Ernst, ich bin überzeugt, dass all diese Ausdrücke in alten Kinderbüchern keinen Schaden anrichten können, wenn man in einem toleranten Elternhaus aufwächst - egal ob jetzt zu Hause über jedes einzelne Buch diskutiert wird oder nicht. Für mich gab es die Idee des Rassimus gar nicht, die waren schwarz, wir waren weiß und Pipi's Papa war natürlich der König dort, der war ja so stark und so klug, seine Hautfarbe (darüber hätte ich im Leben nicht nachgedacht) war irrelevant, er war einfach der Beste.
Auch pauschalierte Aussagen über ein Volk von Lügnern oder was weiß ich, sind m.E. nach Fälle von Pipis ständiger, maßloser Übertreibung - das Volk ist doch beliebig austauschbar.

Im Gegensatz dazu nützen auch politisch korrigierte Pipi-Bücher nichts, wenn das Umfeld nicht passt...

Allerdings würde das Ganze für mich in einem anderen Licht erscheinen, wenn ich wüßte, dass Astrid Lindgren tatsächlich Rassistin war. Wenn ich das Gefühl hätte, Lindgren hätte ihre verquere Ideologie bewusst in ihren Kinderbüchern verpackt, ich wäre entsetzt, maßlos enttäuscht und würde mit Sicherheit anders urteilen. Aber ich hoffe doch sehr, dass dem nicht so war?!!

balina wrote:

*weil vieles auf dem Alltar der "**Political correctness" geopfert wird ohne nachzudenken. *

und manchmal ist es dann noch nicht mal korrekt, sondern nur pseudo-korrekt, wie der begriff "Roma und Sinti" statt Zigeuner.
hatte mal im radio einen beitrag zur diskussion über die inschrift auf dem denkmal vor dem reichstag gehört.
hier ein ausschnitt aus einem [URL="https://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EDCBDD7EBB48D42DABFB9A916957E3B60~ATpl~Ecommon~Scontent.html"]FAZ Artikel von 2005[/URL] zu diesem thema.

"Überdies ist die Bezeichnung „Sinti und Roma“ diskriminierend, weil sie viele Zigeunergruppen ausschließt. Die Sinti sind zwar die größte Gruppe im deutschen Sprachraum, aber nicht die einzige; es gab und gibt hier auch andere Gruppen (die Lalleri, Litautikker und so weiter), und sie gehören ebenso zu den Verfolgten. Der Zusatz „Roma“ macht die Sache nicht besser. Roma (Menschen) ist die gängigste Eigenbezeichnung der Zigeuner.

Insofern dieses Wort alle Zigeuner meint, ist die Bezeichnung „Sinti und Roma“ unlogisch, da sie zuerst eine Teilgruppe und danach die Gesamtheit nennt (so als spräche man von Katholiken und Christen oder von Bayern und Deutschen). Wenn nach einer anderen Auffassung mit Roma die ost- und südosteuropäischen Zigeuner gemeint sein sollen, werden wiederum andere Zigeuner ausgeschlossen wie etwa die Manusch im französischsprachigen Raum, die auch verfolgt wurden, oder die Kale auf der Iberischen Halbinsel."

Monella wrote:

Mich hat weder Pipi Langstrumpf, noch meine - damals noch ganz offiziell so genannte - heißgeliebte "Negerpuppe" und auch nicht meine Lieblingsschokolade, das Negerbrot, rassistisches Denken gelehrt. Um's Brot habe ich sie sogar beneidet... :o

Du hast Negerküsse noch vergessen.;)

Im Gegensatz dazu nützen auch politisch korrigierte Pipi-Bücher nichts, wenn das Umfeld nicht passt...

Jepp, genau so! Siehe auch Beitrag Balina. Was hilft es, wenn man es umbenennt, sich die Voraussetzungen aber nicht ändern.

Jetzt bin ich wieder die, die das Forum in eine andere Richtung lenkt. Aber: Hier bei mir liegt ein suuper Buch, in dem recherchiert wurde, wer Pippi Langstrumpfs Vater war: Carl Pettersson war ein Seefahrer, der auf dem Bismarck-Archipel arbeitete, Schiffbruch erlitt, auf einer Insel strandetet, dort "könig" wurde und eine Einheimische heiratete. Überliefert sind seine ungeheuren Körperkräfte. [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Pettersson"]Carl Pettersson – Wikipedia[/URL] Diesen "Typen" hat sich Astrid Lindgren wohl als Anregung für ihren ...-König genommen

Das Buch ist sowas von spannend, es beschreibt die Recherche, die Interviews mit den Nachkommen usw. [media=asin]3471780971[/media] Ich habe es mal zufällig im Supermarkt bei den "beschädigten" Büchern für 3 Euro gekauft

Wieso lenkt du in eine andere Richtung?!? Würde ich nicht so sehen. Danke für die Buchempfehlung!

Ich finde es toll, dass wir hier solche Themen diskutieren.

Finde ich auch: Wieso andere Richtung? Werde ich mir mal notieren, hört sich sehr interessant an.

Einer Freundin von mir ist folgendes passiert: Sie hat ihren vier und sechs Jahre alten Söhnen die Originalversion von Pipi vorgelesen. Ein paar Tage später im Supermarkt krähte der Kleine aus seinem Sitz im Einkaufswagen beim Anblick eines Afroamerikaners (so sagt man glaube ich derzeit): "Guck mal Mama, da issen NEGER!" Sie hat sich dabei nichts gedacht und ging kurz in einen Gang, ohne den Wagen mitzunehmen. Zurück am Wagen, sah sie den Mann wild gestikulierend vor ihrem eingeschüchterten Sohn stehen. Sie fragte, was los sei und er hat sich bitter über den Satz des Kindes beschwert. Sie hat ihm dann erklärt, warum der Kleine das gesagt hat und dann hat er schallend gelacht. Soviel zu political correctness ;))

und genau mit den neuen wortschöpfungen wird es ja so schwierig. denn der afroamerikaner ist dann vielleicht afrodeutscher. oder einfach nur afrikaner, oder gebürtiger USA-amerikaner mit wurzeln wer weiß woher. und wenn jemand z.b. äthiopische und französiche wurzeln hat?

und als "deutscher mit migrationshintergrund" möchten sicher auch nicht viele bezeichnet werden, obwohl diese bezeichnung sachlich korrekt ist. hat aber den charme einer technischen bedienungsanleitung und ist kurz nach seiner entstehung schon wieder mit einem haufen negativer bedeutungen belastet.

scheint mir ein typisches dilemma.

Ich denke es kommt nicht wirklich auf die Begrifflichkeiten an. Wenn ein Kind den Begriff "Neger" aus einem Kinderbuch kennt und verwendet ist es nicht schlimm, sondern das Problem sind die Erwachsenen die in negativer Weise diese "Neger" bewerten. Politische korrekte Begrifflichkeiten ändern, wie oben geschrieben, gar nichts. Deshalb kann ich den Hype um sprachliche Um- und Neuschöpfungen auch nicht nachvollziehen. Ich beziehe das auch auf Frauen.

Das kommt auf das Kinderbuch an...

10 kleine Negerlein zu singen oder lesen ist (gefühlt) was anderes als Pippi Langstrumpf....

balina wrote:

Das kommt auf das Kinderbuch an...

10 kleine Negerlein zu singen oder lesen ist (gefühlt) was anderes als Pippi Langstrumpf....

aber da würde dann wohl auch eine politisch korrekte Bezeichnung nichts daran ändern... das Lied ist einfach an sich schon "seltsam", da wäre es auch egal wenn es lediglich hieße 10 kleine Bübelein oder was auch immer, oder?

Monella wrote:

aber da würde dann wohl auch eine politisch korrekte Bezeichnung nichts daran ändern... das Lied ist einfach an sich schon "seltsam", da wäre es auch egal wenn es lediglich hieße 10 kleine Bübelein oder was auch immer, oder?

Eben nicht. DAS Lied kannst du / ist eindeutig im kolonialen Kontext (zu) sehen...

Natürlich, aber hier ist einfach der gesamte Text fragwürdig, da ändert das Ersetzen einzelner Begriffe nichts mehr.
Was ich gemeint habe, ist, dass es eben schlussendlich um mehr als nur die "richtige" Bezeichnung geht, dieser Text wäre auch indiskutabel, wenn nicht das Wort Negerlein vorkommen würde.
Während ich das bei Pipi eben anders sehe. Nur weil in einem älteren Text das Wort Neger vorkommt, muss es noch nicht rassistisch sein. Der Inhalt ist m.E. nach viel schwerwiegender als die Bezeichnungen alleine.

@ Monella: bin deiner Meinung

Ich finde es an sich schon richtig, dass solche Diskussionen heutzutage überhaupt aufkommen. Das zeigt immerhin, dass sich das Bewusstsein hinsichtlich Rassismus und Diskriminierung in der Öffentlichkeit ändert. Der eigentliche Rassismus sitzt in den Köpfen der Menschen und der wird mit krampfiger "political correctness" natürlich nicht ausgemerzt. Aber zumindest wird diskriminierender Sprachgebrauch von Anno Tuck nicht mehr so selbstverständlich akzeptiert. Und das finde ich gut. Sprache und Bewusstsein hängen nun mal eng zusammen.

Was dieses Vermeiden von bestimmten Begriffen für skurrile und teilweise alberne Blüten treibt, steht auf einem anderen Blatt. Am deutlichsten äußern sich dazu oft die Betroffenen selbst:

[URL="https://www.euroafrica-magazine.com/de/index.php?option=com_content&view=article&id=51:gedicht-des-monats-wer-ist-farbig&catid=42:joomla-promo&Itemid=59"]Gedicht des Monats: Wer ist farbig?[/URL]
(bissi runterscrollen bis zum "Gedicht des Monats")

Jetzt habe ich ja keine Kinder, denen ich Pippi oder ähnliches vorlesen könnte. Aber wenn, würde ich mir ganz bestimmt keine kramphaft zensierten Versionen zurechtzimmern. Sondern dem Kind insgesamt ein möglichst menschenfreundliches und differenziertes Beispiel vorzuleben versuchen. Ich würde Kindern klarmachen wie sie überkommene Bezeichnungen wie "Neger", "Zigeuner" oder auch "Indianer" einordnen sollten und dass, ganz gleich, welcher Herkunft, Hautfarbe, Religion etc., Menschen grundsätzlich mit Respekt zu begegnen ist. Dazu müssen keine Kinderbücher-Klassiker umgeschrieben werden. Vernünftig leben reicht.

Ach ja, hier noch mal ein auf die Spitze getriebenes Beispiel zum Thema "Sprache muss endlich mal weiblich werden" :D:

[media=youtube]T42FwIfuT0Q&feature=related[/media]

Bradbury wrote:

Und das finde ich gut. Sprache und Bewusstsein hängen nun mal eng zusammen.\


Das ist für mich der springende Punkt. Natürlich muss ich nicht alles entfernen, was früher mal normal war. Also im Sinne von verbannen. Aber manche Sachen/Begriffe haben sich eben über die Zeit verändert - auch oftmals aus gutem Grund - und da halte ich es nicht für verkrampft, den gegenwärtig richtigen Begriff zu wählen.
Ich möchte eben nicht Fräulein genannt werden. Und ich bin gern Studentin, spreche dennoch oft in der gängigen männlichen Form, würde nie eine Arbeit schreiben in der ich immer beide Formen verwende - weil viel zu schwer lesbar, etc.
Für den Begriff "Neger" gibt es heute eine - oftmals schwer zu durchschauende - Auswahl an Begriffen, wobei man sich immer fragen muss, ob man es überhaupt verwenden muss.
Da gefiel mir der Gedankenansatz, warum ich jemanden anhand seiner Hautfarbe beschreiben muss....
Sobald ich aber eine Alternative habe, wie zB beim Schaumkuss, ist es für mich völlig logisch, diesen Begriff zu verwenden, eben weil der alte Begriff negativ belastet ist. Das ist für mich weder ein Eiertanz noch eine verkrampfte Sprache.
Worte sind mMn Waffen und ich finde, man muss einfach viel mehr darauf achten, was man so sagt. (Ein "habs nicht so gemeint" im Nachhinhein macht den Schaden nicht weg)

Aber: Das Vorleben und Erklären in der Familie, in der man aufwächst prägt, und nicht Bilder, Worte oder Geschichten, die man nebenbei so mitbekommt. Ich habe mir als Kind (kann mich nicht mal selbst dran erinnern) mal ein Hakenkreuz auf die Hand gemalt. Habe das gesehen an irgendeiner Klotür. Das war dann definitiv ein Gespräch zwischen Mutter und Tochter wert und für mich war dann klar, dieses Zeichen male ich mir nie wieder irgendwo hin. Denn ab da war die Wertung klar.
Wenn ich mein Kind also Begriffe mitbringt, dann kann ich diese Begriffe ohne panisch zu werden, erklären, deuten und klar machen, was geht und was nicht geht - ist ja mit anderen wertenden Begriffen (Homo, Schwuli, Mongo etc pp) nicht anders. Auch da ist es Aufgabe der Erwachsenen, den Kindern ruhig klar zu machen, was es bedeutet und warum das nicht geht. Deswegen muss ich aber nicht alles tabuisieren oder verschwinden lassen, was mal irgendwann normal war....

Sieht so aus, als wenn Kinderbücher, die Hauptfiguren und deren Autoren genauestens unter die Lupe genommen werden.
Zum Glück habe ich viele "alte" Kinderbücher, (man weiß ja nie, nachher werden sie doch umgeschrieben, oder gänzlich aus dem Verkehr gezogen.).

[url=https://www.welt.de/print/welt_kompakt/kultur/article12696641/Skandal-um-Biene-Maja.html]Skandal um Biene Maja - Nachrichten Print - WELT KOMPAKT - Kultur - WELT ONLINE[/url]

Sanne4 wrote:

Zum Glück habe ich viele "alte" Kinderbücher, (man weiß ja nie, nachher werden sie doch umgeschrieben, oder gänzlich aus dem Verkehr gezogen.).


oder verbrannt:auweia

oder verbrannt:auweia:

Das glaube ich jetzt nun nicht. Wer sollte so etwas tun?

Na das war doch jetzt ein (schlechter:o) Scherz :feiff

Ach soooo...*SchweißvonderStirnwisch*

Dachte schon, ich müsste mein Köfferchen packen und auswandern.

Bradbury wrote:

Das glaube ich jetzt nun nicht. Wer sollte so etwas tun?

Findet sich immer jemand. Die Harry Potter Bücher sind doch auch ins Feuer gewandert. Wegen bösem Hexenwerk und so.

Im übrigen habe hier viele von Euch meine Meinung schon so exzellent zum Ausdruck gebracht, daß ich mir die Tipperei sparen kann. Danke schön :) .

calamitysandra wrote:

Die Harry Potter Bücher sind doch auch ins Feuer gewandert. Wegen bösem Hexenwerk und so. \

Echt? :eek: Huhhhh....

[media=youtube]Azyhq-gwk-M[/media]

Immer wieder erfrischend in Lernpausen hier reinzuschauen

Christliche Fundamentalisten in den USA verbrennen Harry Potter Bücher:

[url=https://www.spiegel.de/panorama/0,1518,174901,00.html]Amerikaner verbrennen Potter-Bücher: "Die Kraft satanischer Dunkelheit" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama[/url]

Die spinnen die Amis:eek

Die rufen tlw auch zum Verbrennen des Korans auf. Bekloppte gibts halt immer. Wat willste machen?

Sind ja nicht alles Amis so. (Ein Glück)

Mein Mann hat amerikanische Evangelikale in der - zum Glück entfernteren - Verwandtschaft. Echt hardcore. Die haben tatsächlich so krude Ansichten. Unterstellen dir Satanismus, bloss weil du mal (ganz normale) schwarze Klamotten trägst. :rolleyes

deutsche Evangelikale sind ( meistens ) nicht so drauf.... und es gibt auch "normalos" bei den in USA ;)
UND eine deutsche kennst du doch auch?!? Die findest du doch nett, nicht wahr?!?

balina wrote:


UND eine deutsche kennst du doch auch?!? Die findest du doch nett, nicht war?!?

Ja klar doch, Mensch! :knuddel:Ich schmeiß doch nicht alle in einen Pott.

Außerdem habe ich ja grundsätzlich Respekt vor anderer Leute Religion - sofern sie friedlich ist und Andersdenkenden/-glaubenden ebenfalls mit Respekt begegnet. Aber "unsere" Amis sind wirklich ein hartes Kaliber. Hölle, Pech & Schwefel sowie absolute Verdammnis erwarten jeden, der sich ihnen nicht anschließt. Mich als Agnostikerin sowieso.

Außerdem - und damit wären wir wieder beim Thema - gebärden die sich wirklich rassistisch. Da wird von Afroamerikanern ganz ungeniert als "Neger" geredet, obwohl sie selbst einen Angeheirateten in der Familie haben. Wenn er gerade nicht anwesend ist, ist er "der Neger". Moslems sind allesamt der Antichrist in Person.Und Homosexuelle sind ekelhaft und widernatürlich und gehören nicht auf diesen Planeten. Das ist für mich gelebter Rassismus gegen den überkommene Bezeichnungen aus alten Kinderbüchern ein Witz sind!

Versuch den Begriff "Schokokuss". :) Mohrenkopf ist auch nicht fein, schön kolonial geprägt. Wie der "Nickneger" in Kirchen. Geht mMn überhaupt nicht.

Schwarz und weiß ist nicht schlimm. Denke, dass ist sogar pc, weil afroamerikanisch ja nicht immer stimmt. Dennoch ist halt fraglich, wieso der Mensch sich auf Hautfarbe als Beschreibung stürzen muss. Man kann Menschen auch anhand anderer Merkmale beschreiben...

Und Freikirche ist ja nicht Freikirche. Da gibts zuhauf Strömungen und Richtungen. Daher gibt es auch dort Menschen, die ihren Glauben leben ohne andere bekehren zu wollen und dann andere, die jederzeit und überall bekehren wollen und auch ziemlich viel Mist reden. Die finden sich aber auch in anderen Glaubenseinrichtungen. *schulterzuck*
Ich muss ja zum Glück nicht mit jedem reden, und mehr als reden wollen auch die hardliner nicht

MollyleiN wrote:

Und was ist mit [...] dem Maskottchen von Sarotti, dem schwarzen Mohr?? Da ist es ok, beim Negerkuss nicht?


Den Sarotti Mohr gibt es nicht mehr, schau mal genau hin...

Werbung [[URL="https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Mohr&action=edit&section=35"]Bearbeiten[/URL]]

[URL="https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Sarotti-Mohr.jpg&filetimestamp=20051003211252"][IMG]https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/77/Sarotti-Mohr.jpg/170px-Sarotti-Mohr.jpg[/IMG][/URL] [URL="https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Sarotti-Mohr.jpg&filetimestamp=20051003211252"][IMG]https://bits.wikimedia.org/skins-1.17/common/images/magnify-clip.png[/IMG][/URL]
Der Sarotti-Mohr, ausgestellt im [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Imhoff-Stollwerck-Museum"]Imhoff-Stollwerck-Museum[/URL]


[URL="https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Kaiserbrunnen_Logo.jpg&filetimestamp=20071220151939"][IMG]https://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/a/a0/Kaiserbrunnen_Logo.jpg/170px-Kaiserbrunnen_Logo.jpg[/IMG][/URL] [URL="https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Kaiserbrunnen_Logo.jpg&filetimestamp=20071220151939"][IMG]https://bits.wikimedia.org/skins-1.17/common/images/magnify-clip.png[/IMG][/URL]
Das bis heute verwendete Firmenlogo der „Aachener Thermalwasser [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Aachener_Kaiserbrunnen"]Kaiserbrunnen[/URL] Aktiengesellschaft“ ziert ein Mohr in weißer [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Livree"]Livree[/URL].


Der Sarotti-Mohr [[URL="https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Mohr&action=edit&section=36"]Bearbeiten[/URL]]

Der 1868 von [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Hoffmann"]Hugo Hoffmann[/URL] gegründete und 1881 durch Übernahme der „Confiseur-Waaren-Handlung Felix & Sarotti“ unter dem Namen [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Sarotti"]Sarotti[/URL] bekannt gewordene Schokoladenhersteller wirbt seit den 1920er Jahren mit dem „schokoladenbraunen Sarotti-Mohr“ als [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Firmenlogo"]Firmenlogo[/URL]. Nach Beendigung des Krieges entwarf die Werbeagentur des Grafikers [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Gipkens"]Julius Gipkens[/URL] anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Unternehmung, in Anlehnung an die erste Fabrikationsstätte in der [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Mohrenstra%C3%9Fe"]Mohrenstraße[/URL], das erste Mohrenzeichen: drei Mohren mit dem Tablett. Am 27. August 1918 wurde das Markenzeichen angemeldet.
Die bis heute verwendete Gestalt erhielt der Mohr dann von Gipkens 1920 und wurde 1922 zur [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Marke_%28Recht%29"]eingetragenen Marke[/URL]. Die Werbefiguren trugen einen [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Turban"]Turban[/URL] und ein Tablett und sollte wohl ursprünglich auf die traditionelle Funktion von Mohren als Bedienstete des [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Adel"]Hochadels[/URL] anspielen. Möglicherweise sollen sie auch auf den Anbau von [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Kakao"]Kakao[/URL] in Afrika verweisen (der meiste Kakao kam zu der Zeit allerdings aus [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdamerika"]Südamerika[/URL]). Denkbar ist auch, dass damit Sinnlichkeit und gesteigerte Genussfähigkeit assoziiert werden sollen, wie sie in [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Stereotyp"]stereotypen[/URL] Vorstellungen den Bewohnern südlicher Länder zugeschrieben werden. (Wichtig ist in diesem Kontext der [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Kolonialismus"]Kolonialismus[/URL], der in Europa Fantasien vom „sinnlichen Süden“ anregte; siehe [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Exotismus"]Exotismus[/URL]). Vielleicht geht die Nutzung des Mohren aber auch auf die Produktionsstätte der Neumann'schen Warenhandlung zurück; diese befand sich nämlich eine Zeit lang in der Berliner Mohrenstraße. Der Mohr trat seit 1918 (dem 50-jährigen Bestehen des Unternehmens) auf [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Verpackung"]Produktverpackungen[/URL], in der [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Werbung"]Print-Werbung[/URL] wie auch ab 1964 in der [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Fernsehwerbung"]Fernsehwerbung[/URL] auf und wurde seither in zahlreichen Formen als [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Souvenir"]Souvenir[/URL] vermarktet. [COLOR=red][B]Seit 2004 wird der Sarotti-Mohr von der Firma [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Stollwerck"]Stollwerck[/URL] offiziell als „Sarotti-Magier der Sinne“ bezeichnet. Die Figur wurde farblich umgestaltet und jongliert nun mit Sternen, statt ein Tablett zu tragen.[/B][/COLOR]
Der Meinl-Mohr [[URL="https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Mohr&action=edit&section=37"]Bearbeiten[/URL]]

Auch im Logo der Wiener Kaffeerösterei [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Meinl"]Julius Meinl[/URL] findet sich ein „Mohr“. Der Meinl-Mohr trinkt Kaffee, trägt einen hohen roten [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Fes_%28Kopfbedeckung%29"]Fez[/URL] und die Uniform eines Hotelpagen oder Dienstboten. Er wurde 1924 von dem [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Grafikdesign"]Grafikdesigner[/URL] [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Binder"]Joseph Binder[/URL] entworfen und 1965 zu einer abstrakteren Darstellung modernisiert. Auch mit ihm sollten Sinnlichkeit und eine „weltoffene“ und „exotische“ Atmosphäre von südländischen Hotels oder Kolonialherren-Anwesen assoziiert werden. Für die USA hat der Meinl-Konzern das schwarze Gesicht durch Gold ersetzt. In Europa präsentiert sich Meinl weiterhin mit dem traditionellen „Mohren“ mit rotem Fez. Allerdings gibt die Firma offiziell an, der Mohr ähnele einem „sympathischen [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Barockengel"]Barockengel[/URL]“ und stehe daher für „die europäische Komponente“ der Firma. ( aus : [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Mohr#Werbung"]Mohr – Wikipedia[/URL] )

[url=https://www.google.de/imgres?imgurl=https://www.freiburg-postkolonial.de/pics/2008-Zeller-Sarotti1.jpg&imgrefurl=https://www.freiburg-postkolonial.de/Seiten/Mohren-Stereotyp.htm&h=371&w=300&sz=19&tbnid=J1QOKVY71sqojM:&tbnh=122&tbnw=99&prev=/images%3Fq%3Dsarotti%2BMohr&zoom=1&q=sarotti+Mohr&usg=__WafHXYi_Ewf9eLlmmEiv51PBVZE=&sa=X&ei=sht1TeKaBo2KhQefl81E&ved=0CEMQ9QEwBA]Google-Ergebnis für https://www.freiburg-postkolonial.de/pics/2008-Zeller-Sarotti1.jpg[/url]

siehe hier

Diese Begriffsverschwurbelung zeigt, denke ich, dass wir uns noch in einem Übergangsprozess befinden. Ernst Bloch, ne? Gleichzeitigkeit der Ungleichzeitigkeit. Die Weltsicht hat sich geändert und damit auch die Sprachkonventionen, in den Köpfen so mancher Zeitgenossen stecken aber noch die alten Prägungen. Daraus resultiert bei vielen so eine Art Unsicherheit, die sich in krampfhafter Vermeidung von Begriffen, die irgendwie anrüchig sein könnten, äußert. Ist nicht so einfach diesen Prozess abzukürzen.

Ob ein an sich neutraler Begriff wie "Schwarzer" o. ä. rassistisch konnotiert ist, hängt außerdem davon ab, wer ihn in welchem Zusammenhang benutzt. Und mit welcher Intention. Das spürt man in der Situation meist ganz genau. Ein abfälliger, verächtlicher Tonfall lässt einen eigentlich neutralen Begriff wie eine Beleidigung klingen.

JSchneider wrote:


Ich muss ja zum Glück nicht mit jedem reden, und mehr als reden wollen auch die hardliner nicht :D

Stell dir vor, du rufst den Großonkel in den USA an, um ihm zum Geburtstag zu gratulieren und dir donnert erstmal die "Offenbarung Johannes" entgegen. :eek::rolleyes::cool

Dann würd ich den nimmer anrufen :D
Ich hatte schon div. sehr seltsame Begegnungen mit christl. Gläubigen (bin nicht mal Atheist) und finde das teilweise befremdlich, teilweise ok und teilweise gehe ich dann halt, wenn es wirklich übel wird.
Aber das sind ja immer nur ein paar von x tausend.

ist zwar nicht direkt zum Thema, aber hat mich an Simmel erinnert LOL

und an den Großonkel in USA (Grins s.o.)

[url=https://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fernuni-hagen/1406138/]Das Bedürfnis zu glauben - Religion als "anthropologische Konstante“ des | Thema | Deutschlandradio Kultur[/url]

[url=https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/protest-gegen-schoko-traum-werbung-einer-baeckerei/4015128.html]Lausitz: Protest gegen "Schoko-Traum"-Werbung einer Bäckerei - Welt - Tagesspiegel[/url]

balina wrote:

[URL="https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/protest-gegen-schoko-traum-werbung-einer-baeckerei/4015128.html"]Lausitz: Protest gegen "Schoko-Traum"-Werbung einer Bäckerei - Welt - Tagesspiegel[/URL]


Immer noch der erste April. Das Zeitunglesen sollte man heute besser einstellen.

StinaF. wrote:

Herzchen, immer noch der erste April. Das Zeitunglesen sollte man heute besser einstellen.

WAS hast du den gegen den 1.April?!?

balina wrote:

WAS hast du den gegen den 1.April?!?


Hab nix gegen den 1.April. Aber irgendwie sieht mir das auch nach Zeitungsente aus. Oder war das auch so gemeint von dir? :D Dann hab ichs nur falsch aufgefasst

grins.......