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Virtuelle Identität=Evolutionsstufe?

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Ich würde gerne Folgendes mit Euch diskutieren:

Die Apologeten von Internet Rollenspielen betonen die kompensatorische Funktion dieser Spiele, wie deren Dienstbarkeit als Trainingsfall fürs Real-life.
Die Kritiker warnen, weil die Parallelwelt von der Wirklichkeit entfremdet.

Versuchen wir mal virtuelle Welten, wie "second- life" einigermaßen wertfrei zu betrachten...(ich selbst kenne es auch nur aus Berichten von Freunden, Fernsehen oder Klienten)
Die Menschheit hat sich dorthin entwickelt, dass etwas, das als Spiel gedacht war ein Teil der Wirklichkeit für die Spieler geworden ist. Sie fühlen, lieben, streiten, kämpfen und träumen in dieser Welt, wie in der Wirklichen, das macht wohl auch den Reiz aus.

Warum ist das real-life dem second-life also überlegen?

Kann man virtuelle Identitäten als Evolutionsstufe betrachten?

Angelika

Comments

Verehrteste B.,

zuerst sollten wir mit dieser euphemisierenden Dichotomie real life / virtual life aufräumen, die sich in diesem Fall als Denksperre erweisen kann. Der Begriff des reallife hat m.E. den Charakter einer Schutzbehauptung, die von Online-Spielern benutzt wird, um zu suggerieren, das sie ihre Prioritäten in persönlichen Kontakten liegen und die Online-Aktivitäten bestenfalls eine ironische Ablenkung sind.

Natürlich ist es so, das Online-Bekanntschaften keineswegs weniger real sind, als persönliche. Die Beziehung ist nur durch die Bedingungen des Mediums eine fundamental andere. Ebenso wie Mündlichkeit und Schriftlichkeit in ihren vielen Teilaspekten gegenübergestellt werden können (wie es Herr Kuchenbuch auf S.11 seiner Einführung in die Alteuropäische Schriftkultur - Modul G2 mach), ist das für mündliche Kommunikation vs. virtuelle Kommunikation möglich.

Dass in einer persönlichen Kommunikation der Gesprächspartner mit allen Sinnen wahrgenommen werden kann, wird Online kompensiert oder ausgewogen indem der Rahmen des Gesprächs vielleicht eng kontextualisiert ist, also bereits vorgegeben ist und nur schwer verlassen wird. Da dem online-Austausch die sinnliche Ebene so entzogen ist, findet er m.E. in einer stärker intellektualisierten Form statt - soll heißen, auch sehr emotionale Äußerungen wie ein Wutanfall benötigen verfeinerte rhetorische Formen, da eine wutverzerrtes Gesicht und Brüllen durch die Technik schlecht übertragen werden. Anstatt dessen muss man seine Gefühle in eine streng ritualiserte Etikette pressen und vielleicht tippen:

Get a life, u bloody lamerz!!!!11!1!

Soviel von mir dazu erstmal.
Ciao,
Peter

Wo Sie grad sagen, Herr Kuper...

aber das ist doch genau mein Punkt, dass diese Dichotomie offenkundig nicht nur von Rollenspielern als solche definiert wird, sondern auch von den meisten Menschen, die ich kenne.
(Oder sollten das alles Rollenspieler im Untergrund sein....:eek:)

Aber zwischen online-Kontakten und Rollenspielen besteht ja nun auch nochmal ein gewaltiger Unterschied...hoffe ich doch.

Was Du in Bezug auf die speziellen Kommunikationswerkzeuge sagst, verstehe ich auch (bis auf das Englische...sieht auch nicht nett aus, deswegen tu ich jetzt mal so, als wäre ich damit keinesfalls gemeint *Schluck*).

Aber dennoch würde ich soweit gehen zu behaupten, dass in unsrerer Gesellschaft so etwas wie ein Konsens darüber besteht, dass die virtuelle Welt eben gegenüber der "wirklichen" oder dem, was man dafür hält als minderwertig betrachtet wird.
Darauf will ich hinaus.

So Miss B.,

jetzt habe ich mich also auch hier rübergewühlt. Schönes Thema.

Vor allem kann ich da sehr viel Erfahrungen berichten, keine persönlichen aber einige meiner näheren Bekannten und Verwandten verbringen mehrere Stunden täglich in solchen virtuellen Welten. Zwar kenne ich keinen, der bei SecondLife mitmacht, aber einen Extremfall aus der Verwandtschaft, der z.B. ca 4-10 Stunden am Tag bei einem bekannten weltweiten Echtzeit-Strategiespiel mitspielt (mir ist der Name entfallen). Benannte Person hat sich mehr und mehr aus Familie und Freundeskreis zurückgezogen und verlebt große Teile in dieser virtuellen Welt. Ferner kenne ich einige Personen die auf sogenannten Freundesnetzwerk-Seiten den halben Arbeitstag (manche können das anscheinend) an Ihren Profilen, Fotos usw. also Ihrer zweiten Welt feilen.

Logisch, interagiert man mit anderen Menschen auf virtueller Weise. Persönlich habe ich aber den Eindruck gewonnen, dass die zwischenmenschliche Ausdrucksweise (Körpersprache, Fingerspitzengefühl) signifikant nachgelassen hat.

Dafür gewinnt man aber, wie A.C. schon sagte, umfassende umgangsprachliche Schriftformen:

shot em down and get outta here! oder: hosd scho am peda sei neis provui gseng?

Ein Konsens besteht m.E. schon in einer niedrigeren Bewertung der virtuellen Welt, durch die Teilnehmer der realen Welt. Würde man aber die anderen Fragen, würden diese logischerweise andersrum antworten. Obwohl sie dann doch meistens denn "Realern" Recht geben, eben weil sie selber gut genug wissen was die Aussenstehenden von ihrer virtuellen Realität denken.

Warum das real-life, dem virtuell-life überlegen ist? Na, ist doch klar: Schau doch mal rein, was man da für tolle Identitäten annehmen kann, wie schnell man seine Kleider, sein Auto, Statusobjekte, ja selbst sein Leben tauschen kann:

[URL="https://www.n-tv.de/1048247.html"]### n-tv.de -Medienfenster ###[/URL]

Hier hast Du SecondLife hautnah. Schon mit der notwendigen ironischen Ornamentierung.

In diesem Sinne

Gute Nacht

Ich bin keineswegs der Ansicht, dass ein gesellschaftlicher Konsens besteht, welche Art der Kommunikation wertvoller ist. Das Gesicht meiner Mutter hat insoweit recht, als die Second Life oder MMORPG-Spieler die Meinung der Außenstehenden sehr wohl antizipieren können. Um gesellschaftlichen Bann zu vermeiden wird eben die Bedeutung des 'reallife' als Lippenbekenntnis herausgestellt, auch wenn man unter sich ist.

Das ist ungefähr so, als wenn sich zwei Malle-Touris jedes Jahr in El Arenal beteuern, das das wirklich schöne an der Insel das Inland ist.

Die Frage ist m.E. auch nicht, ob oder warum virtueller dem persönlichen Kontakt überlegen sein soll, sondern warum diese Form gewählt ist. Meine Hypothese ist, dass es in einer anonymisierten, pluralisierten und deterritorialisierten Umwelt einfacher ist, online Gleichgesinnte zu finden. Entscheidend ist hierbei der Habitus. Jemand, der seit seiner Kindheit Fußball gespielt hat, wird sich im Vereinsleben zurechtfinden wie ein Fisch im Wasser, und sein gesellschaftliches Leben dem Treiben der Vereine anpassen. Jemand der seine Interessen über den gesellschaftlichen Mainstream hinaus entwickelt hat, ist gezwungen, Geistesverwandte mit einem feineren Instrument zu suchen, als das nächste Vereinslokal anzusteuern. Aber ebenso findet er sich auch mit diesem feinen Instrument in den kodierten Eigenheiten des Internets besser zu recht, weil er eben dessen Funktionsweise verinnerlicht hat - Auch wenn es im Netz kein offizielles Vereinsverzeichnis gibt, durch das man einfach Furry-Sex e.V. beitreten könnte.

Ciao,
Peter

Männers,
vielleicht sollten wir das Thema dahingehend verengen, als dass wir die Diskussion auf die second-life-Geschichte verengen. Internetgestützte Kommunikation (mit all ihren Vor-und-Nachteilen) ist für mich nicht deckungsgleich mit Rollenspielen.

ich habe mir die Seite angesehen und es ist genau so, wie ich mir das vorgestellt habe, oder wie ich es aus einschlägigen Fernseh- Dokus kenne.

So albern mir die Figuren und deren Aussehen und Habitus erscheinen - im Prinzip ist das, was ich dort sehe nicht viel anders, als das, was ich Samstagnachts auf irgendwelchen Patrty-events in der Kulturfabrik, in der ich u.a. arbeite, erlebe.
Der Unterschied ist der, dass man im Rollenspiel nur als halbwegs reflektierter Mensch des Gesichtsverlusts gewahr wird. Im real-life ist die Devianzerfahrung zwischen dem, was dargestellt werden soll (z.B. viel zu enge Kleidung, die brutal in das eine oder andere Fettpölstrerchen schneidet, verlaufendes make-up, oder ebenso verwaschene Mimik in Zusammenhang mit übermäßigem Alkoholkonsum) und dem was ist offenkundiger.

Mein Punkt, auf den ich hinaus will ist der, dass für den Spielenden die virtuelle Umgebung als durchaus real erlebt werden kann. Ich weiß aus Schilderungen von Spielern, dass sich die beiden Ebenen leicht übereinanderschieben. Das macht wohl auch deren Gefahr i.S.v. Suchtpotenzial aus.
Das bedeutet aber, dass dies dann dessen Realität ist, in der er liebt, begehrt, stark und schön sein kann, was er wahrscheinlich auch irgendwie ist, nur im reallife aus irgendwelchen Gründen (seien sie physiognomischer Art) nicht leben kann.
Dann aber ist das doch auch Realität, zwar eine , die uns jetzt vielleicht nicht zugänglich ist...aber für denjenigen, der spielt ist das eine Form der Wirklichkeit.
Andererseits: betrachtet man den süchtigen oder abhängigen Spieler als solchen und tauscht das Suchtmittel aus: - Jemand der auf Schore oder Alk unterwegs ist lebt ja auch in seiner eigenen subjektiven Realität und es würde vermutlich niemandem einfallen, dies als "Evolutionsstufe" einzschätzen.
Naja außer vielleicht unbelehrbare Kiffer, die nach wie vor behaupten, dass Kiffen bewusstseinserweiternd sei.....

:hmmm:Angelika

Danke Angelika,

genau meine Worte. Diese Identitäten die im Internet gerne vertreten werden finden sich zunehmend auch in der Realität. Ich könnte hier auch nur so sprudeln mit Erlebnissen, die ich regelmäßig am Wochenende mache, da ich regelmäßig auch auf Events und Partys zur Finanzierung meines Studiums arbeite. Wußte gar nicht, dass Du so was auch machst. Das wär vielleicht mal ein ganz gutes Thema für ne Hausarbeit...

deimuadaseigsicht wrote:

Danke Angelika,

genau meine Worte. Diese Identitäten die im Internet gerne vertreten werden finden sich zunehmend auch in der Realität. Ich könnte hier auch nur so sprudeln mit Erlebnissen, die ich regelmäßig am Wochenende mache, da ich regelmäßig auch auf Events und Partys zur Finanzierung meines Studiums arbeite. Wußte gar nicht, dass Du so was auch machst. Das wär vielleicht mal ein ganz gutes Thema für ne Hausarbeit...

Genau das hab ich ja versucht bei meiner "Durchfallhausarbeit" in Modul 3!
ich wollte die Relevanz solcher Veranstaltungen - die gemeinhin der Alltagskultur/ Jugendkultur zugerechnet werden darlegen...is aber nicht so dolle angekommen. Willste mal lesen?

drei,

schöne Diskussion - ist mir doch tatsächlich entgangen, dass hier was Interessantes online behandelt wird :).

Ich denke auch, dass man, wenn man sich zu sehr in die virtuelle (Spiel?-) Welt vertieft, einen gewissen Identitätsverlust erleben kann. Was trifft da eigentlich aufeinander? Reine Kunstfiguren dürfte es dort nicht geben, da sie immer einen Teil der Person enthalten werden (und sei es, deren Wunschdenken zu kompensieren), die sie erschafft. Entweder man ist dort jemand, der man gerne sein möchte oder man spielt vielleicht auch die Rolle einer Figur, die man überhaupt nicht sein will. Die Frage ist, bei welcher Figur die Distanz dazu größer ist? Das erste wäre wunschhaft, das zweite wäre eventuell die Kompensation eigener Abgründe, die man hat, aber nicht rauslässt.

Kleine Anekdote am Rande: Irgendwann hat mir mein Bruder mal auf die Frage, ob er jetzt endlich zum Kaffee trinken rüberkommt (er wohnte damals nebenan): "Ja, gleich - ich muss erst noch meine Planeten sichern!" ... So etwas hätte er wohl in der Nähe psychiatrischer Kliniken nicht laut sagen dürfen, oder :eek::D?

Ich glaube Frau B. und Frau C. sprechen einen interessanten Punkt an. Simmel hat doch Individualität als die Schnittmenge aller sozialen Kreise definiert, deren man angehört. Eine Definition, die das Wort Individualität geradewegs ad absurdum führt... SL, an sich ebenso ein sozialer Kreis, könnte auch ein Gegenbewegung dazu bilden, indem man die Kontrolle, über das, was man sein will, zurückerlangt.

Gibt es einen Unterschied zum Magischen Theater in Hermann Hesses Steppenwolf, in dem der Eintretende gebeten wird, seine geschätzte Persönlichkeit abzulegen wie einen Mantel?

Verehrtester Herr Kuper,

wären Sie wohl so freundlich mir Auskunft darüber zu geben in wie fern Simmels Definition von Individualität selbige ad absurdum führt...ich kann da nicht folgen.
Ihre Schlussfolgerung, mündet in ein Verständnis von Individualität als kontrollierbares Phänomen. Verstehe ich das richtig?
Das wiederum würde für die These "Evolutionsstufe" sprechen: in dem Sinne, dass ein Individuum sich den Einflüssen seiner Umwelt entziehen könnte, sich selbst entwirft. Dagegen spräche allerdings wiederum, dass die selbstgewählte "Individualität" auch nicht frei ist von den Prägungen diverser sozialer Kreise.
Ja, es gibt allerdings einen Unterschied zu Hesses' Figur. Die Persönlichkeit wird ja in s.l. nicht abgelegt, sie wird nur ins Positiv oder Negativ verkehrt und so veräußert.
Wenn Lieschen Müller, 36, 168/79 aus Hintertupfingen in sl eine Figur designt, die mit exotischen Namen, Wespentaille und dem obligatorischen Vollwertdekoltee ausgestattet ist, dann steht dahinter immer noch Lieschen Müller, die gerne so aussehen würde....

Frau B.

Verehrtestere Frau B.,

eine vielleicht landläufige Definition für Individualität ist, dass eine Person nicht nach dessen Funktion in der Gesellschaft bewertet wird, sondern einen Selbstwert beanspruchen kann, der sich wiederum an der Differenz zur Gesellschaft messen lässt. Nach diesem Gesetz der sozialen Kreise Simmels ist das alles Käse, denn Individualität ist nur ein Ausdruck einer hochgradig arbeitsteiligen Gesellschaft, in der ein Einzelner nicht mehr an jeder Funktion teilhaben kann. Seine Individualität definiert sich durch alle sozialen Gruppen in der er, entweder aufgrund Zufall oder Eignung eine Funktion erfüllt und in dieser Konstellation woht tatsächlich einmalig ist.

Da ich SL nicht wirklich kenne, kann ich auch nicht darüber urteilen, ob sich diese Platform nur zum chatten oder posen eignet, und um Sex zu haben natürlich, oder ob es sich tatsächlich eignet, andernorts unerfüllbare Wünsche zu kompensieren. Auf jeden Fall gibt es im Internet viele wunderliche Orte, die den spezialisiertesten Interessen dienen, und diese sind wohl für die Wissenden einfacher zu erreichen als Vereine, Clubs, Organisation mit persönlicher Präsenz.

Herr Kuper,

ich habe Simmel so verstanden, dass es bei der Schnittmenge der sozialen Kreise mehr um Prägungen durch selbige geht, weniger um die Funktion des Einzelnen innerhalb der einzelenen Kreise. Die Simmellektüre liegt ja nun schon eine Weile zurück und es kann durchaus sein, dass dieses Verständnis meinem allzeit präsenten "Angelika-denkt-sich-die-Welt-so-schön-wie-sie-sie-braucht" - kurz: selektiven Erinnerungsvermögen -entspringt.

Dass der Reiz virtueller Welten, wie z.B. sl in deren kompensatorischer Funktion liegt, finde ich in meiner Arbeit mit Spielsüchtigen (den wenigen, die es in die Beratungsstelle geschafft haben) ebenso bestätigt wie durch die Interviews mit Spielern in den einschlägigen Fernsehdokus. Einer solchen entspringt ja auch die These von virtuellen Identitäten als Evolutionsstufe.
Ähnlich wie irgendwelche grunzenden Urzeitmenschen, die lernten, dass Fleisch bekömmlicher ist, wenn man es gahrt, hat man jenseits der Jahrtausendwende gelernt persönliche Defizite im sozialen Kontakt zu überwinden, indem man sie einfach ausblendet.
Natürlich sind die Orte, von denen Du schreibst leichter zu erreichen, als Clubs oder Vereine. Ich behaupte aber, dass die Unverbindlichkeit solcher Kontakte dabei aber auch eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Wenn mir da jemand zu nahe tritt, kann ich mich einfach raustun. Ich kann die Leute, mit denen ich zu tun habe ganz nach meinen Bedürfnissen hernehmen und wieder ausschalten - das funktioniert im wirklichen Leben nicht.
Haptische Bedürfnisse bleiben dabei allerdings auf der Strecke -also nichts für Leute, wie mich...

Mademoiselle B.,

ich glaube Euer Erinnerungsvermögen liegt da sehr richtig: Es ging weniger um die Funktion als um die Prägung durch soziale Kreise. Das bestärkt nun aber meine Argumentation mehr als es sie entkräftet: Denn Individualität wird ja dadurch nicht zum Eigenwert, sondern ist lediglich einzigartig durch eine beliebige Kombination von Zugehörigkeiten, deren Wiederholbarkeit nur aufgrund der schieren Anzahl der Komponenten sehr gering ist. Das ist sozusagen die Individualität eines personalisierten Mobiltelefons. Diese Farbe, jenes Display, dieser Klingelton: Einmalig ja, unverwechslbar definitiv nicht.

Auch im anderen Punkt beliebe ich zu widersprechen: Kontakte über das Internet sind nur deshalb so unverbindlich, weil ein Mitglied, das aus einer Community ausscheidet, von dieser nicht mehr sanktioniert werden kann. Beschmipft man seinen Nachbarn als Troglodyten, kann es sich hinterher herausstellen, das der Troglodyt mit meinen Vorgesetzten dienstag abends kegelt. Bezeichne ich hier das Gesicht meiner Mutter als Legastheniker, kann ich mich vielleicht hier nicht mehr blicken lassen, aber in meiner StudiVZ-Gruppe "Softpornos mit Weichzeichner sind Kunst" bin ich nachwievor noch angesehen.

Vielleicht hast Du selber schon gemerkt, wie schnell man sich auch im vermeintlich unpersönlichen Austausch im Netz persönlich zu Nahe getreten fühlen kann. Vermutlich umso leichter, als man zwischen die Zeilen, oder im Ausbleiben von Antworten Dinge lesen muss, die einem sonst Blicke und Gesten verraten würden. Ich finde, das die Kommunikation online mittelbarer aber nicht unpersönlicher ist. Und die Haptik ist ja wieder ein ganz anderes Kapitel...

Ciao,
AC